Ein Blick hinter die Gefängnismauern

Spiez

Seit einem Jahr ist Monika Kummer Leiterin des Regionalgefängnisses Bern. Nach der Hauptversammlung des Frauenforums Spiez erzählte sie von ihrem ungewohnten Arbeitsort.

Monika Kummer, Leiterin Regionalgefängnis Bern

Monika Kummer, Leiterin Regionalgefängnis Bern

(Bild: Verena Holzer)

Monika Kummer ist in Spiez aufgewachsen, lernte Pflegefachfrau, war stellvertretende Heimleiterin in Latterbach und nahm während fünf Jahren denselben Posten im Zentrum Ambulante Suchtbehandlung (ZAS) in Bern ein. Seit einem Jahr ist sie Leiterin des Regionalgefängnisses in Bern. «Mit den 126 Plätzen ist es das grösste der fünf Gefängnisse im Kanton Bern. Die jährliche Fluktuation beträgt zum Vergleich der rund 800 in Thun bei uns 10'000 bis 12'000, was zu täglichen Eintritten von bis gegen 90 Personen führt», erklärte sie den 40 Interessierten im Dorfhus Spiez im Anschluss an die Hauptversammlung des Frauenforums.

Die Hauptaufgabe der Regionalgefängnisse seien Untersuchungshaft, kurze Haftstrafen, Ausschaffungshaft aber auch polizeilicher Gewahrsam und Halbgefangenschaft. «Das Regionalgefängnis Bern ist die kantonale Drehscheibe auf der sich oft zwischen Urteil und Vollzug ein Stau bildet – wir sind dauernd überbelegt. Grund dafür sind unter anderem die vielen Veränderungen im Strafvollzug. Zudem sind seit 1975 mit rund fünf Millionen Einwohnern die Haftplätze nicht erhöht worden. Heute sind es rund acht Millionen Einwohner», erläuterte Kummer. Durch längere Strafverfahren würden die Zahlen bei der Untersuchungshaft stetig ansteigen und zudem hätten sich die Ausschaffungs-Haftstrafen seit 2005 verdoppelt. Neu sei für Kummer die grosse Rolle der Medien und im Fokus von Sensationsjounalismus zu stehen, fügte sie an.

In den 90er-Jahren, nach dem Jugoslawien-Krieg, ist die Zahl der Gefangenen stark angestiegen. Dabei waren auch die ersten sprachlichen Barrieren zu überwinden. Heute sind Menschen aus 46 Nationen in Bern inhaftiert. «Es braucht Dolmetscher, zudem gibt es viele psychiatrische Erkrankungen abzuklären. Jährlich machen wir rund 300 Entzüge. Auch der Respekt uns gegenüber ist verloren gegangen. Wir werden von vielen Seiten unterstützt, aber auch kontrolliert. Rechtsanwälte spielen mit und jeder Entscheid kann zur eigenen Fallgrube werden», äusserte sich die Referentin. Auf Waffe, Schlagstock oder Pfefferspray wolle sie weiterhin verzichten.

Berner Oberländer

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