FC Thun: Der Streit um die Arena-Miete eskaliert

Thun

Am Montag erhielt der FC Thun die Lizenz für die neue Saison. Doch damit sind nicht alle Probleme aus der Welt geschafft: Seit Monaten bezahlt der FC der Arena-Genossenschaft die Stadionmiete nicht mehr.

Tor gegen den FC Thun im Derby gegen YB in der Stockhorn-Arena. Für das Stadion hat der FC Thun seit Monaten keine Miete mehr bezahlt.

Tor gegen den FC Thun im Derby gegen YB in der Stockhorn-Arena. Für das Stadion hat der FC Thun seit Monaten keine Miete mehr bezahlt.

(Bild: Manuel Lopez)

Stefan Geissbühler

Ein Weckruf: So versteht Carlos Reinhard seine Flucht nach vorne. Der Präsident der Genossenschaft Arena Thun, welcher das Fussballstadion gehört, sagt gegenüber dieser Zeitung: «Wir wollen richtig informieren, da bereits Gerüchte im Umlauf sind. Der FC Thun bezahlt seit Monaten die vereinbarte Miete für die Stockhorn-Arena nicht mehr.» Wie viele Monatsmieten von über 100'000 Franken ausstehen, wollte Reinhard nicht sagen. Es gehe aber nebst der Miete auch um nicht beglichene Kosten von bezogenen Leistungen.

Die Genossenschaft und die Arena seien auf Überbrückungsbeiträge der Stadioninvestoren sowie weiterer Unternehmen angewiesen gewesen, damit der Spielbetrieb habe aufrechterhalten werden können. «Was hätten wir machen sollen?», fragt Reinhard. «Das Stadion schliessen, Spiele absagen?» Das sei nicht infrage gekommen. Schliesslich betont der Genossenschaftspräsident: «Der FC Thun hatte sportlich eine tolle Saison, die Freude machte. Viele Personen im Verein leisten gute Arbeit. Mein Herz schlägt für den Klub.»

Reinhard: «Investitionen stehen an – wer bezahlt das?»

Auf eine aktive Kommunikation habe die Genossenschaft bisher bewusst verzichtet. Doch jetzt sei es «fünf vor zwölf», ist Carlos Reinhard überzeugt. Denn: Ein grosser Teil der Miete, die der FC Thun zahlen müsste, werde für Rückstellungen für künftige Investitionen verwendet. «Mittelfristig steht die Spielfelderneuerung inklusive Rasenheizung an, die von der Swiss Football League neu gefordert wird.» Reinhard spricht von Kosten von rund einer Million Franken – und fragt: «Wer bezahlt das?» Für die Äufnung des Erneuerungsfonds sei die Genossenschaft auf die Stadionmiete angewiesen. Der FC Thun sei aufgefordert worden, einen Vorschlag zu machen, wann und wie die Miete bezahlt würde. Darauf habe die Genossenschaft keine Antwort erhalten.

Den oft gehörten Vorwurf, die Arena sei zu teuer, will Carlos Reinhard nicht gelten lassen. Er betont: «Wir sind offen für konstruktive Vorschläge zur Kostenminimierung. Doch seitens des FC Thun wurden – trotz mehrmaliger Aufforderung – keine Vorschläge eingebracht, wie die Kosten zu senken sind und auf welche Leistungen der FC verzichten möchte.»

Lüthi: «Bezahlen, sobald die Lücken geschlossen sind»

Markus Lüthi, Präsident des FC Thun, bedauert, dass die Genossenschaft mit dem Thema an die Öffentlichkeit geht. Er bestätigt aber: «Wir haben der Genossenschaft Anfang Jahr mitgeteilt, dass wir ab 1. Februar die Miete bis Ende Saison nicht mehr bezahlen können.» Es handle sich um ein grundsätzliches Problem: Der Mietvertrag sei für den FC nicht tragbar. Schon beim Vertragsabschluss habe der Klub signalisiert, dass der Betrag an der absoluten Limite sei – geholfen hätten 2013 die Europa-League-Gruppenspiele.

Lüthi weiter: «Wir sind uns bewusst, dass wir vertragsbrüchig sind. Wir haben der Genossenschaft aber stets signalisiert, dass wir bezahlen, sobald wir die Lücken auf der Einnahmeseite geschlossen haben.» Bis Ende Januar habe der FC für die laufende Saison insgesamt 900'000 Franken für die Miete überwiesen. «Ich frage mich schon: Wo ist dieses Geld heute?» Alle Leistungsbezüge der Arena AG habe die FC Thun AG bezahlt – respektive wartet auf Abrechnungen der Arena AG betreffend Verrechnungsguthaben, etwa aus dem Catering.

Wichtig seien nun noch zwingende Transfereinnahmen. Beim Halbjahresabschluss per Ende 2013 habe der FC Thun einen leichten Gewinn erzielt, beim Quartalsabschluss per Ende März 2014 einen leichten Verlust. Markus Lüthi verspricht: «Wir werden zu Beginn der neuen Saison einen grösseren Betrag an die Genossenschaft überweisen, was wir ihr bereits vor einigen Wochen mitgeteilt haben.»

Darüber zeigt sich Carlos Reinhard erfreut – es sei erstmals die konkrete Bestätigung, dass der FC Thun überhaupt bezahlen wolle. Gleichzeitig sagt er, die von Lüthi erwähnten 900000 Franken würden nicht nur Miete, sondern auch andere Leistungen beinhalten.

Ein Experte soll ab Anfang Juni die Situation analysieren

Dass der FC auf die Aufforderung, Vorschläge zur Kostensenkung zu machen, nicht reagiert habe, weist Markus Lüthi zurück: Er habe zu diesem Themenbereich seit September 2013 das Gespräch mit Martin Kull, CEO des Stadioninvestors HRS Real Estate, gesucht. Dieser habe substanziell mitgeholfen, das strukturelle Defizit des FCT bis zum Einzug ins neue Stadion zu tragen.

«Dafür sind und bleiben wir ihm dankbar. Er hat es in der Hand, die grundlegenden Verhältnisse zukunftssichernd zu wenden; wir bedauern, dass er mit diesem Schritt zögert.» Ein schliesslich «gutes Gespräch» habe seitens HRS leider erst im Dezember stattfinden können.

Eine weitere Besprechung mit Martin Kull und Genossenschaftspräsident Carlos Reinhard ging Ende April über die Bühne. «Dort wurde vereinbart, dass ein von allen Seiten zu akzeptierender Spezialist mit einer unternehmerischen Analyse beauftragt wird.» Ziel sei, dass bis Ende Juni Entscheidungsgrundlagen für die Zukunft vorlägen. Laut Lüthi ist das «Kick-off» für Anfang Juni geplant.

Thuner Tagblatt

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