«Wir hoffen, dass der Stadtrat die Chancen sieht»

Thun

Warum hat das angepasste Konzept für das Hotel am Lachenkanal bessere Chancen? Alec von Graffenried, Leiter Arealentwicklung Mittelland bei der Losinger Marazzi AG, nimmt Stellung.

Der Hotelbetrieb werde durch das Pflegezentrum nicht gestört, sagt Alec von Graffenried, Leiter Arealentwicklung Mittelland bei Losinger Marazzi.

Der Hotelbetrieb werde durch das Pflegezentrum nicht gestört, sagt Alec von Graffenried, Leiter Arealentwicklung Mittelland bei Losinger Marazzi.

(Bild: Beat Mathys)

Wieso hat die Losinger Marazzi AG das Hotelprojekt angepasst und die ursprüngliche Idee mit den Wohnungen in den oberen Stockwerken fallen gelassen?Alec von Graffenried: Als das Projekt entstand, waren die Voraussetzungen in Thun ganz anders. Das Swiss Economic Forum und das Klimaforum waren hier, man dachte, weitere würden kommen. Dann ging die Entwicklung unglücklicherweise für Thun in eine andere Richtung. Mit der Aufbauarbeit musste wieder neu begonnen werden. Diese Umstände machten es schwierig, einen Betreiber für das Hotel zu finden. Obwohl wir schliesslich einen möglichen Betreiber hatten, merkten wir, dass die Wohnungen zu teuer geworden wären und das Konzept so nicht funktioniert hätte. Mit den Pflegebetten, die es in Thun braucht, sieht es anders aus.

Inwiefern? Es können Synergien mit dem Hotelbetrieb genutzt werden – etwa in den Bereichen Verpflegung, Reinigung sowie Zimmerservice. Und im Hotel kann ein zusätzliches Gästesegment angesprochen werden.

Nämlich? Im Hotel können Gesundheitsdienstleistungen angeboten werden. So soll namentlich in der Zwischensaison die Nutzung verbessert werden. Es können beispielsweise Personen aus Altersheimen hier Ferien machen. Wir haben das Gefühl, dass ein solches Angebot mit der Alterung der Gesellschaft mehr und mehr nachgefragt wird.

Existieren ähnliche Konzepte an anderen Orten bereits? Für den Tourismuspreis Milestone 2013 war das Projekt Claire &George nominiert, bei dem Hotelferien mit Spitex-Unterstützung vermittelt werden. Und Gesundheitstourismus liegt allgemein im Trend, nicht nur im Wellnessbereich. Es ist sicher ein Pluspunkt, wenn Thun hier dem Rest der Schweiz etwas voraus hat. Wir glauben an dieses Konzept.

Wirkt ein Pflegezentrum direkt beim Hotel für potenzielle Hotelgäste nicht abschreckend? Der Pflegebetrieb wird geschlossen geführt, getrennt vom Hotel. Es sind wirklich Pflegebetten, die Leute werden sich auch aus Sicherheitsgründen – etwa bei Dementen – nicht in der Hotelhalle bewegen, sondern auf den jeweiligen Etagen, die von Senevita relativ offen gestaltet werden. Der Hotelbetrieb wird durch das Pflegezentrum nicht gestört.

Was sagen Sie zu Befürchtungen der Stadt, der Hotelbetrieb könnte bei mangelnder Rentabilität zugunsten des Pflegebetriebs zurückgefahren werden? Das ist tatsächlich eine entscheidende Frage. Es ist völlig klar, dass sich die Stadt absichern muss, das würde ich an ihrer Stelle auch tun. Wir werden das vertraglich festlegen müssen – mit einer Betriebsverpflichtung, die festhält, dass das Hotel in einem gewissen Umfang geführt werden muss. Das wäre übrigens bei Wohnungen in den oberen Etagen nicht anders gewesen.

Der Gemeinderat will vom Parlament das Okay für neue Vertragsverhandlungen. Was geschieht, wenn der Stadtrat Nein sagt? Dann wird der Gemeinderat einen Marschhalt einlegen bis zur Ortsplanungsrevision. Wir wären natürlich enttäuscht, denn dies wäre der Todesstoss für das Hotelprojekt. Wir hoffen, dass der Stadtrat die Chancen sieht, und sind zuversichtlich, dass wir ihn überzeugen können.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt