Das Jodlerfest war trotz Regen ein Erfolg

Interlaken

Das Eidgenössische Jodlerfest in Interlaken wurde am Freitag eröffnet. Am Samstag spielte das Wetter nicht mit, doch die Besucher liessen sich den Spass dennoch nicht nehmen. Die Impressionen vom Samstag.

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Am Freitag, 14.06 Uhr: Gleitschirmflieger landen auf der Höhematte. So wie fast jeden Tag in Interlaken. Doch heute muss eine genaue Landung her: Mitten ins Herz des Jodlerdörflis stürzen sich drei Piloten. Sie überbringen drei Alpsegentrichter. Einer für jeden OK-Präsidenten des Jodlerfestes. Die Plätze auf den Tribünen sind fast alle besetzt. Obwohl die Trichter eigentlich als Lautsprecher hätten wirken sollen, verhallen die Begrüssungsworte fast im Wind. Doch die Sätze «Das Fest ist eröffnet» und «Viva la Festa» dringen durch. «Das han i jetz ghört», sagt eine Trachtenfrau mutz.

Nicht zu überhören sind die neun PC-7, die in einer Formation von Meiringen her anfliegen, jeweils über dem Thuner- und dem Brienzersee wenden und dann unter Applaus entschwinden. Aufmerksam hört das Publikum auch dem OK-Lied zu, welches das Organisationskomitee mit einigen zusätzlichen Jodlern als Verstärkung vorträgt. Dass die darauffolgende Ansprache von Ueli Walther, Präsident des Nordostschweizerischen Jodlerverbandes, wegen der fehlenden Lautsprechern kaum verstanden wird, sorgt für Unmut. «Lauter, man hört nichts», rufen einige mutig, andere fordern ein Mikrofon. «Die haben hier wohl zu wenig Geld dafür», sind sich mehrere Besucher einig.

Die Geduld der Festgemeinde ist bald zu Ende, immer mehr verlassen den Festplatz. So geht die Tradition der Veteranenehrung fast unter. Walter Dietrich, der im OK-Präsidium für die Festakte verantworlich ist, nimmt es gelassen: «Wir haben bewusst auf Technik verzichtet und diese Trichter gewählt. Zudem haben wir nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen. In Luzern, am Eidgenössischen vor drei Jahren, war die Eröffnungsfeier schlecht besucht. Die fand allerdings auch nicht im Freien statt.» Walter Dietrich versichert aber, dass am Sonntag beim Festakt Mikrofone und Lautsprecher im Einsatz sind.

Die Gäste lassen sich durch diese ungehörten Worte die Laune nicht verderben. Sie schlendern durch das Jodlerdörfli, bestaunen die Trachten an den Ständen und machen wacker an den Gewinnspielen mit, die viele der Sponsoren des Festes anbieten.

Aber nicht alle Besucherinnen und Besucher haben dazu die Zeit und Ruhe. In diversen Lokalen haben die Wettkämpfe begonnen. Schliesslich bietet sich hier die Gelegenheit, sein Können zu zeigen und von einer Jury bewerten zu lassen. Das geschieht in den Kategorien Jodeln, Fahnenschwingen sowie Alphorn- und Büchelblasen. Aufgetreten wird in den unterschiedlichsten Formationen: Vom Solisten bis zum stimmgewaltigen Chor wird alles zu hören sein.

«Eh, i ha no gsinnet, ob du äch ou chunsch, schön bisch da», begrüsst eine Frau in einer blauen Tracht eine andere, die in rot gekleidet ist. Beide tragen weisse Blusen, mit Stärkungsmittel frisch aufgebügelt, damit die Ärmel voluminös sind. Beide tragen Blumen im Mieder und weisse Strümpfe. «Ich bi nöd ganz sicher gsii, öb mir chömed, aber es hät mi dänn eifach zoge. Schön isch es da», antwortet die andere. Die Bernerin und die Zürcherin haben sich gefunden, und tauschen sich nun munter miteinander aus. Genau so, wie das an diesem Wochenende in Interlaken immer wieder passiert. Genau so, wie es an den Jodlerfesten schon immer passierte.

Bereits am Morgen, noch bevor das Fest offiziell eröffnet ist, herrscht im Jodlerdörfchen reges und fröhliches Treiben. Mehrere Chinderchörli, die am Vorabend am Nachwuchswettbewerb teilgenommen haben, sind in ihren Trachten und Zöpfchen unterwegs. Immer wieder stellen sie sich auf und geben ein Lied zum Besten. Sehr zur Freude der Urlauber, die zuerst leicht erstaunt und dann beglückt zuhören und wacker Fotos schiessen.

Die Kinder geniessen die Aufmerksamkeit sichtlich und nehmen es dann auch mit dem «Jutze» nicht mehr so genau. So können zwei Modis ihr Kichern einfach nicht mehr unterdrücken, als Asiaten in Trachten und «Chüjermutze» vorbeigehen. Einer von ihnen trägt ein Alphorn auf der Schulter. «Äs gseht eifach so – hm– so komisch us», entschuldigt sich die eine Kicherbohne. Die Asiaten gehören zu den Gästen aus dem Ausland, die sich ausnahmsweise ebenfalls einer Jury stellen und von ihr bewerten lassen dürfen.

Nicht nur bei den Trachten und verschiedensten Menschen, die sie tragen, wird die Vielfalt des Angebotes des «Eidgenössischen» deutlich, sondern auch auf den Tellern. In den Festzelten werden kantonale Spezialitäten aufgetischt. Von Appezeller Worscht-Chäs-Salat bis Ziger-Spätzli aus dem Glarnerland ist fast alles da, was die Schweizer-küche bietet. An den Verpflegungsständen geht es internationaler zu und her. Deutlich wird das bei den Würsten auf dem Grill: Mal ist es eine Jodler-Wurst, mal eine Curry-Wurst.

«Wir sind aufKurs», sagt Hanspeter Seiler an der Pressekonferenz. Der Nachwuchswettbewerb am Donnerstag sei ein voller Erfolg gewesen. Stabschef Albert Lüthi antwortet auf die Frage, wie viele Festabzeichen bereits verkauft wurden: «Wir sind auf Kurs.» Dieser Handel ist ein Anzeichen dafür, wie viele das Fest besuchen werden. Hanspeter Seiler sagt auch: «Nun hoffen wir auf trockenes Wetter. Vor allem am Sonntag, wenn der Festakt und der Umzug stattfinden.»

Berner Oberländer

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