Ein Dorf will die Gemeinde wechseln

Sundlauenen

Die Bewohner von Sundlauenen fühlen sich zu einem Grossteil ihrer Gemeinde fremd. Statt Beatenberg möchten sie Unterseen angehören. Der Gemeinderat Beatenberg lud deshalb am vergangenen Mittwoch zum Gespräch.

Wesentlich näher bei Unterseen (ganz rechts im Bild): Sundlauenen am Ufer des Thunersees (im roten Kreis) ist durch die Balmfluh (links) und den Schwendiwald von seiner Muttergemeinde Beatenberg (oben links bis Mitte) getrennt. Rechts ist gelb die Gemeindegrenze zu Unterseen markiert, die beim Luegibrüggli hinter dem Unterholzwald Richtung Habkern verschwindet.

Wesentlich näher bei Unterseen (ganz rechts im Bild): Sundlauenen am Ufer des Thunersees (im roten Kreis) ist durch die Balmfluh (links) und den Schwendiwald von seiner Muttergemeinde Beatenberg (oben links bis Mitte) getrennt. Rechts ist gelb die Gemeindegrenze zu Unterseen markiert, die beim Luegibrüggli hinter dem Unterholzwald Richtung Habkern verschwindet.

(Bild: Bruno Petroni)

Um miteinander zu kommunizieren, müssen die Beatenberger und die Sundlauener, welche derselben Gemeinde angehören, 15 Kilometer Weg zurücklegen. Gemäss Routenplaner sind dies 27 Minuten Fahrzeit. Kein einfaches Unterfangen, wenn wortwörtlich der Blickkontakt fehlt. Dass sich die beiden Dörfer dadurch fremd werden, ist absehbar – ausser die «Fernbeziehung» wird gebührend gepflegt.

Am vergangenen Mittwoch waren es die Beatenberger, welche den Weg unter die Räder nahmen. Der Gemeinderat − bestehend aus Gemeindepräsident Christian Grossniklaus, den Gemeinderäten Christina Rähmi und Andres Sieber und der Gemeindeschreiberin Sonja Fuss − lud die Bewohner des kleinen Dorfes unten am See zum Gespräch ein. Der Grund: Im vergangenen Jahr bat der Ortsverein Sundlauenen den Rat, den Gemeindewechsel zu Unterseen zu prüfen. Nach Beratung und Prüfung beschloss der Gemeinderat in Beatenberg, den Wechsel des Ortsteils Sundlauenen nicht zu befürworten und keine Arbeitsgruppe zur vertieften Prüfung einzusetzen. «Wir sind aber interessiert zu erfahren, was die Beweggründe zu diesem Ortswechselwunsch sind», sagte Gemeindepräsident Grossniklaus. «Gern werden wir Verbesserungsvorschläge aufnehmen.»

Grosses Interesse

Das Interesse am Thema war gross: Rund fünfzig Sundlauenerinnen und Sundlauener folgten der Einladung. Ein Grossteil befürwortete den Gemeindewechsel zu Unterseen. Als Hauptgründe wurden genannt: Die Gemeindeverwaltung sei geografisch zu weit weg, und ein Besuch bedeute grossen Aufwand. Der Fokus liege in allen Lebensbereichen klar auf Unterseen, da die Nachbargemeinde sowohl die Infrastruktur biete als auch nur 4,5 statt 15 Kilometer weit weg sei. Sämtliche Kinder von Sundlauenen gingen in Unterseen zur Schule. Aus besagten Gründen gelte das Zugehörigkeitsgefühl Unterseen. Der Gemeinderat nahm die Gründe souverän zur Kenntnis und versprach auf direkten Wunsch der Sundlauener, doch eine Arbeitsgruppe zur Prüfung eines Gemeindewechsels einzusetzen und erneut darüber zu informieren.

Gemeinderat Andres Sieber betonte, er bedaure, wenn Beatenberg Sundlauenen verliere. «Dies würde unsere Gemeinde schwächen.» Gemeinderätin Christina Rähmi versteht die Anliegen der Sundlauener. «Mir gehen nur die genannten Beweggründe zu wenig tief.»

Vergessenes Dorf am See?

Während des Gesprächs wurde deutlich, wie viel Emotionen im Dorf brachliegen. Aus diversen Statements kristallisierte sich ein bedeutender Vorwurf an die Gemeinde heraus: Vernachlässigung. Die Bewohner von Sundlauenen fühlen sich von Beatenberg zu wenig wahrgenommen. Sei es in Bezug auf die «schlecht funktionierende Schneeräumung», die Abfallentsorgung oder die Strassenbeleuchtung. «Wir werden hier unten ungenügend informiert oder einfach vergessen», war aus dem Saal zu vernehmen. «Aber Steuern zahlen dürfen wir.» Eine Anwesende merkte an, dass es gar in Beatenberg Bürger gebe, die nicht wüssten, wo Sundlauenen liege.

Neutrales Unterseen

Der Wunsch nach einem Gemeindewechsel sei nicht neu, sagte eine andere Anwesende und informierte über geschichtliche Hintergründe. Ob es «besser» wäre, gehörte Sundlauenen zu Unterseen, wissen die Sundlauener nicht. Vom Gemeinderat erfuhren sie, dass sich Unterseen in der Sache neutral verhalte.

Berner Oberländer

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