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Geschädigte erinnern sich an Finanzkrise

Die aktuelle Finanzkrise weckt alte Erinnerungen an den SLT-Crash: Dies ergab eine Umfrage bei vier Geschädigten.

«Was heute weltweit vielen Banken und Menschen geschieht, passierte damals lokal hier bei uns – und das lässt natürlich alte Erinnerungen wieder präsent werden», sagt Hans Ulrich Gerber, Präsident des 2000 aufgelösten SLT-Gläubigervereins. «Wir standen damals alleine da. Die Spar- und Leihkasse Thun wurde von der Bankenaufsichtsbehörde und den Grossbanken wegen den eingegangenen Klumpenrisiken, den unvollständig und unregelmässig geführten Dossiers sowie den Machenschaften der Bankenverantwortlichen bei den Übernahmeverhandlungen fallen gelassen. Und das, um schweizweit ein Exempel zu statuieren», ärgert sich der Miteigentümer der einstigen Hobby AG Heimberg.

«Wenn die beiden SLT-Verhandlungspartner, der damalige VR-Präsident und der Vizepräsident, mit den Banken weniger stur gewesen wären und nicht auf Aktiengeldern beharrt hätten, wäre es vielleicht anders herauskommen», sagt der SLT-Geschädigte. Dass die UBS allerdings heute durch den Staat unterstützt wird, erachtet er als richtig. «Sonst würde das ganze Wirtschaftssystem zusammenbrechen.»

«Wut und Frust ist gross»

«Wir haben gemeint, wir hätten alles verarbeitet. Doch mit der jetzigen Finanzmarktkrise und der Situation der UBS kommt doch wieder alles hoch», gesteht Ruth Suhner aus Heimberg. Mit ihrem Lebenspartner Fritz Küenzi, der mit ihr eine Architektur- und Generalunternehmung betrieb, gründete sie als SLT-Geschädigte den Gläubigerverein. «Die Wut und der Frust darüber, dass der UBS heute 68 Milliarden Franken geschenkt werden, und wir damals fallen gelassen wurden, lassen sich nicht in Worte fassen», sagt sie, die nach dem SLT-Crash auf dem Bundesplatz sogar in einer öffentlichen Rede um Hilfe für die SLT bat.

Der Gedanke daran, wie sich diese «Grossbank der Bessergestellten» jahrelang Boni in Milliardenhöhe ausbezahlt habe und wie jetzt darauf reagiert werde, liesse sie an jeglicher Gerechtigkeit und an den Regierungen zweifeln. «In den 90er-Jahren liess man die Baubranche fallen und später die Swissair», sagt sie. «Ich sehe nicht ein, weshalb jetzt der UBS geholfen wurde.»

«Wo bleibt Gerechtigkeit?»

«Mit der Finanzkrise und der Rettung der UBS wird das Vergangene aktuell. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?», fragt sich Peter Scheidegger, Inhaber der Scheidegger+Moser Architekten AG, ebenfalls SLT-Geschädigter. «Die SLT wurde damals fallen gelassen, der UBS hingegen wird nun geholfen.» Wenn der Steuerzahler dafür eines Tages mit Geld aufkommen müsse, werde er keine Bundessteuern mehr zahlen. «Zumindest muss jetzt wie geplant der Einlegerschutz von heute 30000 Franken erhöht werden», findet Scheidegger, der sein Vertrauen in die Banken noch heute als gestört bezeichnet.

Weil die Wirtschaft von einem UBS-Crash weitaus mehr betroffen wäre als damals bei der SLT, erachtet Peter Scheidegger die Hilfe für die Grossbank als gerechtfertigt. «Aber von der Gleichbehandlung her fühlt es sich trotzdem ungerecht an», gesteht er. «Wir mussten uns damals auch alleine helfen.»

«Boni müssen aufhören»

«Es löst bei mir schon ein Grollen im Bauch aus, wenn ich all das mitverfolge, was heute geschieht», sagt Alfred Schmutz vom Thuner Transportunternehmen Schmutz Söhne AG, das beim SLT-Crash ebenfalls viel Geld verloren hat. Er habe zwar keine Wut mehr gegen die SLT und das Ganze verarbeitet. Aber: «Jetzt muss wenigstens diesen hohen Boniauszahlungen ein Ende gesetzt werden.» Dieses überhebliche Getue einiger «unfähiger Bänker» sei skandalös.

«Aus wirtschaftlichen Gründen musste der Staat der UBS helfen. Wenn aber diese Abzockerei jetzt kein Ende hat, ist das gegenüber den Gewerbetreibenden mehr als ein Affront», findet Schmutz. «Der Bundesrat muss hier endlich ein Zeichen setzen.»

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