Gute Saisonbilanz der SAC-Hütten

Ein kurzer Schönwettersommer bescherte den SAC-Hütten volle Betten. Viele kompensierten damit den schlechten Frühling und den eher späteren Saisonbeginn. 11 Hütten sind noch offen.

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Bruno Petroni

«Ein schlechter Frühling, die wichtigste Zeit im Juli und August top, September wieder ziemlich Flop.» Dieser Satz von Marc Schertenleib, Hüttenwart der Fründenhütte oberhalb von Kandersteg, steht für die fast allerorts zu hörende Bilanz aller 27 bewarteten SAC-Hütten der Berner Alpen.

Begonnen hatte der Hüttensommer für die meisten bis zu zwei Wochen später, lagen doch bis weit in den Juli hinein mancherorts noch grosse Mengen Schnee. «Bei mir war es jedenfalls in der Küche fast den ganzen Juli lang noch finster, weil sämtliche Fensterscheiben noch von den Schneemauern umgeben waren», erinnert sich Cyrille Zwicky von der Dossenhütte.

Gut bis sehr gut

Die schönen Sommertage im Juli und August retteten die Saison der Hütten im Jubiläumsjahr des 150-jährigen Schweizer Alpen-Clubs. Im langjährigen Schnitt schlossen Schreckhorn-, Blümlisalp-, Dossen- und Gelmerhütte ab. Doldenhornhüttenwart Ernst Müller stellte erhöhte Besucherzahlen bei Tagesgästen und Familien mit Kindern fest.

Sehr zufrieden sind die Betreiber von Balmhorn-, Fründen-, Gauli-, Gelten-, Gleckstein-, Gspaltenhorn-, Konkordia-, Lämmeren-, Oberaletsch-, Trift-, Wildstrubel- und Windegghütte. Letztere hätte während der Sommerferien an manchen Tagen gleich mehrfach gefüllt werden können, wie Hüttenwartin Monika Lüthi bestätigt. Toni Brunner von der Mutthornhütte: «Es war ein toller Sommer. Den würden wir gerne im Abonnement nehmen.» Gar von Rekordfrequenzen berichtet Erna Schuler von der Bächlitalhütte: «Der Skitourenfrühling war eher durchzogen, aber Juli und August war die Hütte unglaublich gut besetzt.» Auch Heiri Büchler und Helena Galliker von der Tierberglihütte wissen von rekordverdächtigen Übernachtungszahlen in diesen zwei Sommermonaten zu erzählen. «War auch bitter nötig nach dem miserablen Frühling. So können wir beim langjährigen Saisondurchschnitt von 3600 Übernachtungen aufhören.» Auch die Baltschiederklause erzielte höhere Übernachtungszahlen als im Vorjahr.

Die abgelegensten Hütten

Es gibt aber auch SAC-Hütten, die in diesem Jahr weniger gute Resultate erzielten. So blieb ein Grossteil der Skitourengäste in der Finsteraarhornhütte wegen des schlechten Wetters aus – und dies in der Zeit, in welcher die Hüttenwarte Hans und Vreni Winterberger zwei Drittel des Jahresumsatzes generieren. «Auch der Sommer war nicht überragend gut», so Hans Winterberger. Auch schlechter war das Saisonergebnis in der Oberaarjochhütte. Diese beiden Hütten liegen nur fünf Kilometer auseinander, ausgesprochen abgelegen am Fiescher- und Oberaargletscher. Der Zustieg zu den Hütten dauert mehrere Stunden von Grimselpass oder Jungfraujoch.

Egon Feller konnte die Hollandia zwei Wochen früher öffnen und auch zwei Wochen länger offen halten. Dem Bergführer sei aufgefallen, «dass immer wieder Leute ohne Gletscherausrüstung zu uns aufsteigen, was sehr gefährlich ist». So seien vor einem Monat drei Westschweizer in Shorts und T-Shirt über den frisch verschneiten Langgletscher hochgestiegen; dabei sei einer von ihnen plötzlich 15 Meter tief in eine Gletscherspalte gestürzt und habe nach einer Stunde unterkühlt gerettet werden können.

Welche Hütten sind zu?

Rund die Hälfte der Hütten befindet sich bereits im Winterschlaf. Schon im Verlaufe des Septembers schlossen Oberaarjoch-, Finsteraar-, Hollandia-, Konkordia-, Mutthorn-, Oberaletsch-, Lauteraar-, Baltschieder- und Gspaltenhornhütte. Vor einer Woche wurden auch Doldenhorn-, Dossen-, Fründen-, Schreckhorn und Glecksteinhütte eingewintert. Morgen Sonntag werden die Betriebe von Balmhorn-, Gauli-, Gelten- und Tierberglihütte eingestellt. Die Trifthütte schliesst am kommenden Donnerstag. Bächlital-, Blümlisalp-, Lämmeren- und Wildstrubelhütte bleiben noch eine Woche offen, sofern der grosse Schnee in den nächsten Tagen ausbleibt. Bis am 20.Oktober bleibt die Windegghütte unweit der Triftbrücke offen, und sogar bis Ende Oktober möchte Peter Schläppi die Gelmerhütte weiterbetreiben. Schläppi hat in diesem Sommer als besondere Attraktion übrigens ein 1,5 Meter hohes Taburett gezimmert. «Wer sich da draufsetzt, der sitzt präzis in der Hälfte zwischen dem höchsten (Dufourspitze) und dem tiefsten Punkt der Schweiz (Lago Maggiore), also 2413,5 Meter über Meer», erklärt Schläppi den Sinn dieser überdimensionalen Sitzgelegenheit. Und das ist noch nicht alles: «Das alte WC-Häuschen liegt genau auf der mittleren Höhe Europas. Doch das alles war bisher noch kaum jemandem bekannt.»

Berner Oberländer

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