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«Es wird neue Kämpfe geben»

Die Polit-Arena während der Wirtschaftswoche des Gymnasiums Interlaken gab einen umfassenden Einblick in die aktuelle Diskussion über die bernischen Spitäler. Klar wurden dabei auch die verschiedenen Ausgangslagen von Land- und Stadtspitälern.

Anne-Marie Günter
Die Diskussionsrunde der Polit-Arena (v.l.): Die Grossrätinnen Melanie Beutler-Hohenberger und Christine Häsler, Annamaria Müller Imboden (Vorsteherin Spitalamt) und Enea Martinelli (Chefapotheker Spitäler FMI).
Die Diskussionsrunde der Polit-Arena (v.l.): Die Grossrätinnen Melanie Beutler-Hohenberger und Christine Häsler, Annamaria Müller Imboden (Vorsteherin Spitalamt) und Enea Martinelli (Chefapotheker Spitäler FMI).

Die Seele der ländlichen Bevölkerung mit dem Wunsch nach einem «Spitäli in jedem Täli» gegen Spitäler, an welchen effizient und fallbezogen Eingriffe durchgeführt werden? An der Polit-Arena, organisiert von der Sektion Interlaken-Oberhasli des Handels- und Industrievereins und des Gymnasiums Interlaken, wurde ein Einblick in die aktuelle Diskussion über die Berner Spitäler geboten. Dabei stellte Annamaria Müller, Vorsteherin des kantonalen Spitalamtes, die gesetzlichen Rahmenbedingungen vor.

Anschliessend diskutierten Politiker über die Situation im Zusammenhang mit der Spitalstandortinitiative, die Anfang Jahr eingereicht worden war. Vertreten in Interlaken war diese durch Grossrätin Melanie Beutler-Hohenberger, welche die Seele der ländlichen Bevölkerung spürt, die gern ein Spital in der Nähe hat.

Initialzündung für die Initiative war die Schliessung der Geburtenabteilung in Riggisberg. In Zweisimmen könnte die Diskussion aktueller kaum sein, und im Oberhasli dürfte sie Erinnerungen an einen verlorenen Kampf wecken. Dennoch sagte Grossrätin Christine Häsler: «Wir haben heute im Kreis Interlaken-Oberhasli ein beachtliches und sehr gutes Spitalangebot, und das ist nicht selbstverständlich.»

Die Fallpauschalen

Annamaria Müller zeigte auf, wie der Bund mit dem Einführen der schweizweit geltenden Fallpauschalen im Krankenversicherungsgesetz den Wettbewerb in die Spitallandschaft gebracht hat. «Jeder kann produzieren, soviel er will, man zahlt es», sagte sie. Der Kanton Bern zahlt an jeden Fall mindestens 55 Prozent, die Krankenversicherer die Differenz. Die Spitäler in Bern haben es dank grösserer Bevölkerungsdichte leichter, Fälle zu akquirieren. In den Spitälern in den ländlichen Regionen gibt es hingegen nicht genug Fälle dafür, einzelne Bereiche kostendeckend anzubieten. «Ein Konkurs ist nicht ausgeschlossen», sagte Müller.

Drastisch schilderte Interlakens Spitalapotheker Enea Martinelli den Aufwand für eine Geburtenabteilung. «Um den 24-Stunden-Betrieb aufrechtzuerhalten, braucht es zehn bis zwölf Hebammen, 365 Tage einen Gynäkologen, Anästhesie, Intensivpflegestation und teure Haftpflichtversicherungen.» Geboren werden in Zweisimmen im Jahr rund 120 Babys.

Zahlen müsste der Kanton

Müller ist überzeugt, dass das Gesundheitswesen in Zukunft anders sein wird. Telemedizin und E-Health nennt sie als Stichworte. Es brauche zudem neue Strukturen für die Langzeitbetreuung. Die Spitäler würden die Menschen nicht mehr gesund pflegen, sondern fast fabrikartig Eingriffe durchführen. Sehr wichtig sei ein gutes Rettungswesen. «Wir haben Probleme, gute Rettungssanitäter zu finden», sagte sie. Trotzdem wäre es möglich, den Status quo in der Spitallandschaft zu erhalten.

Zahlen müsste das aber der Kanton, und die Fachkräfte dafür müssten im Ausland angeworben werden. «Da wird ein totes Ross aufgezäumt. Es wird neue Kämpfe geben», sagte Martinelli. Melanie Beutler hielt dagegen: «Wir müssen neue Lösungsansätze finden, wie es die hebammengeleitete Geburtshilfe in Riggisberg war.» Sie zeigte sich überzeugt, dass es ein Spital braucht, auch um die Grundversorgung der Bevölkerung mit Hausärzten abzusichern.

BO-Redaktor Samuel Günter liess als Moderator die Diskussionsteilnehmenden ihren Standpunkt ohne Unterbrechung darlegen, sodass ein zusammenhängendes Bild der Situation entstand.

Stephan Maeder, Präsident des Hoteliervereins Berner Oberland, stellte fest, dass er die Teilnahme an der Arena nicht bereue: «Ich bekam Einblick in Zusammenhänge, die ich bisher nicht kannte.»

Handtaschen und Handy

Die Polit-Arena wird seit sechs Jahren im Rahmen der Wirtschaftswoche am Gymnasium durchgeführt. Dank der Ernst-Schmidheiny-Stiftung und engagierten Fachlehrern aus der Wirtschaft kann der Handels- und Industrieverein den Gymnasien ein Planspiel anbieten, das einen Einblick in die Realwirtschaft ermöglicht. In einer ersten Diskussionsrunde stellten vier CEOs das Gedeihen ihrer fiktiven Unternehmungen – Solarhülle für Handys und Multifunktionstaschen – vor. Eine Gemeinsamkeit dabei: Alle Befragten setzten auf Teamwork in der Geschäftsleitung.

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