Braucht Thun Cannabis-Clubs?

Thun

Soll der Cannabiskonsum in der Stadt Thun in einem geschlossenen Rahmen legalisiert werden? Über diese und andere Fragen diskutierten am Mittwochabend vier Politiker.

Der Cannabis-Konsum in einem geschlossenen Rahmen bot an der Diskussionsrunde mit vier Politikern viel Gesprächsstoff.

Der Cannabis-Konsum in einem geschlossenen Rahmen bot an der Diskussionsrunde mit vier Politikern viel Gesprächsstoff.

(Bild: Keystone)

Anlass zur Podiumsdiskussion war die Petition zur Cannabislegalisierung, welche die Jungsozialisten am Mittwoch mit 1023 Unterschriften in Thun eingereicht haben. Darin wird gefordert, dass sich Thun aktiv am Vorhaben grösserer Städte wie Zürich, Bern oder Genf beteiligt, den Cannabiskonsum in einem geregelten Rahmen zu legalisieren.

Wie genau diese Cannabisclubs aussähen, ist laut Manuel Oetterli, Präsident Juso Thun/Berner Oberland und Mitinitiant der Cannabispetition, noch nicht klar. «Wir möchten mit der Petition Cannabis zum Thema machen und nach Möglichkeiten suchen, die Alltagsdroge zu legalisieren», erklärte Oetterli.

Neben dem Juso-Präsidenten Oetterli argumentierte Philipp Weber (SP) auf der Befürworterseite. Komplettiert wurde die Podiumsdiskussion von Daniel Beutler-Hohenberger (EDU) und Thomas Jauch (CVP), die auf der Gegnerseite standen.

Harte oder weiche Droge?

Knapp die Hälfte der rund 50 Anwesenden gaben zu Beginn der Veranstaltung an, mindestens einmal in ihrem Leben gekifft zu haben. Schon aus dieser Einstiegsfrage des Moderators Adrian Durtschi, Chefredaktor Radio BeO, ging hervor, dass Cannabis heute eine Alltagsdroge ist. «Wir müssen diesen Fakt akzeptieren. Die Frage ist, wie wir damit umgehen», sagte Philipp Weber.

Die Lösung, den Konsum einzudämmen, liege nicht darin, immer mehr zu verbieten, sagte er weiter. «Wir müssen in die Prävention investieren und diejenigen bekämpfen, welche Cannabis in Umlauf bringen», ergänzte Oetterli. Eine Legalisierung der seiner Ansicht nach «weichen Droge» wäre daher die ideale Lösung.

Die Gegnerseite stand den Vorschlägen von Oetterli und Weber mehr als skeptisch gegenüber. Der Arzt und Ex-Kiffer Daniel Beutler ist der Ansicht, dass es falsch sei, Cannabis als eine «weiche Droge» zu bezeichnen. «Cannabis wirkt bei jedem anders und kann zu Psychosen und Schizophrenie führen», erklärte er. Deshalb ist Cannabis seiner Ansicht nach eine «harte Droge».

Unbefriedigend geregelt

Der ehemalige Polizist Thomas Jauch zeigte anhand praktischer Beispiele aus seinem früheren Berufsalltag auf, dass die rechtliche Situation in Bezug auf Cannabis unbefriedigend ist. «Kiffen ist zwar illegal, aber die Polizei kann niemals alle Kiffer büssen, es herrscht ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag», erklärte er das Dilemma, in welchem sich die Polizei befindet.

Amsterdam der Zukunft?

Beutler forderte mehrmals dazu auf, doch auf einem Berg oder sonst irgendwo zu kiffen, wo es andere nicht gefährdet. «Habt Rücksicht mit denen, die Cannabis nicht vertragen, Clubs in der Stadt wären kontraproduktiv», sagte er. Jauch befürchtete, dass die Stadt mit der Cannabislegalisierung zu einem Drogenparadies wie Amsterdam werden könnte. «Ist das das Image, welches wir in Thun haben wollen?», fragte er in die Runde. «Brauchen wir diese Art Tourismus hier in der Stadt?»

Die Befürworter der Petition hingegen fanden, es sei besser, irgendetwas zu tun, als die Augen vor der Situation zu verschliessen. «Das Problem wird nicht gelöst, wenn wir repressiv sind und immer mehr verbieten», meinte Weber, «die Situation ist nun mal so, man kann nicht den Hebel umlegen und in die Zeit zurückgehen, als praktisch niemand kiffte». Deshalb müsse man nach neuen und innovativen Lösungen suchen. «Prävention ist besser als Repression», sagte Manuel Oetterli zum Schluss.

Grundlage für Diskussionen

«Wir wollen den Drogenmarkt eindämmen, wo es nur geht», sagten sowohl Befürworter wie Gegner der Petition. Doch die Diskussion, wie genau man dieses Ziel erreichen könnte, wird noch lange weitergehen. Denn in diesem Punkt sind sich die beiden Seiten überhaupt nicht einig.

Auch die Zuhörerschaft diskutierte im Anschluss an die Podiumsdiskussion angeregt weiter. Ein junger Mann meinte zur Veranstaltung: «Ich hätte mir eine konstruktivere Diskussion gewünscht, sie redeten meiner Meinung nach aneinander vorbei.»

Thuner Tagblatt

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