«Bienen müssen heute intensiv gepflegt werden»

Hondrich

Über 100 Imkerinnen und Imker liessen sich am Montag in Hondrich vom Bienengesundheitsdienst über die Bekämpfung der gefürchteten Varroamilbe informieren.

Varroamilben sind gut erkennbar als glänzende und im Verhältnis zu den Bienen relativ grosse Punkte. Der Kugelschreiber zeigt auf eine Milbe, die sich auf dem Rücken einer Biene abgesetzt hat.

Varroamilben sind gut erkennbar als glänzende und im Verhältnis zu den Bienen relativ grosse Punkte. Der Kugelschreiber zeigt auf eine Milbe, die sich auf dem Rücken einer Biene abgesetzt hat.

(Bild: zvg)

«Letzten Winter gab es keine grossen Völkerverluste», erklärte Robert Lerch vom Bienengesundheitsdienst des kantonalen Bienenzüchterverbands (VBBV). «Zum Teil hatten wir mit dem Wetter Glück. Dazu kam eine konsequentere Varroabekämpfung der Imker.» Wie sehr die Milbe den Oberländer Imkern trotzdem zu schaffen macht, zeigte der Grossaufmarsch am VBBV-Informationsabend im Inforama Berner Oberland in Hondrich.

Zur Problemmilbe wurde die aus Asien eingeschleppte Varroa, weil die europäischen Honigbienen nicht auf sie eingestellt sind. Die Milbe ist hingegen wunderbar an das Leben im Bienenstock angepasst, wie Robert Lerch erläuterte. So «reiten» die Milben jeweils auf den Bienen von Volk zu Volk und lassen sich mit den Bienenlarven in den Brutzellen einschliessen. Schön geschützt pflanzen sie sich fort und ernähren ihre Familie von den Larven.

Genau dann, wenn die jungen Bienen aus der Zelle schlüpfen, sind auch die neuen, bereits begatteten Milben bereit, weiterzuziehen. So verdoppelt sich der Milbenbestand im Sommer jeden Monat. Das überleben viele Bienenvölker nicht – zumal die Milben nicht nur Blutsauger sind, sondern als Zwischenwirte etlicher Viren auch Krankheiten übertragen.

Zwar haben die Bienen im Laufe der Evolution einen guten Schutz gegen Krankheiten entwickelt. «Doch die Varroamilbe überträgt die Viren direkt ins Blut und umgeht damit alle natürlichen Abwehrmechanismen der Bienen», erklärte Lerch. Fazit: «Bienen werden damit nicht alleine fertig. Sie müssen heute intensiv gepflegt werden.»

Koordinierte Massnahmen

Bekämpft werden die Milben im Sommer meist mit Ameisen- und im Winter, wenn die Völker ohne Brut sind, mit Oxalsäure. Ameisensäure wirkt bis in die Brutzellen, Oxalsäure jedoch nicht. Die Säuren führen zwar nicht zu Resistenzen, stressen aber die Bienen. Deshalb gehen die meisten Imker verantwortungsbewusst damit um und folgen der «integrierten Varroabekämpfung» der Forschungsanstalt Liebefeld. So werden die Säuren nach der Honigernte und im Winter eingesetzt, wenn die Entwicklungsstadien der Bienenvölker die beste Wirkung versprechen.

Dazu kommen vorbeugende Massnahmen wie das Auflösen schwacher Völker, das Ausschneiden der besonders häufig befallenen Drohnenbrut, das Bilden von Jungvölkern und die periodische Kontrolle. Der Verbreitung von Milben beugt auch ein gutes Futterangebot vor, da hungrige Bienen gerne schwache Völker ausrauben und dabei Parasiten heimschleppen. Auch die Zusammenarbeit unter Imkern ist wichtig: Milben und Seuchen machen nicht am Gartenhag halt.

Bienen wichtiger als Honig

Wächst der Varroabefall trotz allem noch vor der Honigernte zu stark an, kann der Imker die Notbremse ziehen, indem er Brutableger oder Kunstschwärme bildet. Das heisst, die Bienen auf neue, saubere Waben umsiedelt. Damit verliert er zwar Honig, «aber das Leben der Bienen hat Vorrang», so Lerch. «Eine Entscheidung für ihre Gesundheit ist eine gute Investition für das nächste Jahr.» Praktisch vorgeführt bekamen die Kursteilnehmer neueste Methoden zur Bekämpfung der Varroamilbe von Betriebsberaterinnen und -beratern der Oberländer Bienenzüchtervereine.

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Berner Oberländer

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