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«Arche Gartentor» rettet Teil des Autofriedhofs

Ab Freitag wird im Kunstmuseum Thun die Internationale Gruppenausstellung Pièces de résistance zu sehen sein. Auch Künstler aus der Region und Schüler des Gymnasiums Seefeld sind daran beteiligt.

«Die Arche Gartentor»: Heinrich Gartentor und Auto auf dem Floss vor dem Thunerhof. Der Fiat stammt vom Autofriedhof in Kaufdorf.
«Die Arche Gartentor»: Heinrich Gartentor und Auto auf dem Floss vor dem Thunerhof. Der Fiat stammt vom Autofriedhof in Kaufdorf.
Patric Spahni

Unter dem Moto Pièces de résistance werden ab dem 18. September im und rund um das Kunstmuseum Thun Arbeiten verschiedener Künstler gezeigt, welche sich mit der Thematik des politischen Widerstandes auseinandersetzen. Anlass zur Ausstellung ist für Helen Hirsch, Direktorin des Kunstmuseums, das 20-Jahr-Jubiläum des Mauerfalls in Berlin. «Mich hat es interessiert, zu sehen, wie sich die Kunstszene in Osteuropa in den zwanzig Jahren nach dem Mauerfall entwickelt hat und in welcher Form Widerstand darin ein Thema ist. Deshalb sind viele osteuropäische Künstler an der Ausstellung beteiligt.» Gleichzeitig will Hirsch aber auch die schweizerischen und die lokalen Künstler einbeziehen. «Es interessierte mich, ob sich auch Thuner Künstler mit Formen des Widerstandes beschäftigen.» In Heinrich Gartentor und Hanswalter Graf fand Hirsch zwei Kunstschaffende aus der Region Thun, welche sich schon öfter dieser Thematik widmeten.

Floss mit Fiat

«Ich gelte als einer der widerständigsten Künstler der Region», stellt Heinrich Gartentor selber fest. Sein Beitrag zur Ausstellung Pièces de résistance besteht darin, dass er einen Fiat Cinquecento vom Autofriedhof Kaufdorf auf einem Floss in der Aare vor dem Kunstmuseum installiert. Gartentor dazu: «Das ist die Arche Gartentor, und sie rettet wenigstens einen Teil des Autofriedhofs mitsamt Pflanzen und Tieren.» Der Künstler sieht in seinem Floss aber noch eine weitere Bedeutung. «Das Floss steht ja auch für eine abenteuerliche Flucht. Einfach abzuhauen ist auch eine Form des Widerstandes.»

Während Gartentor über Flucht nachdenkt, versuchen andere explizit vor Ort zum Widerstand aufzurufen. Der Thuner Kunstschaffende Hanswalter Graf leistet zusammen mit Absolventen des Gymnasiums Thun Seefeld, welche bereits vor acht Jahren mit dem Projekt «Gewaltfreie Zone» auf sich aufmerksam machten und sich heute «Widerstands-Allstars» nennen, einen weiteren Beitrag zur Ausstellung.

Subtiler Widerstand

Felix Schmitz ist einer der ehemaligen Gymnasiasten, welche nun erneut für ein Kunstprojekt zusammengefunden haben. «Nach acht Jahren haben wir uns wieder mit Hanswalter Graf zusammengesetzt und Ideen gesammelt», erinnert sich Schmitz. Das Resultat ist eine Art Grenzübergang am Aarequai. In einem Kasten wird dort jeden Tag eine Aufforderung zum persönlichen Protest zu lesen sein. «Das ist eine subtile Art des Widerstandes. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass wir in der Schweiz zur Lebensfreude verpflichtet sind, auch wenn das Leben nicht perfekt ist.» Weitere Unterstützung erhielten die «Widerstands-Allstars» von den Deutschlehrern des Gymnasiums Seefeld, welche mit ihren Schülern zusammen mit Hanswalter Graf Widerstandssätze für den Grenzübergang suchten. Auch Peter Herren, Rektor des Gymnasiums, ist vom Projekt überzeugt: «Darüber, dass den Schülern die Möglichkeit geboten wird, sich an einer Ausstellung zu beteiligen, öffnet sich für sie der Zugang zu einer heutigen Form der gestalterischen Auseinandersetzung.»

Pièces de résistance. Kunstmuseum Thun, 19. Sept. bis 22. Nov. Vernissage: Freitag, 18. Sept., ab 18.30 Uhr

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