Freier Fall für alle über die Fluh

Isenfluh

Die Outdoor Interlaken AG publiziert den Bau einer neuen Bungee-Jump-Anlage. Möglich würde damit ein Sprung am Seil über eine Höhe zwischen 230 und 250 Metern: Rekordhöhe in Europa.

Von hier aus im freien Fall: Blick Richtung Tal in der Nähe des Holzplatzes und des Aussichtspunktes.

Von hier aus im freien Fall: Blick Richtung Tal in der Nähe des Holzplatzes und des Aussichtspunktes.

(Bild: Anne-Marie Günter)

In Lauterbrunnen und Wilderswil liegt gegenwärtig je eine Baupublikation für eine Bungee-Jump-Anlage auf. Dabei handelt es sich um die gleiche Anlage, denn der Absprung soll in Isenfluh erfolgen, das heisst auf Lauterbrunner Boden, während die Springer dann in der Luft irgendeinmal über dem Grund von Wilderswil federn oder pendeln. Zu viel pendeln würden sie übrigens nicht, denn zwei Führungsseile sollen den Sprung in die richtige Bahn lenken. Landen auf Wilderswiler Boden würden sie auch nicht, weil vorgesehen ist, die Bungee-Jumper mittels einer per Generator betriebenen und elektronisch gesteuerten Seilwinde wieder auf die Absprunganlage heraufzuziehen. 230 Meter Adrenalinkick

Die Outdoor Interlaken AG sucht schon lange eine Möglichkeit, Bungee-Jumps im näheren Umkreis von Interlaken, der führenden Destination für Jugend- und Abenteuertourismus in Europa, anzubieten. Aus den aufgelegten Unterlagen geht hervor, dass das Gespräch mit Bahnen gesucht, aber keine gefunden wurde, die sich eignet und Bungee-Jumps anbieten will. Die Outdoor Interlaken AG bietet Sprünge in der Gletscherschlucht Grindelwald und am Stockhorn an, die allerdings von zwei Mitbewerbern auf dem Adventure-Markt betrieben werden. Die beiden Angebote würden für Outdoorgäste auch nach der Realisation der eigenen Anlage in Isenfluh weiter bestehen. Mit 230 bis 250 Metern wäre Isenfluh ein Rekordsprung, gemäss einer Rangliste im Internet von 2011 sogar der zweithöchste der Welt. Bei der Gletscherschlucht – so steht es in den Unterlagen – sei der Adrenalinfaktor mit 80 Metern nicht allen Kundenwünschen entsprechend.

Betriebszeiten angepasst

Die Outdoor Interlaken AG ist überzeugt, dass ihre Anlage einen minimalen Einfluss auf die Umwelt hätte. Ein Vorteil: Outdoor-Bungee-Springer hätten einen kurzen Anfahrtsweg. Sie würden per Kleinbus auf den Parkplatz unterhalb von Isenfluh gebracht und mit ihrem Tourguide auf den Holzplatz Brändli wandern. Dort würde eine mobile Toilette stehen. Ein mit Holzschnitzeln, Rundholzumrandung und Stufen sicher gemachter Weg würde zum Absprungplatz führen, der über eine vertikale Stahltreppe erreicht wird. Aus Wildschutzgründen würde nur von Juni bis Mitte Oktober gesprungen. Zudem erklärt sich die Outdoor Interlaken AG bereit, einen Franken pro Sprung an eine lokale örtliche Naturschutzorganisation zu zahlen.

Massiv dagegen

Das kommt bei Hans Fritschi, Vizepräsident von Pro Natura Berner Oberland, nicht gut an. Käuflich sei Pro Natura nicht. Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, Einsprache «gegen einen solchen Auswuchs des Massentourimus» in einer relativ unberührten Landschaft zu erheben. Der Bergführer Martin Gertsch aus Wengen findet in einem Leserbrief an diese Zeitung, dass der Standort Isenfluh, wo in einem Ausflugs- und Wandergebiet extensiver Tourismus angeboten werde, nicht geeignet sei. Er sieht eine bodengebundene Bungee-Anlage am ehesten in Mürren, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sei. Philipp Willi, VR-Präsident der Outdoor AG, beantwortet während des Publikationsverfahrens keine Fragen zum Projekt. Es ist bis zum 5.Juli aufgelegt.

Berner Oberländer

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