Bahnbetreiber investieren in Freestyle-Angebote

Gstaad

Die Bergbahnen Destination Gstaad AG setzt im Oberland mit jährlich knapp 600'000 Franken am meisten Geld für Freestyle- und Funangebote im Winter ein. Das Ziel: wieder vermehrt junge Gäste auf die Piste locken.

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Marius Aschwanden

Wie Kunstwerke sehen die Gebilde aus Schnee und Metall in Saanenmöser an diesem sonnigen Nachmittag im Februar aus. Es sind aber nicht etwa kunstinteressierte Menschen mittleren Alters, die sich am Hornberg tummeln. Nein, im neuen Snowpark Gstaad sind das Durchschnittsalter jung, die Hosen breit und die Winterjacken lang. An den Füssen der Anwesenden: Freeskier oder Snowboards. Die vermeintlichen Kunstwerke sind Sprünge und Metallstangen, über die man rutschen kann – in der Freestyleszene Kicker und Rails genannt.

Rund 60'000 Kubikmeter Schnee wurden für den heuer erstmals am Hornberg erstellten Snowpark verbaut. 50'000 Kubikmeter sind künstlicher, der Rest natürlicher Schnee. «Die Investitionskosten betrugen 320'000 Franken, bei den Betriebskosten rechnen wir mit rund 510'000 Franken pro Jahr», sagt Armon Cantieni, Direktor der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG).

«Skifahren reicht nicht mehr»

Landauf, landab kämpfen die Betreiber von Skigebieten mit der Tatsache, dass immer weniger junge Leute Ski fahren. Mit speziellen Angeboten wie dem neuen Snowpark will die BDG dem nun Gegensteuer geben und versuchen, junge Gäste anzulocken und zu motivieren, auf die Piste zu gehen. Schliesslich seien die Jungen die Kunden von morgen. «Einfach nur Skifahren reicht nicht mehr. Erlebnisse am Berg sind extrem wichtig», so Cantieni. «Stammgäste, das ist es, was wir erreichen wollen.» Und dafür sei höchste Qualität notwendig. Aus diesem Grund wurde der alte Snowpark am Saanersloch nicht mehr weitergeführt, dafür die professionell agierende Firma QParks für die Konzeption, den Unterhalt und die Vermarktung des Snowparks eingesetzt. «Jetzt gibt es für jedermann etwas, egal ob Anfänger oder Profi», sagt der BDG-Direktor.

Zu den Erlebnissen am Berg zählt auch die auf diese Saison neu eingerichtete Skimovie-Strecke am Saanersloch. Die Investitionskosten betrugen 180'000 Franken, die Betriebskosten 40'000 Franken. Dafür können die Gäste eine Riesenslalomstrecke runterfahren – immer unter den wachsamen Augen zweier Kameras. Nach dem Skitag kann das Video im Internet angesehen werden. Wer lieber mehr Action hat, kann sich am Rinderberg auf der Skicrossstrecke austoben. Seit drei Jahren sorgt Initiant Martin Feuz für deren Unterhalt. «An einem guten Tag haben wir hier über 800 Fahrten», weiss Feuz. Kostenpunkt: 30'000 Franken im Jahr.

Positive Rückmeldungen

Trotz den neuen Angeboten wolle man kein explizites Freestylemekka werden, sagt Cantieni. Als solches habe sich Laax bereits sehr erfolgreich etabliert. «Trotzdem wollen wir künftig mit unserem Angebot konsequent junge Leute ansprechen.» Mit gesamthaft knapp 600'000 Franken Betriebskosten gibt die BDG im Oberland bei weitem am meisten Geld für Funangebote aus. Ob sich die hohen Kosten auszahlen, sei schwer zu eruieren. «Wir sehen aber, dass der Park sehr viel genutzt wird, und erhalten tolle Rückmeldungen. Die Werbewirkung darf auch nicht vergessen werden», sagt Cantieni. Der Direktor betont zudem, dass das Gesamtangebot von Freestyle und Fun am Berg, Après-Ski und Übernachtung für die Jungen stimmen müsse. «Und genau da muss sich Gstaad entwickeln. In Sachen Après-Ski ist der Ort eher ein bisschen bieder. Wir müssen aber schrittweise vorgehen.»

«E-Bikes» im Skigebiet

Längst denkt Armon Cantieni auch über neue Freestyle- und Funangebote nach. «Spruchreif ist noch nichts.» Auf dem Hornberg können aber zurzeit im Rahmen einer Testphase elektrobetriebene Snowbikes ausprobiert werden. Für zwei Franken pro Minute kann dort bis am 3.März auf einem Rundkurs über den Schnee geflitzt werden. Womöglich werden die «E-Bikes» ab der Wintersaison 2013/2014 bei der BDG auch zu den fixen Erlebnissen am Berg gehören.

Berner Oberländer

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