Ein Projekt gegen den Ärztemangel

Meiringen

Im ehemaligen Spital Meiringen ist am Donnerstag das Gesundheitszentrum offiziell eröffnet worden. Ein zukunftweisendes Projekt.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (links) im Gespräch mit dem Hausarzt Karl Haefele, der seine Praxis in Innertkirchen ins Gesundheitszentrum Meiringen verlegt hat, um leichter einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden.

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (links) im Gespräch mit dem Hausarzt Karl Haefele, der seine Praxis in Innertkirchen ins Gesundheitszentrum Meiringen verlegt hat, um leichter einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden.

(Bild: Markus Hubacher)

Claude Chatelain

Ein Gesundheitszentrum ist gewissermassen ein abgespecktes Spital. Doch das gestern eingeweihte Ärztezentrum Oberhasli in Meiringen ist mehr als das: Es ist ein Pilotprojekt; ein zukunftsweisendes Vorhaben. Besonders und einzigartig ist der Umstand, dass drei erprobte Hausärzte aus Meiringen und Innertkirchen ihre eigene Praxis aufgaben und ins Gesundheitszentrum zügelten. «Nicht aus persönlichem Interesse, sondern im Interesse der Region», sagte am Donnerstag Jürg Schlup, der frühere Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Bern und Vizepräsident der Ärztezentrum Oberhasli AG. Karl Haefele, seit 30 Jahren Hausarzt in Innertkirchen, begründet seinen Wechsel mit den Worten: «Eine Nachfolgeregelung in Innertkirchen ist so gut wie unmöglich. Deshalb verlege ich meine Praxis ins Gesundheitszentrum. Hier sind die Chancen für eine gute Nachfolgeregelung zweifelsohne viel besser.»

Gesucht: Ärztin in Teilzeit

Ob der 63-jährige Hausarzt Karl Haefele eine Nachfolge finden wird, wird ein erster Tatbeweis sein, ob das Pilotprojekt von Erfolg gekrönt sein wird. Jürg Schlup ist zuversichtlich, mit solchen Modellen den Ärztemangel in der Region bekämpfen zu können. «Eine Einzelpraxis gründen; diese betreiben und dann einem Nachfolger zu übergeben – das ist vorbei», sagt er. Der künftige Hausarzt habe ein anderes Profil. Als Nachfolger von Karl Haefele könnte sich Schlup eine teilzeitbeschäftigte Ärztin mit alpinem oder voralpinem Migrationshintergrund vorstellen, welche Wert legt auf Entscheidungskompetenz, optimale Nutzung gemeinsamer Infrastruktur und Minimierung des finanziellen Risikos.

Speziell an der Ärztezentrum Oberhasli AG ist auch die Trägerschaft, die sich aus Gemeinden und Firmen zusammensetzt. Nach einer Anschubfinanzierung durch den Kanton von einer Million Franken haben sich Visana, die Michel-Gruppe, die Kraftwerke Oberhasli (KWO) und die Ärztekasse beteiligt. «Die Sicherung der Gesundheitsversorgung ist für uns als Arbeitgeber sehr wichtig», sagt Dres von Weissenfluh von der KWO, der bis vor einem Jahr das Wirtschaftsamt der Stadt Bern leitete.

Neben den drei Hausärzten ist im Gesundheitszentrum der 24-Stunden-Rettungsdienst untergebracht. Zwei Chirurgen werden kleinere Operationen durchführen, und je ein Kardiologe und Orthopäde hält in Meiringen einmal wöchentlich die Sprechstunde ab. Das ist ganz im Sinne der bernischen Gesundheitspolitik: «Innerhalb bestimmter Regionen soll eine Konzentration stattfinden, indem die Leistungserbringer ihre Angebote optimieren», sagte an der Eröffnungsfeier Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud. Das entspreche dem «Grundsatz der dezentralen Konzentration».

Berner Zeitung

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