Zum Hauptinhalt springen

Die Kander versprach mehr «Action»

16 Monate nach dem Militärunfall mit fünf Toten auf der Kander startet der Prozess. Die Anklageschrift schildert die dramatischen Minuten.

Für fünf Armeeangehörige kam jede Hilfe zu spät: Drama 2007 in der Kander im Berner Oberland.
Für fünf Armeeangehörige kam jede Hilfe zu spät: Drama 2007 in der Kander im Berner Oberland.
Keystone

Vor dem tödlichen Schlauchbootunfall auf der Kander vor einem Jahr diskutierten die daran beteiligten Armeeangehörigen offenbar auch über eine Fahrt auf der Simme. Man entschied sich für die Kander, weil diese mehr «Action» verspreche. Das sagten Überlebende des Unglücks am Dienstag in Thun vor dem Militärgericht. Sie traten an der Hauptverhandlung als Zeugen auf. Im Saal befanden sich auch Angehörige der fünf Opfer der Schlauchbootfahrt vom 12. Juni 2008.

Laut der Anklage gegen den Organisator der Bootstour, einen Hauptmann, spielte sich das Unglück auf der Kander am 12. Juni 2008 wie folgt ab: Auf Befehl des angeklagten Hauptmanns begaben sich zwischen 10.30 und 11.00 Uhr elf Angehörige der Lufttransport-Kompanie 3 bei Wimmis an die Kander. Der Angeklagte gab einem der Männer den Auftrag, die Bootsfahrt von einer Brücke weiter unten zu fotografieren. Die anderen zehn inklusive des Angeklagten nahmen an der Fahrt teil. Sie liessen zwei Schlauchboote bei der Einstiegsstelle Heustrich-Emdthal zu Wasser.

Das erste Boot bestiegen fünf Unteroffiziere, das nachfolgende zweite Boot vier Offiziere, unter ihnen der Angeklagte als Steuermann, sowie ein Obergefreiter. Die Fahrt begann. Das erste Boot überwand eine erste Schwelle, doch das zweite Boot kenterte bereits hier. Die fünf Insassen, darunter der Angeklagte, fielen ins Wasser. Zwei retteten sich ans Ufer, ein Offizier ertrank.

Strecke nicht rekognosziert

Der Angeklagte selbst sah auch den Obergefreiten kopfüber treiben und wollte ihn retten, was jedoch misslang. Der Obergefreite wird seither vermisst. Der Angeklagte trieb weiter flussabwärts. Den Insassen des ersten Boots gelang es, ihn an Bord zu ziehen. Ihr Boot kam aber laut Anklage wegen dieses Manövers in eine Linksdrehung und kenterte bei der nächsten Dreierschwelle. Nun ertranken auch drei Unteroffiziere, während sich der Angeklagte und die beiden anderen ans Ufer retten konnten.

Laut Anklage hatte der Hauptmann vor der Bootsfahrt auf ein Rekognoszieren des Flusses verzichet. Auch unterliess er es, sich bei zivilen oder militärischen Spezialisten oder Einheimischen über die Kander zu erkundigen. Er habe zwar zwei Internetseiten konsultiert, darunter jene des Kanuclubs Bern, sei aber zum falschen Schluss gekommen, dass die Kander befahrbar sei. Auch militärische Sicherheitsschriften habe er ignoriert. Für den Ankläger hätte der Hauptmann aber die Gefahr erkennen müssen, hätte er sich richtig vorbereitet und die Regeln eingehalten.

ap/sda/cpm

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch