Auf Spurensuche im Schloss Spiez

Spiez

Bei der Erneuerung der historischen Ausstellung im Schloss suchen die Ausstellungsmacherinnen derzeit Spuren der ersten bekannten Schlossherrn, der Familie des Minnesängers Heinrich von Strättligen.

Sie suchen neue Zugänge: Cornelia Juchli (links) und Barbara Egli öffnen mit der künftigen Ausstellung im Wohnturm von Schloss Spiez neue Zugänge zur Zeit des Minnesängers Heinrich von Strättligen.

Sie suchen neue Zugänge: Cornelia Juchli (links) und Barbara Egli öffnen mit der künftigen Ausstellung im Wohnturm von Schloss Spiez neue Zugänge zur Zeit des Minnesängers Heinrich von Strättligen.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Drei grosse Berner Adelsgeschlechter suchten in den letzten 800 Jahren ihr Glück auf Schloss Spiez: Strättligen, Bubenberg und Erlach. Alle gerieten in Geldnöte und mussten das Schloss schliesslich verkaufen. Doch vorher bauten sie jeweils so imposant, dass keiner übersehen konnte, wo Bartli den Most holte am südlichen Thunerseeufer – und so gut, dass Bauten aus allen drei Epochen bis heute erhalten sind.

Durch die Zeiten gehen

«Wir haben das Glück, dass wir bei einem Rundgang durch das Schloss zugleich durch 800 Jahre Geschichte gehen können», sagt Schloss- und Museumsleiterin Cornelia Juchli. Durch diese Geschichte führt eine Ausstellung, die derzeit schrittweise erneuert wird (siehe Kasten). Schon Anfang Sommer 2011 eröffnet wurde die neue Ausstellung über Adrian von Bubenberg, seine Familie und das späte 15.Jahrhundert, die Zeit der Burgunderkriege.

Und schon arbeitet die wissenschaftliche Mitarbeiterin Barbara Egli mit der Museumsleiterin und der Ausstellungskommission am nächsten Teil – dem Blick zurück zu den ersten namentlich erwähnten Herren von Schloss Spiez, der Familie von Strättligen.

Fledermaus und Minnesang

Über gewundene Treppen mit ausgetretenen Stufen, durch verwinkelte Gänge und schwere Türen führt der Weg ins 13.Jahrhundert, als der Minnesänger Heinrich von Strättligen in der schon damals alten Burg residierte.Ort der Ausstellung ist der alte Wohnturm, den die Bewohner früher nur über einen Hocheinstieg in luftiger Höhe erreichten. Luftig sind die von Fledermäusen und einem listigen alten Marder mitbewohnten Räume auch heute noch; und hinter den drei Meter dicken Mauern bleiben sie selbst an Sommertagen so kalt, dass die Vermutung, Spiez sei schon immer nur eine Sommerresidenz gewesen, nicht abwegig scheint.

«In diesen Räumen kann man Geschichte erleben», sagt Barbara Egli. «Aber für heikle Ausstellungsstücke eignet sich das Klima nicht.» So wird die berühmte Darstellung Heinrichs von Strättligen, die Miniatur aus der im 14.Jahrhundert entstandenen Manessischen Liederhandschrift, als Reproduktion zu sehen sein, ergänzt mit elektronischen Kommentaren, Minneliedern ab Hörstation und der Kopie eines Minnesängergewandes.

Was Mauern erzählen

«Vor allem aber lassen wir den Raum selber sprechen», sagte Egli. Und der hat viel zu erzählen: Durch den Hocheinstieg sieht man die gleiche Schlosskirche wie vor 800 Jahren. Der karge Wohnraum ist umgeben von Nischen mit Steinbänken und einer Feuernische, und mitten im Boden öffnet sich eine Falltüre auf einen Vorratsraum, aus dessen Tiefe ein herber Duft aufsteigt. «Das kommt vom Wein», erklärt Cornelia Juchli; «denn der Raum reicht bis zum Schlosskeller hinab, wo der ‹Spiezer› gekeltert wird.» Das Prunkstück des Raums – und ein europaweit seltener Fund – bleiben die Graffiti an den Wänden rund um die Feuerstelle respektive die Abgüsse, hinter denen die Originale heute geschützt sind. Die comicartig dynamischen Darstellungen von Rittern, die zu Pferd Turnierkämpfe austragen, kamen bei der letzten Restauration des Turms zum Vorschein und wurden von Fachleuten anhand der Helmformen auf 1260 datiert. «Neulich war ein Forscher da, der sich vor allem für die Hufe der Pferde interessierte», berichtet Juchli. «Offenbar sind die Darstellungen so detailgetreu, dass sich sogar die Pferderasse bestimmen lässt.» Und was vielleicht besonders die jüngsten Besucher interessiert: Die Experten nehmen an, dass die Szenen von Knappen in den Putz geritzt wurden, die das Fachwissen aus ihrer Ritterausbildung in Graffiti umsetzten. «Wer weiss», meint Barbara Egli augenzwinkernd, «vielleicht ist es ja sogar ein Jugendwerk des Minnesängers.»

Rätsel für Forscher

Dabei hofft Egli, dass Forscher bis zur Eröffnung der Strättliger-Ausstellung 2012 auch herausfinden, welcher Heinrich der Minnesänger war – «denn bis heute ist nicht klar, ob es sich um Heinrich II. oder um Heinrich III. von Strättligen handelt». Die neuesten Forschungsergebnisse zur Familie von Strättligen, zu ihrer Politik sowie zu ihrem kulturellen Umfeld werden nächsten Sommer an einer wissenschaftlichen Tagung für Forscher und interessierte Laien präsentiert – nach dem Muster der ersten Spiezer Tagung zu den Bubenbergs im Juni 2011.

Berner Oberländer

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