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Das Wettfieber erreicht die Piste

An den Weltcup-Klassikern in Wengen und Adelboden können Skifans neben und an der Strecke auf ihre Lieblinge setzen. Anbieter «Sporttip» markiert grosse Präsenz. Was bringt das Glücksspiel – und wem?

«Man kann auf verschiedene Sachen wetten – auf den Sieger oder den Rang eines Fahrers», sagt Peter Willen. Der Präsident des 44. Skiweltcups in Adelboden (9./10. Januar) beweist sportlichen Humor: «Vielleicht wird den Athleten vor dem Start noch kurz auf den Zahn gefühlt, um neuste Erkenntnisse für die Wetten zu erlangen»

Dass an und entlang der Skiweltcup-Pisten im Oberland gezockt wird, das ist ein Novum – zumindest in jener Form, wie sie sich im Januar präsentiert. Willen sagt: «Wir hatten vor x Jahren einmal eine Zusammenarbeit mit Swisslos für Skiwetten. Diese war aber nur ein mässiger Erfolg, weshalb sie auch einmalig blieb.» In Wengen, wo die 80. Int. Lauberhornrennen vom 15. bis 17. Januar über die schneeweisse Bühne gehen, liegen die ersten Wettversuche wesentlich weiter zurück. «Ernst Gertsch, der Vater der Lauberhornrennen, versuchte vor 40, 50 Jahren etwas aufzuziehen», sagt Fredy Fuchs. Laut dem OK-Vizepräsidenten habe das damals aber nicht geklappt. «Seither konnte man bei uns nie mehr wetten.»

Zur Förderung des Sports

Das ist bald vorbei. «Sporttip», ein Produkt von Swisslos und der Lotterie Romande, markiert nun an den Ski-Klassikern grosse Präsenz. «Es gibt in Wengen und Adelboden je zwei Wettbüros sowie vier mobile Stationen entlang der Piste, an denen gewettet werden kann», sagt Willy Mesmer, Mediensprecher von Swisslos (siehe auch Kasten). Ist den Wettlustigen nach Bekanntwerden des internationalen Fussball-Wettskandals nicht die Freude am Spielen vergangen? «Der schadete uns bisher überhaupt nicht», verneint Mesmer. «Soweit heute bekannt ist, sind vom Skandal ja auch nur asiatische Wettanbieter betroffen.»

Gezockt wird im Schnee nicht nur der Freude wegen. Swiss-Top-Sport, die Vereinigung der bedeutendsten Schweizer Sportveranstaltungen, und die Lotteriegesellschaften unterzeichneten im Frühling einen Kooperationsvertrag über drei Jahre. Der ermöglicht, an den Top-Events «Sporttip» anzubieten. Zu den 16 VIP-Sportanlässen zählen auch die Weltcuprennen in Wengen und Adelboden. Für die Plattform berappen die Wettspielmacher der Vereinigung Swiss-Top-Sport jährlich 1 bis 1,5 Millionen Franken. Das, um dem Sportfan – und seiner Brieftasche – nahe zu sein. Und auch, um den Sport zu fördern. Laut Swisslos-Eigenangaben sind die beiden Schweizer Lotteriegesellschaften «die bedeutendsten Förderer des Schweizer Sports».

Deren Reingewinn (2007 über 500 Millionen Franken) kommt vollumfänglich der Gemeinnützigkeit zugute. Nutzniesser sind die kantonalen Verteilorgane und über diese Projekte aus Kultur, Natur und Umwelt, Sozialem oder Jugend und Bildung. Stark profitiert auch der Sport selbst. 2007 flossen laut Swisslos 120 Millionen Franken, 87 Millionen allein in den Breitensport und in die Infrastruktur. Der nationale Sport – vorab Swiss Olympic, Fussball- und Eishockeyverband sowie Sporthilfe – erhielten fast 32 Millionen Franken. Die Wichtigkeit der Sportförderung betont Fredy Fuchs: «Wir hoffen, es klappt mit den Wettangeboten an den Rennen, denn sie dienen einer guten Sache.» Am besten würden die Leute daher gleich in Wengen und Adelboden wetten

Am Umsatz beteiligt

Inwiefern profitieren die Weltcup-Veranstalter vom Wettspiel am Pistenrand? «Alle Veranstalter von Swiss-Top-Sport erhalten einen Beitrag in der selben Höhe», sagt der Adelbodner Peter Willen. Wie hoch dieser ist, mag der OK-Chef nicht verraten. «Das ist intern.» Er sagt jedoch, dass die Veranstalter zusätzlich an den Erlösen, die an den Rennen verwettet werden, beteiligt sind. Willy Messmer von Swisslos spricht von «einigen Prozenten». Genauer beziffert ers nicht. «Ich gehe nicht davon aus, dass es ein grosser Betrag sein wird», glaubt Willen. Das glaubt auch Fredy Fuchs nicht.

Das neue Wettangebot soll zudem die Attraktivität der Anlässe steigern, die Spannung erhöhen sowie die Fans ins Geschehen mit einbeziehen. «Das kann bei den Skifans schon ein Feuer entfachen», glaubt Peter Willen. Wie der Adelbodner, der zwar kein Spieler sei, wie er sagt, will auch Fredy Fuchs Wetten abschliessen. «Gewinnen werde ich wohl nichts», flachst er. Und fügt flugs an, dass er natürlich «schweizlastig» spielen wird.

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