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Ein Wahrzeichen wird zur Gefahr und muss weichen

Die 26 Meter hohe Tränenkiefer im Schlössli-Areal in Oberhofen ist krank. Die Gemeinde lässt sie deshalb im März von einem Spezialisten fällen. Die Thuner Sektion von Pro Natura bekundet Mühe mit diesem Entscheid.

Vom Aussehen her erinnert sie zurzeit an den schiefen Turm von Pisa: Die 26,4 Meter hohe und geschätzte 120 Jahre alte Tränenkiefer im Schlössli-Areal gleich bei der Schiffländte von Oberhofen. Die gut erkennbare Neigung nach Süden verheisst indes nichts Gutes. Sie ist ein Indiz dafür, dass es um den Gesundheitszustand der Kiefer nicht gut steht. Die Nadeln liegen in grossen Mengen am Boden. Jene, die noch hängen, haben sich in den letzten Monaten mehrheitlich von Grün in Gelb verfärbt. Überdies weist die Pflanze einen hohen Anteil an dürren Ästen auf.

«Verlust schmerzt»

Aus diesen Gründen und weil der Baum wegen seiner Neigung ein Sicherheitsrisiko darstellt, hat sich der Gemeinderat von Oberhofen gemeinsam mit der örtlichen «Gruppe Natur und Landschaft Walter Jungen» dazu entschlossen, die Tränenkiefer fällen zu lassen. Da der Baum durch die Vorschriften zu den Uferschutzplänen geschützt ist, bedurfte es dieser Bewilligung der Gemeinde als Eigentümerin des Baumes. Einsprachen gegen diesen Entscheid sind nicht mehr möglich. «Es schmerzt, einen so grossen und geschützten Baum zu verlieren», gibt Jürg Haueter, Bauverwalter von Oberhofen, zu. Die Tränenkiefer habe sich erst in den letzten Wochen und Monaten zu neigen begonnen. Seither habe sich ihr Zustand aber rapide verschlechtert.

Ursprung bei «Lothar»

Als Ursprung der Krankheit war im Thuner Amtsanzeiger, wo die Bevölkerung über die Fällung informiert wurde, ein Kronenbruch während des Sturms «Lothar» anno 1999 aufgeführt. Hätte die Gemeinde nicht schon viel früher eingreifen und damit die Fällung verhindern können? Bauverwalter Haueter entgegnet, dass seit «Lothar» diverse Anstrengungen gemacht worden seien: «Wir haben sogar Löcher gegraben und nachgedüngt.» Es werde gemunkelt, dass das verheerende Hochwasser 2005 die feinen Wurzeln der Tränenkiefer abgetötet und dies dem Baum zusätzlich geschadet habe. Laut Haueter handelt es sich aber um eine unbestätigte Vermutung.

Pro Natura fordert Ersatz

Alles andere als glücklich ist man bei der Thuner Sektion von Pro Natura. Präsidentin Verena Wagner räumt ein, dass der Baum «sehr mitgenommen» aussieht. Die geplante Fällung sei dennoch zu bedauern. Ob der Schutz der Pflanze im vorliegenden Fall vernachlässigt wurde, wollte und konnte Wagner nicht kommentieren. Dafür kenne sie die Einzelheiten zu wenig.

Für die Präsidentin von Pro Natura Region Thun ist es vor allem wichtig, dass «gleichwertiger Ersatz» nachgepflanzt wird. Dies ist momentan aber noch nicht sicher. Zunächst will die Gemeinde sichergehen, dass die Kiefer nicht von einem Pilz befallen wurde, da dieser sich sonst auch auf die allfällige Ersatzpflanze übertragen könnte. Die Tränenkiefer soll bereits nächsten Monat von einem Spezialisten gefällt werden. Der Fussweg zwischen Gemeindeverwaltung und Baum bleibt während dieser Zeit gesperrt.

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