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Der Sturm hinterlässt Schäden in Millionenhöhe

Der Föhn zog wie ein Hurrikans durch die Täler und hinterliess auf seinem Weg eine Spur der Verwüstung. Dem Sturm folgte das Aufräumen. Viel zu tun gab es im Kander- und Engstligtal.

Susanna Michel
Rund ums grösste Hotel in Wengen, das Palace des Club Méditerranée, fielen gleich mehrere Tannen dem Föhnsturm zum Opfer und teilweise auf Gebäude.
Rund ums grösste Hotel in Wengen, das Palace des Club Méditerranée, fielen gleich mehrere Tannen dem Föhnsturm zum Opfer und teilweise auf Gebäude.
Angehörige der örtlichen Feuerwehr bedecken mit einer Plane den beschädigten Teil des Restaurants «Des Alpes» in Adelboden.
Angehörige der örtlichen Feuerwehr bedecken mit einer Plane den beschädigten Teil des Restaurants «Des Alpes» in Adelboden.
Menschenschlange am Sonntag, 29. April 2012 an der Talstation der Harderbahn. In der Nacht auf den Sonntag hatte im Oberland ein Föhnsturm getobt, weshalb am Sonntag der Bahnverkehr Richtung Jungfraujoch eingestellt war. Die Harderbahn war vom Betriebsunterbruch nicht betroffen.
Menschenschlange am Sonntag, 29. April 2012 an der Talstation der Harderbahn. In der Nacht auf den Sonntag hatte im Oberland ein Föhnsturm getobt, weshalb am Sonntag der Bahnverkehr Richtung Jungfraujoch eingestellt war. Die Harderbahn war vom Betriebsunterbruch nicht betroffen.
Lauterbrunnental: Bereits am Samstagnachmittag blies der Föhn talauswärts. Das Wasser des  Hasenbachs (links) wurde buchstäblich aufwärts geweht. Rechts hinten von Wengen ist der Aegertenbach zu sehen und mehr rechts den Buchenbach, der bereits im oberen Wanddrittel talauswärts verstoben wird.
Lauterbrunnental: Bereits am Samstagnachmittag blies der Föhn talauswärts. Das Wasser des Hasenbachs (links) wurde buchstäblich aufwärts geweht. Rechts hinten von Wengen ist der Aegertenbach zu sehen und mehr rechts den Buchenbach, der bereits im oberen Wanddrittel talauswärts verstoben wird.
Im Gilbach bei Adelboden wurde ein Gebäude vom Föhnsturm stark beschädigt. Die Aufräumarbeiten sind angelaufen.
Im Gilbach bei Adelboden wurde ein Gebäude vom Föhnsturm stark beschädigt. Die Aufräumarbeiten sind angelaufen.
In Adelboden stürzte bei der Bushaltestelle Heinrichsegen oberhalb des Dorfes eine Tanne um.
In Adelboden stürzte bei der Bushaltestelle Heinrichsegen oberhalb des Dorfes eine Tanne um.
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Bernhard Reichen, der Besitzer des Tierparks Riegelsee bei Frutigen, hatte auch am Tag nachdem der Föhnsturm im Oberland wütete, alle Hände voll zu tun. Er erklärte am Montag: «Durch umgestürzte Tannen wurden die Zäune beschädigt. Die meisten Tiere haben wir aber rechtzeitig erwischt. Sie sind nun in Ställen, bis die Zäune repariert sind.»

Eine Steingeiss hatte die Gunst der Stunde genutzt und war ins Freie geflüchtet. «Sie ist mittlerweile auf unser Areal zurück gekehrt», ist Bernhard Reichen erleichtert. Zwar sei sie noch nicht zurück im Gehege. Doch die Steingeiss werde bestimmt den Weg zurück finden – spätestens dann, wenn sie Hunger habe.

Der Sturm beschädigte mehrere Hütten des Parks. «Zum Glück wurde aber kein Tier verletzt», sagte Reichen. Gemeinsam mit Kollegen sei er nun dabei, die nötigsten Sachen zu flicken. Der Wildpark erlitt bereits einen besonders strengen Winter. Deshalb bleibt er in dieser Sommersaison für die Öffentlichkeit geschlossen, damit er umfangreich saniert werden kann.

Strassen wieder offen

Am Montagmittag zog auch Christian Rubin, Regierungsstatthalter des Verwaltungskreises Frutigen-Niedersimmental eine erste Bilanz. Gegenüber dem Berner Oberländer erklärte er: «Derzeit sind die Schadenexperten zwar noch unterwegs. Bereits jetzt steht aber fest, dass der Sturm allein im Raum Adelboden Schäden angerichtet hat, die insgesamt zwischen zwei und drei Millionen Franken kosten werden.» Kandersteg habe es zwar nicht so schlimm getroffen wie Adelboden, «aber auch dort gibt es Sachen zum Reparieren.»

Bis am Montag konnten alle Sofortmassnahmen beendet werden, alle Gebäude sind so gedeckt, dass der Regen nicht zusätzliches Unheil anrichten kann. Auch die Strassen waren wieder alle offen.

Christian Rubin erklärt, in den vergangenen Jahren sei ein neues Phänomen beobachtet worden. Wie in der Nacht auf Sonntag ziehe der Föhnwind ähnlich eines Hurrikans durch die Täler und hinterlasse auf seinem Weg eine Spur der Verwüstungen.

Im Oberhasli kam es kaum zu Schäden. Dies, obwohl die Spitzenwerte des Föhnsturms in Meiringen erfasst wurden. Dort wurden Böen mit bis zu 146 Studenkilometern gemessen, in Adelboden aber «nur» solche mit bis zu 130 Stundenkilometern. Sind sich die Oberhasler eher an Föhnstürme gewohnt als die Bewohner der Region Adelboden?

Jacqueline Schmocker, Mitarbeiterin des Wetterdienstes Meteotest, antwortete: «Das kann sein. Denn Meiringer sind es sich gewohnt, dass der Föhn öfters mit heftigen Böen weht. Von Adelboden her sei man sich das nicht so gewohnt.» Ob der stürmische Wind fast als Hurrikan daher kam, «können wir nicht feststellen», sagte Schmocker. Normalerweise seien die Beobachtungen der Einheimischen jedoch sehr verlässlich.

Jungfrau Region

Von den Folgen des Föhnsturms waren auch der Betrieb der Berner Oberland-Bahn, der Wengernalpbahn, der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren und der Jungfraubahn betroffen. Seit Montag verkehren die Bahnen in der Jungfrau Region wieder fahrplanmässig, wie die Jungfraubahnen mitteilten. Die Kleine Scheidegg und das Jungfraujoch waren mit der Bahn via Grindelwald erreichbar. Um 15 Uhr konnte auch die Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren ihren Betrieb wieder aufnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Reisende via Stechelberg mit der Schilthornbahn nach Mürren fahren.

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