Erhält das Alpenbad eine zweite Chance?

Adelboden

Um das geplante Alpenbad ist es seit dem Rückzug der kuwaitischen Investorengruppe im Juli 2010 ruhig geworden. Doch nun will offensichtlich eine Schweizer Unternehmung ins Geschäft einsteigen.

So sieht das Gelände des Nevada-Areals von Adelboden heute aus. Kommt das Alpenbad doch noch darauf zu stehen?

So sieht das Gelände des Nevada-Areals von Adelboden heute aus. Kommt das Alpenbad doch noch darauf zu stehen?

(Bild: Corina Kobi)

An der Versammlung des Vereins Hot Water wurden überraschende Neuigkeiten publik. Gesamtprojektleiter Daniel Kündig teilte unter anderem mit, dass die Projektentwicklerin Swiss Spa Group (SSG) mit vier Interessenten im Gespräch sei. Und: Die Verhandlungen mit einer dieser Parteien seien «sehr weit fortgeschritten». Kündig präzisiert nun auf Anfrage: «Es handelt sich dabei um eine Schweizer Unternehmung, deren Eigentümer in unserem Land wohnhafte Schweizer Bürger sind.» Weitere Informationen über die Investoren will er derzeit nicht preisgeben, stellt solche aber für «spätestens im März 2014» in Aussicht.

Bleibts beim Originalprojekt?

Falls die Verhandlungen sich positiv entwickelten, bleibe noch genügend Zeit, das Projekt zu realisieren, erklärt Daniel Kündig. «Wir setzen alles daran, vor Ablauf des erteilten Baurechtsvertrages mit den Arbeiten beginnen zu können.» Das Alpenbad werde in seiner Erscheinung so gebaut, wie es bewilligt worden sei. Wobei es zu kleinen Korrekturen – die der Weiterentwicklung der Technik entsprächen – kommen könne.

Kündig hält zur ganzen Problematik aber fest: «Falls die Gemeinde Adelboden im November 2014 vom Heimschlagsrecht Gebrauch macht, müsste über das Baurecht neu verhandelt werden. Das wiederum würde dann eine Genehmigung durch das Stimmvolk erfordern.» Und er fügt an: «Da die Baubewilligung zu diesem Zeitpunkt ablaufen wird, wäre eine Neuauflage des Alpenbades ohne neue Planung kaum denkbar.»

Es entstehen Abbaukosten

Solange das Nevada-Areal nicht neu überbaut werden kann, steht noch immer die Anlage des früheren Eissportzentrums darauf. Mit diversen Angeboten locken dort Vereine immer wieder Einheimische und Gäste an. Investitionen in dieses Provisorium will die Gemeinde nicht vornehmen, solange die weitere Entwicklung unbekannt ist.

Die Gemeinde Adelboden ist verpflichtet, beim Rückbau der heutigen Infrastruktur für die Entsorgung der Altlasten, zu denen auch die Überbleibsel des abgebrannten Hotels Nevada gehören, aufzukommen. Laut von Bauverwalter Markus Inniger gemachten Aussagen geht es um Entsorgungskosten in Höhe von maximal 100'000 Franken.

Dorfbild bemängelt

Nach dem Besuch von Adelboden seien die Rückmeldungen der potenziellen Investoren zum Erscheinungsbild des Ortes nicht alle positiv ausgefallen, berichtet Daniel Kündig. «Die Erwartung an ein Dorf, bei dem Gäste und Einheimische in einen Dialog treten könnten, ist hoch. Denn die Authentizität ist wichtiger als der Schein.» Die Art und Weise, wie Grundeigentümer, Nutzer und die Gemeinde mit diesem touristisch wertvollen Gut umgingen, habe einige der Investoren überrascht. «Anstelle eines räumlich akzentuierten Dorfeingangs nahmen sie nämlich diverse Deponien, ungebrauchte Fahrzeuge und ungepflegte Liegenschaften wahr.»

Damit die Koexistenz von Lebensraum, Gewerbe, Landwirtschaft und Tourismus genutzt werden könne, brauche es einen intensiven Dialog untereinander. «Dies ist die Sicht von aussen – aber über sie nachzudenken, tut manchmal gut», erklärt der Geschäftsführer der SSG.

Unterstützung wird erwartet

Alle möglichen Investoren würden sich auch fragen, wie der Gemeinderat und die anderen Behörden zum Projekt stehen. Für Kündig ist klar, dass die Geldgeber Angebote bezüglich Steuererleichterung sowie zur Reduktion der Anschlussgebühren, zu Marketingbeiträgen und zur Zusicherung einer Kontingentseinheit beim Bad erwarten. Die potenziellen Investoren zeigten sich enttäuscht, wenn keine proaktiven Angebote zur Unterstützung erfolgten. Sie wollten nicht zuerst ihren Namen veröffentlichen, damit über Unterstützungen gesprochen werden könne.

«Selbst wenn wir betonen, dass wir uns dieser Unterstützung – sobald es konkret werde – sicher seien, und wir bisher mit den Behörden sehr gut zusammen arbeiten konnten, überzeugt das nicht. Die Investoren vermissen eine aktive Haltung, die grundsätzlich diese Unterstützung von sich aus anbietet», betont der Gesamtprojektleiter.

Ein bedrohtes «Paradies»

Daniel Kündig ist trotz einer in Bezug auf das Alpenbad teilweise ablehnenden Haltung innerhalb des Dorfes der Ansicht, dass Adelboden bereit für einen Um- und Aufbruch war. «Wir erfahren nach wie vor viel Unterstützung durch Einheimische. Allerdings kann man eine Euphorie nicht über Jahre aufrechterhalten.» Mit dem starken Franken, der Infrastrukturqualität anderer Tourismusgebiete, der Abstimmung über die Zweitwohnungsinitiative und dem kantonalen Sparpaket sei das «Paradies» nun aber bedroht. «Deshalb sind wir zurzeit auch zurückhaltend mit den Informationen.»

Berner Oberländer

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