Dorf besser vor dem Saxetbach schützen

Wilderswil

Ein grösserer Geschiebesammler, ein höherer Damm und andere Massnahmen sollen Wilderswil besser vor Hochwasser im Saxetbach schützen. Die Kosten werden auf rund 4,5 Millionen Franken geschätzt.

Das Hochwasser vom 3.Juli 1987 verursachte im Dorf Wilderswil grosse Schäden. Das Gebäude rechts ist das Hotel Heimat.

Das Hochwasser vom 3.Juli 1987 verursachte im Dorf Wilderswil grosse Schäden. Das Gebäude rechts ist das Hotel Heimat.

(Bild: zvg)

«Mit diesem Projekt wollen wir solche Ereignisse verhindern oder zumindest mildern», sagte Robert Zingrich, Präsident der Schwellenkorporation Bödeli Süd, am gut besuchten Infoanlass im Schulhaus Wilderswil, nachdem mit einem eindrücklichen Kurzfilm an das Hochwasser vom 3.Juli 1987 erinnert worden war. Wie das gemacht werden soll, erklärte die Projektleiterin Beatricc Herzog.

Geschiebe bei Hochwasser

Das Hauptproblem sei, dass der Saxetbach bei Hochwasser sehr viel Geschiebe mit sich führe, von 10000 Kubikmetern bei häufigen Ereignissen (alle 20 bis 30 Jahre) bis 37000 Kubikmeter bei einem sogenannten 300-Jahr-Ereignis. Für einen zweiten Geschiebesammler gebe es in Dorfnähe keinen geeigneten Standort, erläuterte sie. Verbauungen im Einzugsgebiet wären zu teuer und lösten das Problem nicht vollständig. Deshalb sehe das Projekt vor, das Rückhaltevolumen in dem nach 1987 im Chammri erstellten Geschiebesammler auf rund 24000 Kubikmeter zu verdoppeln. Dies bedinge jedoch eine Verlegung der Saxetstrasse auf einem kurzen Abschnitt. Damit könne wohl bei häufigen Hochwassern das Geschiebe zurückgehalten werden, bei sehr grossen Ereignissen genüge diese Massnahme jedoch nicht, betonte Herzog. Um das Dorf zu schützen, soll deshalb der linksseitige Damm vom Mühlibrüggli bis zur Einmündung in die Lütschine um 20 bis 130 Zentimeter erhöht werden.

Das linke Ufer würde etwa einen halben Meter höher als das rechte. Das Hochwasser würde so gezielt ins Gebiet südlich des Saxetbaches geleitet. Dieses Gebiet würde «quasi geopfert», um den Schaden zu begrenzen. Um Platz für die Erhöhung zu gewinnen, soll der linke Uferweg aufgehoben werden.

Mitwirkung benützen

Das Projekt sieht auch Massnahmen bei den Strassenbrücken vor. Bei der Brücke der Saxetstrasse soll die Bordüre angepasst werden. Eine Höherlegung der Brücke der Staatsstrasse ist nicht möglich, der Durchfluss soll aber verbessert werden. Bei einem möglichen Schadenpotenzial von 15 Millionen Franken und Projektkosten von 4,5 Millionen Franken sprach die Projektleiterin von einer «sehr guten Wirtschaftlichkeit». Der Schutz von Wilderswil werde verbessert, die Gefahrenkarte könne nach der Realisierung angepasst werden. «Das Projekt steht ganz am Anfang», sagte Ingenieur Oliver Hitz vom Oberingenieurkreis 1 (Oberland) und forderte auf, die Gelegenheit zur Mitwirkung zu nützen.

Auflage bis im Mai

Vom 18.April bis 6.Mai liegen Pläne und Berichte auf der Gemeindeverwaltung Wilderswil auf. Nach der Überarbeitung wird das Projekt Ende 2011, Anfang 2012 öffentlich aufgelegt (mit Einsprachemöglichkeit). Der Baubeginn ist für 2012/2013 vorgesehen.

Die an die Präsentation anschliessende Fragestunde wurde rege genutzt, verständlicherweise vor allem von Anwohnern rechts des Saxetbachs im Gebiet Greiche und Hinterwydi. Neben Geschiebe, Treibholz und Verlandungen wurden vor allem die Brücken als Probleme genannt. Angeregt wurden bei der Staatsstrasse eine Hebebrücke oder eine Brücke mit Sollbruchstelle (ähnlich wie in Oberried). Nach dem Bau der Umfahrungsstrasse sei dies möglich, wurde gesagt. Kritisiert wurde die Aufhebung des «schönen Wanderweges» auf der linken Seite. Die Wünsche und Anregungen wurden entgegengenommen. Nicht beantwortet wurde die Frage nach der Entschädigung für jene, die rechts des Saxetbachs «dr Grind häre ha müesse».

Berner Oberländer

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