Eine nasse Hüttensaison geht zu Ende

Oberland

Ein Drittel der Hütten in den Berner Alpen ist bereits im Winterschlaf. Für die meisten war es ein katastrophaler Sommer. Doch die Hüttenwarte wissen mit der Natur umzugehen und blicken optimistisch in die Zukunft.

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Bruno Petroni

«Gerade mal vier Alpinisten standen in diesem Sommer auf dem Gipfel des Schreckhorns.» Rosmarie Balmer und Ehemann Hans, seit 35 Jahren Hüttenwarte in der Schreckhornhütte, haben ihre schlechteste Sommersaison hinter sich. Dasselbe gilt für Monika Lüthi, seit 19 Jahren Hüttenwartin in der Windegghütte. Sie hat für das zu Ende gehende Geschäftsjahr nur ein Wort übrig: «Himmeltraurig.» Einbussen von 40 Prozent bei den Übernachtungen und praktisch keine Tagesgäste beklagt auch Peter Schläppi von der Gelmerhütte. Immerhin hofft er nun noch auf drei schöne Oktoberwochen. Gar 80 Prozent Ausfall bei den Tagesgästen gab es für die Wildstrubelhütte. «Dies, weil in diesem Sommer die Luftseilbahn Plaine-Morte wegen der Grosssanierung nicht lief», weiss Hüttenwartin Daniela Meyer. «Ansonsten habe ich 400 Übernachtungen weniger als letztes Jahr, das jedoch ein Superjahr war», so Meyer. Ein Drittel weniger Umsatz registrierten auch Cyrille Zwicky in der Dossenhütte und Müllers in der Lauteraar und sogar nur 50 Prozent Richard Walker in der Oberaletschhütte.

«Eine Mischrechnung»

Eine grosse Ausnahme im Reigen der schlechten Ergebnisse bildet die Hollandiahütte: «Wir haben nur etwa 30 Übernachtungen weniger als im letzten Sommer, und die Jahresbilanz sieht sogar besser aus», sagt ein zufriedener Hüttenwart Egon Feller. Auch Susanne Brand von der Gaulihütte ist zufrieden: «Obwohl das Wetter dermassen schlecht war, habe ich keinen Grund zum Jammern, auch wenn das Saisonergebnis im unteren Durchschnitt der letzten Jahre liegt.» Die übrigen SAC-Hüttenwarte berichten zwar von einem durchzogenen Sommer, einige von ihnen konnten aber dank einiger guter Herbsttage die Bilanz noch etwas aufbessern.

Christian Bleuer, mit 18 Hüttenwartjahren in der Konkordia-, Gspaltenhorn- und Glecksteinhütte ein erfahrener Mann, sagt: «Das ist eine Mischrechnung. Ist der resultierende Reingewinn in einem guten Jahr mal sehr hoch, kann er in einem anderen Jahr wieder sehr tief sein. Wenn man das Ganze über einen langen Zeitraum rechnet, dann schlägt ein solcher Schlechtwettersommer im Schnitt nur leicht aus.» Christian Bleuer sieht am schlechten Ergebnis aber auch die oftmals unzuverlässigen Wetterprognosen: «Die Meteorologen berichteten nur noch vom Regen, und alle suchten und sahen nur noch Regen – fast ein bisschen wie im Lawinenwinter 1999, als alle meinten, man könne nirgends mehr Ski fahren, jedoch beste Verhältnisse herrschten», erinnert sich der Grindelwalder Bergführer.

Welche sind noch offen?

Bereits eine Woche und länger geschlossen sind folgende SAC-Hütten: Oberaarjoch, Hollandia, Finsteraarhorn, Mutthorn, Oberaletsch und Dossen. Am Dienstag wurde die Schreckhornhütte winterdicht gemacht und am Mittwoch auch die Fründenhütte. Morgen Sonntagabend endet auch die Saison in der Konkordia, Doldenhorn, Gspaltenhorn, Lauteraar und Gleckstein. Je nach Wetter verlängert letztere noch bis zum nächsten Wetterumbruch. Bis zum 5.Oktober offen sind noch Wildstrubel, Trift, Tierberg, Balmhorn, Gauli und Wildhorn. Bis zum 12.Oktober sind Blüemlisalp, Lämmeren und Bächlital offen. Lobhorn, Gelmer und Windegg haben noch am längsten offen; sie schliessen voraussichtlich am 19.Oktober.

Berner Oberländer

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