Asphalt-Betrüger zocken Bauernfamilie ab

Oberland

Einer Bauernfamilie im Berner Oberland wurde am letzten Freitag ein neuer Teerbelag für mehrere Tausend Franken eingebaut – von Schwarzarbeitern und mit Asphalt von fragwürdiger Herkunft.

Im Nu war der Vorplatz von Familie R. frisch geteert - und sie waren mehrere Tausend Franken los (Symbolbild).

(Bild: Fotolia.com)

Tanja Kammermann

Am späten Donnerstagnachmittag tauchten plötzlich fünf Männer auf dem Hof von Familie R. auf*. Sie hätten noch übriggeliebenen Teer von einer nahen Baustelle. Ob sie diesen günstig auf dem Vorplatz des Hofs einbauen sollen, fragte einer der Männer auf Englisch den Jungbauern I.R.*, der kaum Englisch spricht. Dieser witterte ein gutes Angebot und dachte sich nichts dabei, schliesslich wurde an diesem Tag wirklich ein Strassenabschnitt in einer nahegelegenen Gemeinde geteert. Er machte mit den Männern, die in Mietautos mit Appenzeller Nummernschildern unterwegs waren, für den nächsten Tag einen Termin ab. Details wurden noch nicht gross besprochen.

Am Freitag kurz vor dem Mittag rückten die Arbeiter mit Maschinen und einem Lastwagen voll Teer auf dem Hof an. Mehrere Bau-Fahrzeuge hatten englische Nummernschilder. «Stutzig wurde ich eigentlich erst, als ich sah, dass einer der Arbeiter den Lastwagenfahrer bar auszahlte», sagte I.R. Innert Kürze waren die mehreren hundert Quadratmeter des Hofs geteert. Statt der üblichen sieben Zentimeter haben die Arbeiter den Belag fünf Zentimeter dick aufgetragen. Verkauft haben sie den Teer, der angeblich aus Langenthal stammte, schliesslich pro Quadratmeter. Das Ergebnis ist soweit in Ordnung: «Vor dem Haus ist es etwas unschön geworden, der Rest sieht aber gut aus», sagt I.R.

Überrissener Preis

Am Montag kam der Chef der Arbeiter, der sagte er sei aus Schottland, zurück auf den Hof von Familie R. um das Geschäft abzurechnen. «Ich staunte nicht schlecht, als dieser über 10'000 Franken dafür wollte», sagte I.R. Zwei Stunden hätten sie miteinander verhandelt, bis ein für sie angemessener Preis ausgemacht war. «Wir sind dieses Geschäft etwas überstürzt eingegangen und das Ganze wird uns eine Lehre sein», sagt I.R. im Nachhinein. Er hofft jetzt, dass es keine Probleme gibt, weil er keine korrekte Abrechnung für die Asphalt-Arbeiten und damit keinen Versicherungsschutz hat.

Polizei warnt vor solchen Arbeitern

Bei der Kantonspolizei Bern ist das Vorgehen dieser wenig gewissenhaften Arbeiter bekannt. Auf Anfrage sagte Andreas Hofmann, Polizei-Mediensprecher, dass es im April 2013 mehrere Geschädigte gegeben und die Polizei damals eine Warnung herausgegeben habe. Die Polizei rät, sich durch ortsansässige Firmen beraten zu lassen und nötigenfalls mehrere Vergleichs-Offerten einzuholen. Grundsätzlich vorsichtig und misstrauisch bei Haustürgeschäften zu sein und verdächtige Wahrnehmungen der Kantonspolizei Bern unter den Notrufnummern 117 oder 112 zu melden.

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