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Hauptmann steht nach Kander-Unfall vor Militärgericht

Gut 16 Monate nach dem Militärunfall mit fünf Toten auf der Kander im Berner Oberland hat am Dienstag am Militärgericht in Thun der Prozess gegen den Organisator der Bootstour begonnen.

Vor 16 Monaten: Eines der gekenterten Boote treibt nach dem Unglück in der Kander.
Vor 16 Monaten: Eines der gekenterten Boote treibt nach dem Unglück in der Kander.
Keystone

Dem Hauptmann drohen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung bis drei Jahre Freiheitsentzug. Zudem soll er unerlaubt Granaten verschossen haben.

Bei dem tragischen Unfall mit zwei Schlauchbooten am 12. Juni 2008 kamen fünf Armeeangehörige in den Wasserwalzen bei den Schwellen der Kander ums Leben. Die Leiche eines jungen Mannes wurde bisher nicht gefunden. Weitere fünf Menschen, darunter der Angeklagte, wurden verletzt gerettet. Der Unfall ereignete sich im Rahmen einer Kaderübung während der Dienstzeit, wie es in der Anklageschrift heisst.

Der Hauptmann, Kompaniekommandant der Lufttransport-Sicherungskompanie 3, hatte sich für die Bootsfahrt zuständig erklärt, die Fahrt jedoch gemäss Anklage kaum vorbereitet, keinen Rettungsdienst organisiert und die Beteiligten zudem falsch instruiert, was ihnen zum Verhängnis wurde. So habe sich etwa einer der Männer vor der Abfahrt erkundigt, ob flussabwärts Schwellen wie im oberen Flusslauf vorkämen. Der Hauptmann habe geantwortet, Schwellen dieser Höhe seien kein Problem. Falls die Teilnehmer auf eine träfen, sollten sie mit Rudern aufhören. Dies war laut Anklage auf fatale Weise falsch, da sich ein Boot nur durch Antrieb steuern lässt. Beide Boote kenterten nacheinander bei Flussschwellen.

Fahrlässige Tötung?

Der Hauptmann ist angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in fünf Fällen, was gemäss Artikel 120 des Militärstrafgesetzes mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden kann. Weiter lautet die Anklage auf fahrlässige Körperverletzung in vier Fällen sowie Verletzung der Dienstvorschriften, konkret der «Sicherheitsvorschriften im und am Wasser» und für «Talfahrten».

Doch nicht nur der Bootsunfall, sondern auch eine vom Angeklagten durchgeführte ausserdienstliche Übung namens «Tonus 08» ist Gegenstand des zweitägigen Prozesses. Im Rahmen der Übung, die er am 31. Mai und am 1. Juni 2008 im Raum Interlaken - Wimmis - Diemtigtal leitete, soll er zuvor schon Dienstvorschriften verletzt und zudem Armeematerial missbraucht und verschleudert haben. So seien bei «Tonus 08» ohne Erlaubnis Militärfahrzeuge verwendet und Munition verschossen worden. Unter anderem habe der Angeklagte die Teilnehmer zwölf explosive Übungshandgranaten werfen lassen.

Das Kander-Unglück hatte politische Folgen

Der damalige Armeechef Roland Nef forcierte den Rücktritt des Luftwaffenkommandanten Walter Knutti per 20. Juni. Als Grund nannte Nef nicht vorschriftsgemässe Abläufe bei der Kaderselektion der Luftwaffe. Die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats lobte Nefs Durchgreifen. Die SVP hingegen bezeichnete Knutti als Bauernopfer und verstärkte ihre Kritik am damaligen Verteidigungsminister Samuel Schmid. Der Bootsunfall war nach dem Lawinendrama an der Jungfrau mit sechs toten Soldaten das zweite tödliche Unglück der Armee innert eines Jahres.

AP/js

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