Grosser Gletschersee entleerte sich

Lenk

Der Favergesee auf dem Plaine-Morte-Gletscher ist komplett ausgelaufen. Eineinhalb Millionen Kubikmeter Wasser, die durch die Simme abflossen, sorgten an der Lenk für einen hohen, aber nicht dramatischen Wasserstand.

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Bruno Petroni

Der anderthalb Millionen Kubikmeter grosse, selbst gestaute Favergesee auf dem Plaine-Morte-Gletscher ist komplett ausgelaufen: Ab Mittwoch lief das schokoladenbraun gefärbte Wasser während dreier Tage unter der Gletscheroberfläche und über die Simmenfälle Richtung Lenk und Zweisimmen. Da sich die Spitzenwerte der Auslaufmenge aber unterhalb der Marke von 25 Kubikmeter pro Sekunde einpendelte, gab es an der Lenk keinen Grund zu Sofortschutzmassnahmen.

Bauverwalter Jakob Trachsel, der auch als Stabschef und Vorsitzender einer achtköpfigen Kerngruppe amtet: «Mitte Juli letzten Jahres hatten wir beim Ausbruch des Favergesees Abflussspitzen von gegen 30 Kubik, was durchaus im kritischen Bereich war.» Diese Abflussmengen werden von der Messstation des Bundesamtes für Umwelt bei den Simmenfällen, aber auch von der Gemeinde Lenk direkt im See gemessen. «Wir haben einfach gehofft, dass während des Seeausbruchs nicht noch Gewitter mit starken Regenfällen die Situation verschärfen.» Die befürchteten starken Niederschläge sind ausgeblieben. Trotzdem haben die Gemeindeverantwortlichen im Wandergebiet oberhalb der Lenk Wanderwege und Brücken gesperrt. Seit gestern Montag sind diese jedoch wieder offen.

Am weitesten weg, aber...

Obwohl der ganz im Osten des zehn Quadratkilometer grossen Plateaugletschers Plaine Morte gelegene Favergesee am weitesten vom Simmental entfernt liegt, sorgt sein neuster Ausbruch an der Lenk also schon zum wiederholten Mal für Aufregung. Die dunkelbraune Wasserfärbung stammt übrigens von den Feinsedimenten, die durch die Gletscherbewegung an der Basis des Gletschers entstehen und mit dem abfliessenden Wasser abgeführt werden. Die beiden anderen selbst gestauten Gletscherseen verhalten sich ruhiger. So ist der Strubelsee am nördlichen Gletscherrand seit mehreren Wochen halb voll, der Vatseretsee im Südwesten des Gletschers sogar fast leer. Sie werden wie der Favergesee durch einen Pegelmesser und eine Fotokamera permanent überwacht. Die Gewässer weisen übliche Tagesschwankungen auf, was bis zu einem Meter Unterschied im Pegelstand ausmachen kann.

Schon vor zwei Jahren warnte der Zürcher ETH-Glaziologe Martin Funk: «Ich sehe nicht nur im Strubelsee ein Gefahrenpotenzial, sondern vor allem im über 20-mal grösseren, über zwei Millionen Kubik Volumen aufweisenden Favergesee.»

Berner Oberländer

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