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Gessler unter Dauerbeschuss

Mit dem Gesslerschiessen ging gestern der Ausschiesset zu Ende. Es wurde sehr präzise geschossen. Die Entscheidung war äusserst knapp. 82 Kadetten nahmen den Gessler unter Dauerbeschuss. Elfmal gabs eine Mouche.

Trotz der Verlegung der Kranzverleihung, das Gesslerschiessen fängt verspätet an. Bis es losgeht, sorgt der Fulehung für Kurzweil. Dann kommen sie an, die bekränzten Häupter, und wissen nicht, worauf sie stolzer sein sollen: Die frisch gewonnene Auszeichnung oder die Trophäen in Form von möglichst vielen Nägeli, dem Beliebtheitsindikator schlechthin. Es wird langsam eng, das Knabenschützen- verwandelt sich in ein Bienenhaus. 82 Namen stehen auf der Liste. In umgekehrter alphabetischer Reihenfolge kommen zuerst die Jüngeren dran, dann das Kader. Der letzte Schuss ist Oberschützenmeister Nicolas Gurtner vorbehalten.

Heldentaten besingen

Während oben eifrig Podeste umhergeschoben werden, damit die Schützen aus optimaler Höhe abdrücken können, sind unten tausend Gespräche im Gang. Hier tauscht Thun sich aus! Die Heldentaten der letzten Nächte werden besungen, Verabredungen für den Abschlussball getroffen. Ein Raunen geht durch die Menge: Jemand hat auf die falsche Scheibe geschossen! Sonst werden die Gespräche nur unterbrochen, wenn die Tambouren eine Mouche anzeigen. Das ist mit schöner Regelmässigkeit der Fall. Ein guter Jahrgang: Insgesamt elfmal kann eine Kadettin oder ein Kadett eine Zehnernote in Empfang nehmen.

Eine einzige Chance

Obwohl das Schiessen straff organisiert ist: Zäh verstreicht für die Wartenden die Zeit. Welche Nummer ist jetzt dran? Einstehen, Bogen spannen und aufs Zeichen warten. Dann die Armbrust in Anschlag gebracht, das Auge zugekniffen. Wie soll man sich da konzentrieren, wenn die Kameras der Fotografen direkt neben dem Ohr klicken? Nur nichts anmerken lassen, abdrücken und für drei Sekunden die Luft anhalten, bis der Pfeil angezeigt wird. Ein einziger Schuss, und für 81 von 82 ist die Chance vertan. Die Jüngeren können immerhin noch aufs nächste Jahr hoffen. Wohl deshalb raunt ein wartender Schütze seinem Nachbarn zu: «Hoffentlech schiesst ne öpper vom Kader.»

Gleich wird er schlauer sein: Fünfmal hat der Schwyzermaa ins Horn gestossen, das Schiessen ist beendet. Armbrustschützenleiter Markus Wind macht die Rangverkündigung. Nicht nach Namen, sondern nach Pfeilen. Bleibt nur zu hoffen, dass das eigene, individuell bemalte Geschoss sich in Winds Köcher befindet. Wobei: Wer ganz vorne dabei ist, sieht seinen Pfeil noch nicht. Die beiden letzten, ganz nahe beieinanderliegenden zaubert Wind erst zum Schluss aus dem Hosensack.

Plötzliche Metamorphose

Dann gehts für Sieger Fabio Wittwer schnell: Siegerfotos, Interviews, das Bild wird ihm umgehängt. Der Schlussumzug endet auf dem Rathausplatz. Hauptmann Simon Wenigerkind, der seine Kommandos nicht haucht wie manche seiner Vorgänger, sondern selbstbewusst schreit, so dass sie der ganze Platz hört, vollzieht seine letzte öffentliche Amtshandlung: «Abträtte!» Mit einem Schlag werden aus den Kadermitgliedern Ehemalige. Im nächsten Jahr werden sie mit einer Mischung aus Freude, Erinnerung, Stolz und Wehmut am Absperrgitter stehen. Und sich zurückerinnern, wie es war, selber im Zentrum zu stehen. Damals, beim Ausschiesset 2008. Weisch no?

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