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Fünf Beizen fielen durch

In der Freinacht vom Sonntag auf Montag hat das Gewerbeinspektorat Alkohol-Testkäufe durchgeführt. 5 von 23 Beizen schenkten Alkohol an Minderjährige aus. Das «Thuner Tagblatt» hat die Testkäufer begleitet.

Alkohol-Testkäufe am Thuner Ausschiesset: Diese vier Teenager und weitere Jugendliche waren während der vergangenen Freinacht im Einsatz. Das Bild zeigt die Kinder von der Unteren Hauptgasse her stadteinwärts gehen – gegen 21 Uhr.
Alkohol-Testkäufe am Thuner Ausschiesset: Diese vier Teenager und weitere Jugendliche waren während der vergangenen Freinacht im Einsatz. Das Bild zeigt die Kinder von der Unteren Hauptgasse her stadteinwärts gehen – gegen 21 Uhr.
David Oesch

Während des Ausschiessets wird jedes Jahr viel getrunken. Beim Rundgang durch die Innenstadt waren während der Freinacht vom Sonntag auf Montag mehrere stark alkoholisierte Personen anzutreffen. Da der Verkauf von Alkohol an Minderjährige verboten ist, führte das Gewerbeinspektorat der Stadt Thun in der Freinacht Testkäufe durch. Das Fazit: 5 von 23 Beizen verkauften Alkohol an Minderjährige. Gastbetriebe wurden darauf geprüft, ob Bier, Alcopops und andere alkoholische Getränke an Minderjährige verkauft werden.

Das «Thuner Tagblatt» begleitete eine der Gruppen, in denen je zwei 15- und zwei 17-Jährige durch die Gassen zogen und testeten, ob die Jugendschutzbestimmungen eingehalten wurden. Aus Datenschutzgründen werden weder die Namen der minderjährigen Testpersonen noch die der Gastbetriebe veröffentlicht.

Grossanlässe im Visier

Das Gewerbeinspektorat hat dieses Jahr bereits bei anderen Grossanlässen Alkohol-Testkäufe durchgeführt – so zum Beispiel beim Innenstadtfest (wir berichteten). «Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass auch bei solchen Aktivitäten die Jugendschutzbestimmungen eingehalten werden müssen», erklärt Gewerbeinspektor Reto Keller und weiss: «Häufig wird bei regem Betrieb und unter Stress zu wenig darauf geachtet.»

Die Testkäufe werden jeweils von Urs Niklaus, Sachbearbeiter für öffentliche Sicherheit, durchgeführt. Die Testpersonen kommen fast alle aus Jugendgruppen der Region Thun.

«Nicht einmal gefragt»

Ein Test findet nach einem vorgegebenem Ablauf statt (vgl. Kasten links). Die beiden minderjährigen Testpersonen werden jeweils von zwei Jugendarbeitern als Zeugen begleitet. Testkäuferin S. F.* (17) ist nach einem der Tests schockiert: «Wir bestellten einen Baileys und wurden nicht einmal nach dem Alter gefragt.»

«Es gab Vorfälle, bei denen ein Jugendlicher plötzlich enormen Stress aufgebaut hat, weil er Mitleid mit einer Verkäuferin bekam», erzählt Niklaus. Deshalb versuche das Gewerbeinspektorat zusammen mit den Jugendarbeitern, den minderjährigen Testkäufern beizubringen, wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten sollen. «Es gibt Betriebe, die sich aggressiv und uneinsichtig verhalten.»

Mit Unverständnis reagiert

Die Aussage bewahrheitet sich in der Freinacht. Eine Angestellte stürmt aus einem getesteten Betrieb und reagiert mit Unverständnis. Sofort reagiert eine Jugendarbeiterin und spricht mit ihr. Langsam beruhigt sich die Frau. «Es ist enorm spannend und aufregend, aber nervös bin ich schon», erklärt Testkäufer L. L.* (15).

Im späteren Verlauf des Abends wird ihm trotz Ausweiskontrolle Bier ausgeschenkt. Die betroffene Serviceangestellte hat das Alter nicht korrekt berechnet. «Das ist kein Einzelfall», sagt Thomas Kübli, Sachbearbeiter des Gewerbeinspektorats. «Es kommt häufig vor, dass das Servicepersonal das Alter falsch ausrechnet. Das ist immer besonders ärgerlich.»

Ein Zeichen setzen

Trotz einer Ankündigung, dass dieses Jahr bei Grossanlässen Kontrollen durchgeführt werden, wurde in fünf Betrieben Alkohol an Minderjährige verkauft. Urs Niklaus ist trotzdem zufrieden: «Eine Mehrheit hat den Jugendlichen nichts verkauft.» Das Ziel der Testkäufe sei, ein Zeichen zu setzen. «Es geht uns nicht darum, Betriebe zu schliessen. Wir wollen der Bevölkerung Missstände aufzeigen und das Gastgewerbe ermahnen, die Jugendlichen zu schützen», erklärt Gewerbeinspektor Reto Keller. Mit Erfolg: Noch vor zwei Jahren machten sich 80 Prozent der getesteten Betriebe strafbar. Seit die Testkäufe zugenommen haben, wurde diese Quote in Thun auf 20 Prozent reduziert.

Das bestätigt auch Testkaufleiter Urs Niklaus: «In den letzten Jahren hat sich viel getan.» Das Gastgewerbe sei sich bewusst, welche Sanktionen drohen und gebe sich Mühe. «Jedenfalls ist es für Minderjährige in den letzten drei Jahren deutlich schwerer geworden, an Alkohol heranzukommen.»

* Die Namen der Testpersonen sind der Redaktion bekannt.

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