Die Eisarena steht leer da

Berner Oberland

Der Plaine-Morte-Gletscher im Berner Oberland sorgt unter den Fachleuten für Spannung – und Arbeit. Eine mobile Messstation vor Ort soll jetzt Aufschluss über die Rückstrahlintensität des Gletschereises geben.

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Bruno Petroni

Äusserst spektakuläre, jedoch entspannte Situation auf dem Plaine-Morte-Gletscher: Vier Wochen nach dem grossen Wasserausbruch des Faverge-Gletschersees liegt dieser fast leer da. In diesem Jahr dürfte sich da oben auf 2700 Meter über Meer kaum mehr viel ereignen.

Stetig angewachsen

Gletscherseen auf Plaine Morte sind nichts Neues: Schon vor knapp zwanzig Jahren stauten sich dort oben drei kleine Pfützen. In den vergangenen drei Jahren haben diese Gewässer aber entscheidend an Volumen zugenommen. So ist der 100 Meter jenseits der Kantonsgrenze liegende Vatseretsee am südwestlichen Rand des Gletschers mit seinen 400'00 Kubikmetern Fassungsvermögen noch der kleinste von ihnen. Der am Nordrand liegende Strubelsee, der sich im unmittelbaren Hauptabflussbereich des Gletschers am obersten Rand des Rezligletschers befindet, ist mit 200'000 Kubikmetern schon wesentlich grösser. Er machte vor allem im Juli 2011 von sich reden, weil er sich damals innert kurzer Zeit zweimal spontan entleerte. Diese Ausbrüche hatten auf den Alpweiden des Rezlibergs Überschwemmungen zur Folge und «deponierten» unter den Simmenfällen 8000 Kubikmeter Geschiebe.

Volumen hat sich verzehnfacht

Mit über zwei Millionen Kubikmetern Volumen – das sind nicht weniger als 600 durchschnittliche 50-Meter-Schwimmbecken oder zehn Millionen Badewannen – ist der Favergesee im Osten des neun Quadratkilometer grossen Plateaugletschers mit Abstand der grösste. Er ist innert kurzer Zeit markant angewachsen: Noch vor zwei Jahren war er nicht grösser , als der Strubelsee heute ist. Der Favergesee entleerte sich in jüngster Vergangenheit immer wieder, jedoch erstmals aus randvollem Zustand vor Monatsfrist: 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schossen am 7. August durch den Trübbach hinunter in die Lenk, sodass die Wanderwege im Einzugsgebiet vorübergehend gesperrt werden mussten. Für Mensch, Tier und Bauten in der Lenk bestand jedoch keine Gefahr.

Alle drei Gletscherseen werden seit drei Jahren während der kritischen Sommermonate permanent mit an ein Alarmsystem angeschlossenen Messsonden und Kameras überwacht. All diese Daten und Bilder können vom Lenker Bauverwalter Jakob Trachsel jederzeit am Bildschirm eingesehen und ausgewertet werden.

Rätselhafte Gletschermühlen

Auch Geologen und Glaziologen haben ein wachsames Auge auf das Geschehen auf Plaine Morte. So ist ihnen aufgefallen, dass sich in letzter Zeit vor allem im westlichen Teil des fünf Kilometer langen Plateaugletschers zahlreiche kleine Abflusslöcher – sogenannte Gletschermühlen – gebildet haben. Diese Abflusskanäle von knapp einem Meter Durchmesser führen bis zu 100 Meter tief in den Gletscheruntergrund hinein und lassen grosse Mengen von Schmelzwasser ablaufen. «Diese Mühlen sind der Eingang ins Abflusssystem des Gletschers», erklärt Matthias Huss, Geologe der Universität Freiburg. Und: «Deren Verteilung haben wir aber bisher noch nicht so richtig verstanden. Aus bisher unerfindlichen Gründen gibt es im Osten kaum solche Löcher, während es im Westen davon wimmelt.»

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