«Wir haben nur den Sport eingekauft – sonst sind wir unabhängig!»

Gstaad

Vom 7. bis 12. Juli findet das Beachvolleyball-Turnier in Gstaad statt. Im Gespräch gibt Turnierdirektor Auskunft über den Ursprung des Turniers, die Herkunft des Sandes und den Wechsel zur neuen Major Series.

Ruedi Kunz, Direktor des Beachvolleyball-Turniers, in «seinem» Center Court. Die Tribüne fasst 6000 Zuschauer.

Ruedi Kunz, Direktor des Beachvolleyball-Turniers, in «seinem» Center Court. Die Tribüne fasst 6000 Zuschauer.

(Bild: Kerem S. Maurer)

Herr Kunz, Sie sind der Gründervater des Beachvolleyball-Turniers in Gstaad. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Beachvolleyball nach Gstaad zu bringen?
Ruedi Kunz: Mit Beachvolleyball hatte ich eigentlich nicht viel zu tun. Wir sind eine hockeyaffine Familie. In den Hockeysommertrainings haben wir hin und wieder Beachvolleyball gespielt. Die Idee kam zustande, als ich noch im OK des Swiss Open Gstaad war. Wir hatten in Gstaad ein Tennisturnier, ein Poloturnier und ein Menuhin Festival. Aber für die Jungen hatten wir eigentlich nichts. So entstand die Idee, die Infrastruktur des Tennisturniers länger stehen zu lassen und darauf ein Beachvolleyball-Turnier auszutragen. Dank vielen Freunden mit Herzblut und Durchhaltewillen haben wir dieses verrückte Projekt realisiert. Im Jahr 2000 fand das erste Turnier mit etwa 15'000 Besuchern statt.

Aus Ihrer Idee entstand eines der drei wichtigsten Beachvolleyball-Turniere der Welt. Warum wechseln Sie nun zur Major Series?
Seit gut drei Jahren stellten wir uns die Frage, wie wir uns weiterentwickeln können. Es geht leider auch beim Beachvolleyball immer mehr nur noch ums Geld. Die Fifa lässt grüssen. Natürlich mussten wir den Volleyball-Weltverband FIVB (Fédération Internationale de Volleyball) mit im Boot haben, damit wir eine Olympiade oder Weltmeisterschaften durchführen können. Aber wir haben für die neue Major Series vom FIVB nur den Sport eingekauft. In Punkten wie Marketing oder Fernsehrechte sind wir unabhängig, und das ist gut so. Swatch war zehn Jahre lang Toursponsor der Worldtour, bis sie, aus verschiedenen Gründen, ausgestiegen ist. Die Nähe zu dieser Firma, die nun Titelsponsor der neuen Swatch Beach Volleyball Major Series ist, hat uns ermutigt, bei der neuen Tour von Anfang an dabei und Austragungsort zu sein. Darauf sind wir sehr stolz.

Im Vorfeld konnte man lesen, dass in Gstaad neben den Spielen Animationen, Entertainment und Events geboten werden. Braucht das der Sport, und was darf man sich darunter vorstellen?
Bei vielen grossen Events ist neben dem Sport die «Big Party» immer wichtiger geworden. Natürlich holt man damit die jungen Leute an den Event. Aber dem Sport bringt das nichts. Bei uns in Gstaad stand immer der Sport im Zentrum, und das soll auch in Zukunft so sein. Die Besucher sollen sich neben den Sandplätzen selber betätigen können. Die Sponsoren werden da einiges zu bieten haben: interaktive Spiele, Töggelikästen, Autogrammstunden mit den Stars und vieles mehr. Alles in ganz lockerer Atmosphäre. Ausserdem gibt Stefanie Heinzmann am Sonntag im Village ein Konzert. Das sind tolle Rahmenprogramme.

Sie brauchen für dieses Turnier 3,5 Tonnen Sand. Das ist eine ganze Menge. Wo kommt er her, und wo geht er hin?
Wir nehmen immer wieder denselben Sand. Neun Plätze sind ohnehin fix gebaut. Der einzige Platz, der verschoben wird, ist der Center Court. Der Sand dafür wird von hier bis ins Sportzentrum geführt, nicht weiter. Unser Sand wird alle drei Jahre von einer Sandreinigungsmaschine gereinigt. Danach ist er wieder wie neu. Man muss darauf achten, dass man den Sand im Winter nicht höher als 2,5 Meter aufschichtet. Sonst bekommt er keine Luft und beginnt zu müffeln oder gar zu faulen. Seit dem Jahr 2000 nutzen wir folglich immer wieder denselben Sand.

Im Beachvolleyball herrscht Gleichberechtigung. Das ist bei den Grand Slams der Fall. Ändert das in der neuen Major Series?
Wir vergeben gesamthaft Preisgelder in Höhe von 800'000 US-Dollar, je 400'000 US-Dollar für Damen und für Herren. Daran hat sich nichts geändert. Dieses Geld wird auf die 32 Teams aufgeteilt. Die Siegerteams erhalten 57'000 US-Dollar, dann wird es natürlich gegen die hinteren Plätze immer weniger. Im Beachvolleyball sind die Frauen nicht benachteiligt. Im Gegenteil, wir überlegen uns für das nächste Jahr, das Finalspiel der Damen am Sonntag zum Schluss zu spielen. Weil die Schweizerinnen erfolgreicher unterwegs sind als die Herren. Und es wäre doch schön, ein Schweizer Team im Final zu haben.

Wie läuft der Vorverkauf?
Der Vorverkauf ist gut gestartet und läuft tipptopp. Wir werden auch dieses Jahr am Wochenende ausverkauft sein. Das lässt sich aber nicht am Vorverkauf ablesen. Wichtig für uns ist, zu sehen, dass wir dieses Jahr in Sachen Vorverkauf über dem Vorjahr liegen. Wir sind zuversichtlich, dass wir 40'000 Besucher in Gstaad begrüssen dürfen. Zudem kann das Wetter nur besser sein als im letzten Jahr. Aktuell sieht der Wetterbericht für nächste Woche sehr gut aus.

Berner Zeitung

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