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Es lebe Tell und das Tellspiel am Rugen

Die Tellspiele feierten am Samstag Premiere und starteten erfolgreich ins 101. Jahr ihrer Erfolgsgeschichte. Das Publikum war begeistert. Um es mit Schillers Worten zu sagen: «Es lebe Tell! Der Schütz und Erretter!»

Tell (r.) zu Gessler: «Mit diesem zweiten Pfeil durchschoss ich Euch, wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte. Und Eurer - wahrlich - hätt' ich nicht gefehlt.»
Tell (r.) zu Gessler: «Mit diesem zweiten Pfeil durchschoss ich Euch, wenn ich mein liebes Kind getroffen hätte. Und Eurer - wahrlich - hätt' ich nicht gefehlt.»
zvg

Sven Allenbach, der Einheimische, der sieben Jahre den Arnold von Melchthal und vier Jahre den Tell gespielt hat, führt wie bereits im Jubiläumsjahr Regie. Seine Inszenierung, die sich ausschliesslich auf den Original-Schillertext stützt, erfuhr gegenüber dem Vorjahr nur kleine Änderungen. «Durch die Kulissen ist es gegeben, nahe am Original zu spielen, ohne allzu grosse Experimente», erklärt der Regisseur.

Stück wirkt kompakter

Aber auch kleine Änderungen können Wirkung zeigen: Das Stück wirkt kompakter, die Übergänge sind noch etwas fliessender. Der «alte» Tell, die Erzählfigur, die durch das Stück führt, ist präsenter. Nach wie vor freut sich das Publikum am Alpabzug, staunt ob den verwegenen Reitern, ist beeindruckt von den dynamischen Auftritten des Volkes und emotional berührt von den Schlüsselszenen.

Wenn Schillers Tell in der klassischen Form gespielt wird, hat es mehr Sprechrollen für Männer als für Frauen. Für die Frauen hat Sven Allenbach nun eine (kleine) zusätzliche Sprechrolle «erfunden»: Helen, die Fischerin, die Frau von Ruodi, kommt zu Wort. Die Inszenierung beginnt mit der Begegnung von Gessler und Tell auf dem Felsensteig im Schächental. Und der «alte Tell» erinnert sich an die Ereignisse, welche sein Leben erschüttert und verändert haben.

Bei der Rückkehr von Tell zu seiner Familie kommt eine Figur hinzu, der Regisseur Allenbach eine grosse Bedeutung zumisst: Johannes Parricida, der Mörder des habsburgischen Königs Albrecht I., seinem Onkel, der ihm seiner Meinung nach ein Erbe verweigerte. Bei der Begegnung im Hause Tell kommt klar zum Ausdruck: Parricida mordete aus Eigennutz, Tell um seine Familie zu schützen und sein Volk von seinem Peiniger zu erlösen. Schiller schrieb zu dieser Szene: «Parricidas Erscheinung ist der Schlusstein des Ganzen. Tells Mordtat wird durch ihn allein moralisch und poetisch aufgelöst.»

Bedenkt dieses Stück

Als Tellspiel-Präsident (und Walter-Fürst-Darsteller) Peter Wenger das Premierenpublikum begrüsste, begann es (wieder) zu regnen. Aber das Publikum sass ja geschützt «am Schärme» und für die Darsteller war es nichts Neues. «Das Stück spielt ja in der Innerschweiz und dort regnet es fast immer», scherzte Wenger. Aber prompt schloss Petrus die Schleusen.

Regisseur Sven Allenbach und seinen zwei Assistenten (Adrian Wüthrich und Lukas Zumstein) wurde am Schluss mit Blumen für ihre hervorragende Arbeit gedankt. Die Darstellerinnen und Darsteller sowie die Helferinnen und Helfer hinter den Kulissen – insgesamt sind es über 250 – konnten sich am langanhaltenden Applaus des Publikums freuen. Präsident Wenger wandte sich bei der Verabschiedung des Premierenpublikum auch an die «Habsburger aus deutschen Landen» und mahnte: «Bedenkt dieses Stück, bevor ihr die Kavallerie gegen uns reiten lässt».

Spieltage: Abendvorstellungen (20 Uhr): 4., 11., 18., 25. und 27. Juli, 3., 8., 10., 15., 17., 22. Und 24. August; Nachmittagsvorstellung (14.30 Uhr: 11. August; Schülervorstellungen: 25. und 27. Juni sowie 29. August. Derniere: 30. August. Infos: www.tellspiele.ch

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