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Ein Fall von Exhibitionismus am Kreisgericht Saanen

Mangels Beweisen wurde gestern am Kreisgericht in Saanen ein Mann freigesprochen. Angeklagt war er wegen Exhibitionismus.

«Exhibitionismus ist eine sexuelle Neigung, bei der die betreffende Person es als lustvoll erlebt, von anderen Personen nackt oder bei sexuellen Aktivitäten beobachtet zu werden.» So heisst es im Internetlexikon Wikipedia. Ein gut 35-jähriger Mann, der dieser Neigung verdächtigt wurde, stand gestern vor dem Gericht in Saanen. Ihm wurde vorgeworfen, sich im März 2008 im Hallenbad Gstaad exhibitionistisch verhalten zu haben. Dazu kamen die Vorwürfe von sexuellen Handlungen mit Kindern, die unrechtmässige Verlängerung eines Studentenausweises und die Nichtabgabe eines Computersticks, den der Angeschuldigte erhalten haben soll.

Eindrückliche Emotionen

Es war im Februar oder März 2008, ganz genau konnte Gerichtspräsident Peter Hänni den Zeitpunkt nicht eruieren, als zwei Spanierinnen mit ihren Kindern an Wochenenden und während der Skiferien nach dem Skifahren gegen Abend jeweils das Hallenbad Gstaad besuchten. Eine dieser beiden Frauen sagte gestern als Zeugin aus, dass ihre Kinder nach dem Badevergnügen unter der Dusche lauthals gelacht hätten. Sie, die Mutter habe sich erkundigt, was geschehen sei, und zur Antwort erhalten: «Einer hat nackt geduscht.» Der kleinste Bub habe auch geschildert, der Mann habe «weisses Pipi» gemacht. Die Frau schilderte unter Tränen ihre Angst, als sie zusammen mit den Kindern und ihrer Freundin als letzte Gäste alleine im Hallenbad gewesen seien. Der Mann habe sie dabei beobachtet. Draussen auf dem Parkplatz habe derselbe Mann dem Auto zugewandt masturbiert. Dass es im Hallenbad «solche Probleme» gebe, sagten Zeugen aus.

Erkannt oder verwechselt?

Im Januar 2009 erkannte die Frau den Exhibitionisten bei einem der nun seltenen Hallenbadbesuche. Beim Verdächtigen, einem ledigen Einzelgänger, fand die Polizei bei der Hausdurchsuchung eine Kinderbadehose und einschlägige Internetseiten. Doch in Einvernahmen und auch gestern vor Gericht beteuerte der Mann mehrmals: «Ich bin es nicht gewesen. Es muss eine Verwechslung sein.» Dass der Angeklagte einige Wochenenden im Saanenland verbracht hatte und auch im Hallenbad war, beweisen Daten von Kreditkarten und die Punktekarte eines Grossverteilers.

Die Ungewissheit

«Nach der Hauptverhandlung bleiben mehr Fragen als Antworten», sagte Gerichtspräsident Peter Hänni in seiner Urteilsbegründung abends um halb sieben Uhr. «Er ist es gewesen, aber es ist eine Frage des Beweises.» Zwar sei die Mutter sehr glaubwürdig. Weil die Befragungen aber fast ein Jahr nach dem Vorfall begonnen hätten, seien wichtige Details nicht mehr zu eruieren, unter anderem der Tag des Vorfalls. Deshalb wurde der Unterländer in allen Punkten freigesprochen, so wie es Verteidiger Stefan Schmutz gefordert hatte. Dieser hatte zudem 1'000 Franken für die persönlichen Umtriebe des Angeklagten gefordert. Hier gewährte der Richter lediglich 400 Franken.

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