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Brienzermärt: Ochsengalleseife, Bijiwax und Krapfen

Es gab einiges zu chramen am Brienzermärt – der wie immer am zweiten Donnerstag im November stattfand.

Ueli Flück

Ist eigentlich Brienz wegen des Sees bekannt oder der See wegen Brienz? Oder kennt man Brienz im Unterland sowieso nur wegen der Schnitzerei, des Rothorns und des Giessbachs? Ein heftig diskutierendes Quartett ist sich gar nicht einig. Man könnte mit Gotthelf sagen: «Es ist akkurat, wie Mädchen auch am allerliebsten sind, wenn man von ihnen nicht zu sagen weiss, sind sie noch Kinder oder Jungfrauen oder gar Weiber.» Und überhaupt: Am meisten los ist in Brienz am Brienzermärt. Gestern war Brienzermärt.

Vor 383 Jahren erhielten die Brienzer die hochobrigkeitliche Bewilligung von Schultheiss und Rat der Stadt Bern, jährlich am Verenatag einen Markt abzuhalten, an dem sie ihr Vieh verkaufen konnten. Seither hat sich der Märt gewaltig gewandelt. Vieh wird keines mehr verkauft, und der Märt findet nicht mehr am Verenatag (1.September) statt. «Der Brienzermärt 2009 findet am Mittwoch, 11. (ab Mittag), und Donnerstag, 12.November 2009 (Hauptmarkttag) statt. Der Brienzermarkt ist ein Warenmarkt.» So steht es in der Rubrik Neuigkeiten auf der Homepage der Gemeinde Brienz am See. Für die Brienzerinnen und Brienzer und die Heimwehbrienzerinnen und Heimwehbrienzer ist das allerdings «niid Niwws», denn sie wissen: Immer am zweiten Donnerstag im November ist Brienzermärt.

Stand an Stand steht zwischen dem «Brienzerburli» und dem «Adler de la Gare». Beidseits der ohnehin schon schmalen Strasse. Es gibt viel zu chramen: naturtrübes Olivenöl, Chrütertee und Glühwein, Antigrippe-Pfnüselöl. Auch Antischweinegrippe-Zaubertrunk? Nein. Spritzen? Nein. Aber: Marroni, ganz heissi, Nussgipfel, ganz frischi, nicht holländische (van gestern). Ein Wortgewandter will mir Anti-Aging-Creme andrehen. Ich kaufe nicht. Denn: würde ich mir zu viel davon an den Grind salben, müsste ich womöglich an der Kinokasse noch den Ausweis zeigen. Es gibt Käse zu kaufen. Einheimischen: Planalper, Rotschalper, Tschingelfelder, Tiefentaler und solchen von der Riederen. Auch Brie de Meiringen – ausgerechnet in Brienz! Aber keinen Emmentaler. Zu Zeiten, als die Bauern aus der Vehfreude die grosse Käsebörse zu Langnau besuchten, gab es Emmentaler. Auch in Brienz. Gotthelf hielt fest: «Die Oberländer Käshändler sind rare Vögel im Emmental, die Emmentaler dagegen sehr bekannt im Oberland.» Übrigens: Am Vortag der Käsebörse zu Langnau sollen die Wirte in den Keller gestiegen sein und sechs-, acht- und zehnbatzigen Wein «gemacht» haben. So unter dem Motto: «Warum Wasser sparen, das gar nichts kostet.» In Brienz ist das anders. Der Wein wächst zwar nicht an den Hängen des Brienzergrats, aber er ist süffig und jedenfalls nicht verdünnt. Er kostet allerdings auch mehr als sechs Batzen.

Die Brienzer Krapfen sind wie immer ein Renner. Und Erstaunliches wird angepriesen: Nähen ohne Nadel. Erklärung: «Meine Mama flickt alles mit Fusionex.» Waschen ohne Waschmittel. Flecken beseitigen mit Ochsengalleseife. Ein Schwamm, der zum Salben der Schuhe und des Autos taugen soll. Hanspeter Reber verkauft – unter anderem – alte Ordonnanzmilitärschuhe. Spendet er den Erlös dem Ueli Maurer zum Kauf von neuen Flügerli? Bijiwax kann für einiges gebraucht und Murmelischmutz für viele Gebresten eingerieben werden.

Es herrscht gäbiges Wetter am Brienzermärt. Nicht wie es im Jodellied von Max Huggler heisst: «Äs ischt chuel und unammietig.» Ammietig ist es. Und überhaupt: Ob die Sonne scheint oder ob es Katzen hagelt, der Brienzermärt ist immer scheen! Sagen die Brienzerinnen und Brienzer.

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