Erdrutsche und hohe Pegel in der Region Thun

Bei den Gewittern am Wochenende kam es in der Region Thun zu Erdrutschen. In Eriz wurde eine Scheune verschüttet.

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Nach dem Hagelgewitter vom Samstag wurde die Region am Sonntagabend nochmals von heftigen Gewittern heimgesucht. Wie die Kantonspolizei Bern mitteilt, gingen zwischen 17.30 und 21 Uhr insgesamt rund 130 Meldungen bei ihr ein. Am stärksten betroffen im Kanton war das Berner Oberland, weshalb die Einsatzzentrale in Thun vorübergehend personell verstärkt wurde. Alleine aus der Region Thun gingen über hundert Meldungen ein.

Eine Gewitterzelle über dem Zulgtal liess die Zulg erheblich anschwellen. Der Bach der tagsüber rund 1 bis 2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führte, erreichte um circa 20.30 Uhr eine Abflussspitze von über 236 Kubikmetern pro Sekunde. «Dieser Wert ist vergleichbar mit dem Hochwasser vom Juli 2012», sagt Bernhard Schudel vom kantonalen Amt für Wasser und Abfall.

Die Zulg hat laut Angaben von Markus Trachsel, Vizekommandant der Feuerwehr Steffisburg Regio, im Bereich Zelg-Müllerschwelle an zwei bis drei Stellen das Bachbett verlassen. «Der Bösbach ist ebenfalls über die Ufer getreten und hat etwas Geschiebe auf der Strasse abgelagert», sagt Trachsel. Als Sofortmassnahme seien Feuerwehrkräfte auf Brücken postiert worden. Die Holzbrücke wurde gar für den Verkehr gesperrt.

Weiter flussabwärts wurde der Kalisteg offenbar durch das Schwemmholz in Mitleidenschaft gezogen. «Der Steg ist generell in einem schlechten Zustand und musste nun gesperrt werden», sagt Lorenz Saurer, Bereichsleiter Tiefbau der Gemeinde Heimberg. Erst müsse ein Ingenieurbüro beurteilen, ob und wann der Steg wieder geöffnet werden könne.

Quelle: Leserreporter

Schlammlawine zerstörte Scheune in Horrenbach

Flussaufwärts wurden Barbara Pankler und Markus Röthlisberger hart vom Unwetter getroffen. Beim Eggweidli in Horrenbach-Buchen zerstörte eine Schlammlawine eine Scheune, die im Besitz von Martin Berger steht. «Eine Tanne, die von der Schlammlawine mitgeführt wurde, traf die Scheune und schob die obere Holzkonstruktion rund zwei Meter vom Fundament», sagt Berger.

Pankler und Röthlisberger, die in der Scheune eingemietet sind, bringen in deren Stall ihre 27 Huskys unter, mit denen sie im Winter Schlittenhundefahrten anbieten. «Die Schlammlawine hat unseren Wohnwagen, der in der Scheune steht, eingedrückt», sagt Barbara Pankler. Sie hätten noch Glück gehabt, dass sie nicht verletzt wurden, aber ihr Zuhause sei unbewohnbar. Fürs Erste haben sie bei einem Nachbarn Unterschlupf gefunden.

In Goldiwil und Heiligenschwendi wurden Strassen durch Erdrutsche verschüttet. Das Restaurant zum Tempel in Allmendingen, in dessen Kellerräume Wasser eindrang, ist nach Angabe des Betriebsleiters ab heute wieder geöffnet.

Strasse zwischen Gunten und Merligen verschüttet

Am Sonntagabend goss es auch über der Gemeinde Sigriswil wie aus Kübeln. Innert kürzester Zeit kamen enorme Regenmengen zusammen. Kurz vor 19 Uhr musste die Staatsstrasse zwischen Gunten und Merligen gesperrt werden. Gleich an mehreren Stellen hatten kleinere Bäche die Fahrbahn mit Geröll bedeckt. Insbesondere führte der Ralligbach zu Problemen. «Das Abflussrohr mit nur 70 bis 80 Zentimeter Durchmesser vermag bei heftigem Regen einfach nicht alles Wasser zu schlucken», sagte Markus Wälti, Oberkommandant der Feuerwehr Sigriswil, gestern auf Anfrage. «Ist das Rohr voll, sucht der Bach den schnellsten Weg überirdisch und verschüttet die Strasse.»

Am meisten Geröll und Holz landete aber diesmal durch einen Erdrutsch unweit des Alters- und Pflegeheims Seehalde auf der Strasse. Erst ab gestern Mittag war die Strasse so weit geräumt, dass sie für STI-Busse wieder befahrbar war. Um 16 Uhr konnte die Strasse wieder freigegeben werden – aber nur für eine Stunde. Dann musste sie wegen Schlammlawinen nach dem neuerlichen Starkregen wieder geschlossen werden. Verkehren konnten nur die STI-Busse. Die Strasse kann frühestens heute Morgen wieder geöffnet werden.

Weiter oben in der Gemeinde musste die Feuerwehr etliche Keller auspumpen. Während der heftigsten Niederschläge floss das mit Hagel vermischte Regenwasser zeitweise offen über die Wiesen und beförderte Kies und Steine auf diverse Strassen. Unterhalb von Port in Sigriswil löste der Starkregen einen Erdrutsch aus. Auf dem Margel brach ein mächtiger Ahornbaum auseinander. Verletzt wurde durch die Unwetter in der Gemeinde Sigriswil niemand. Schätzungen über die Höhe der Schäden konnte Wälti gestern nicht abgeben.

Keine Gefahr für das grosse System

In dieser Woche sind weitere Gewitter prognostiziert. Könnten die ständigen Gewitter auch zu grossräumigen Hochwasser führen? «Gewitter sind sehr lokale Ereignisse», sagt Bernhard Schudel vom Amt für Wasser und Abfall. Der Thunersee und die Aare könnten solche Wassermengen aufnehmen. Für das grosse System bestehe keine Gefahr.

Thuner Tagblatt

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