Was Samcam filmt, sehen Millionen

Sind spektakuläre Filmaufnahmen aus den Bergen gefragt, greifen Auftraggeber aus aller Welt immer öfter auf Samcam.tv aus Thun zurück. Nicht selten erreichen die Aufnahmen von Samuel Gyger und seinem Team dabei ein Millionenpublikum.

Aufwendige Filmaufnahme vor eindrücklicher Kulisse: Bei Dreharbeiten zum Bollywood-Actionthriller «Dhoom 3» beim Verzasca-Staudamm im Tessin steuerte der Hilterfinger Kameramann Samuel Gyger vom Helikopter aus die vorne befestigte Kamera Cineflex v14.

Aufwendige Filmaufnahme vor eindrücklicher Kulisse: Bei Dreharbeiten zum Bollywood-Actionthriller «Dhoom 3» beim Verzasca-Staudamm im Tessin steuerte der Hilterfinger Kameramann Samuel Gyger vom Helikopter aus die vorne befestigte Kamera Cineflex v14.

(Bild: zvg)

Etwas versteckt, in einem Hinterhof an der Bernstrasse in Thun, befindet sich der Eingang zu den Räumlichkeiten von Samcam.tv. Der unscheinbare Auftritt passt zum Credo des Teams von Samuel Gyger – und dies, obwohl der Hilterfinger seine Arbeit durchaus an die grosse Glocke hängen könnte. Gyger hat sich auf Filmaufnahmen in den Schweizer Bergen spezialisiert.

Die Arbeit von Samcam.tv ist zum Beispiel im aktuellen Musikclip zur Single «Free» der in England äusserst erfolgreichen Band Rudimental zu sehen. Im Video spielt ein Wingsuit Flyer am Eiger eine wichtige Rolle. Seit seiner Veröffentlichung Ende Oktober wurde der Clip auf Youtube bereits über 3 Millionen Male angeklickt. Noch weitaus mehr Publikum erreichen jene Sequenzen, die Gygers Team für Bollywood-Produktionen aufgenommen hat, zum Beispiel für den Science-Fiction-Film «Krrish 3» oder den Actionthriller «Dhoom 3».

Film und Foto liegen in Familie

Das Film- beziehungsweise das Fotovirus hat der 35-Jährige in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater führt in Beatenberg ein Fotogeschäft; der Urgrossonkel gründete vor langer Zeit im Zentrum von Adelboden ein entsprechendes Fachgeschäft, das es heute noch gibt. Samuel Gyger selbst arbeitete zunächst als Kameramann für TeleBärn, ehe er zwischen 2002 und 2009 in gleicher Funktion als Selbstständiger unterwegs war.

Schon damals spezialisierte er sich auf Aufnahmen in der Bergwelt und erhielt etliche Aufträge, etwa für die SRF-Reihe «Über Stock und Stein» mit Nik Hartmann. «Die Idee, eine eigene Firma zu gründen, war schon früh da», erinnert sich Gyger. «Allerdings scheute ich den administrativen Aufwand, denn ich stecke meine Energie lieber ins Filmen.»

Starke Bilder dank Cineflex

Weil die Zahl der Aufträge kontinuierlich stieg, wurde die Samcam Film GmbH 2010 dann doch Realität. Bis heute stieg die Mitarbeiterzahl von 2 auf 10; dabei sind auch Gygers Ehefrau und seine Schwester. Im Büro an der Bernstrasse werden die Aufnahmen geschnitten oder anderweitig bearbeitet; im eigenen Materiallager warten unterschiedlichstes Zubehör und mehrere Videokameras auf ihren Einsatz. Das wertvollste Exemplar ist die mehrere Kilo schwere Cineflex v14, die auch beim Rudimental-Clip für spektakuläre Bilder sorgte. Sie lässt sich vorne an einem Helikopter befestigen und liefert so stabile Flugaufnahmen in HD-Qualität.

«Im Gegensatz zu Drohnen kann diese Kamera stark zoomen, ohne dass das Bild verwackelt», erklärt Gyger, der die Cineflex mittels Steuerboard jeweils direkt vom Helikopter aus bedient. Die Stabilität habe verhindert, dass einzelne Szenen immer und immer wieder gedreht werden mussten. So konnte das Samcam.tv-Team die Sequenzen im Oberland für das Musikvideo innert eines Tages realisieren. Normalerweise wäre für vergleichbare Aufnahmen rund eine Woche Arbeit nötig. Den Auftrag für den Clip hat Gyger übrigens durch eine Agentur erhalten; mit den Musikern selbst hatte er also gar nie Kontakt.

Wie sehr sich Gyger in die Auswahl der Drehorte einmischen kann, hängt von seinen jeweiligen Auftraggebern ab. «Einige haben ganz konkrete Vorstellungen, andere lassen sich gerne beraten», hat der dreifache Familienvater festgestellt. Das Produktionsteam des Bollywood-Films «Dhoom 3» etwa wählte für eine Actionszene bewusst die Staumauer im Verzasca-Tal – dort also, wo auch schon James Bond einen Auftritt hatte.

«Mein liebster Fleck bleibt natürlich das Berner Oberland. Vor allem der Anflug auf Eiger, Mönch und Jungfrau ist stets eindrücklich», schwärmt der gebürtige Beatenberger. Obschon Gyger vor allem in der Heimat filmt, kam es auch schon vor, dass er innert einer Woche in Dubai und am Matterhorn zur Kamera griff.

Kamerarucksack entwickelt

Gyger ist aber nicht nur Filmer, sondern auch Tüftler. So hat er eine Art Rucksackskelett entwickelt, mit dem sich auch schwere Kameras rückenschonend transportieren lassen. «Ich habe diese Vorrichtung für mich selbst gebaut, wurde dann aber von Berufskollegen, die oft in den Bergen unterwegs sind, darauf angesprochen.»

Offenbar überzeugte der Tragekomfort: Gyger hat inzwischen rund 150 Stück des sogenannten Samcambag verkauft – und dies weltweit. Auch in diesem Bereich wurde der 35-Jährige vom Erfolg seiner Arbeit überrumpelt: «Ich habe in meinem Leben nie etwas forciert. Alles hat sich so ergeben, wie es nun ist.»

Auch in Sotschi mit dabei

Langweilig wird es Samuel Gyger auch künftig nicht. Die Auftragsbücher für 2014 sind bereits gut gefüllt. So stehen etwa Drehs für die «SRF bi de Lüt»-Reihe «Wunderland», die Nachfolgesendung von «Über Stock und Stein», auf dem Programm. Auch an den Olympischen Spielen in Sotschi steht der Hilterfinger Kameramann im Einsatz. Wofür, ist momentan noch streng geheim. Nur eines ist klar: Auch an Olympia geht Gyger wieder in die Luft.

Thuner Tagblatt

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