Rund 500 Jugendliche kämpften für mehr Freiheit

Thun

Weniger Unterdrückung, mehr Freiheit und vor allem ein farbigeres Nachtleben im Berner Oberland: Diese Forderungen stellte die «Allianz gegen das Clubsterben Oberland» am Samstag an ihrer Kundgebung auf dem Thuner Rathausplatz.

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Währenddem vonseiten der Organisatoren von 1000 Teilnehmenden gesprochen wurde, informierten gestern sowohl die Stadt Thun als auch die Kantonspolizei Bern, dass sich rund 500 Partywillige am Samstagnachmittag auf dem Thuner Rathausplatz versammelt hatten. Sie demonstrierten für kulturelle Vielfalt und ein farbigeres Nachtleben. Dem Aufruf der «Allianz gegen das Clubsterben Oberland» folgten vor allem Jugendliche und Partywillige.

«Mit der bewilligten Platzkundgebung erhoffen wir uns grössere Aufmerksamkeit und mehr Anhänger für unsere Sache», sagte Mitorganisator Adrian Lengyel in seiner Information an die Medien. Laut ihm drohe Thuns Politik die einst so lebendige Stadt zu ersticken. Zudem gäbe es immer mehr Repression und Polizeigewalt anstatt Prävention und Nachhaltigkeit. Erreichbar für ein weiteres Statement waren die Organisatoren gestern nicht mehr.

SP-Politiker unterstützen die Forderungen

Unterstützt wurde die Interessengesellschaft auch von mehreren Politikern. Neben Stadträtin Alice Kropf (SP) stand auch der Satiriker Thomas Melone – im echten Leben bekannt unter dem Namen Thomas Müller (SP) – auf der Bühne. Beide plädierten für mehr Freiräume für die Jugendlichen. Kropf zeigte sich vom Aufmarsch überwältigt: «Heute geht es darum, ein Zeichen zu setzen. Ihr müsst die Raketen zünden!» Auch Thomas Müller setzte sich sichtlich für die Partygänger ein. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Drogenrazzia vom 9. November im N8Stern an der Thuner Seestrasse erklärte Müller, dass sich Drogen bis zu vier Wochen nach dem Konsum im Blut nachweisen liessen.

Es sei also alles andere als sicher, dass tatsächlich alle der 55 Festgehaltenen an jenem Abend Drogen konsumiert hätten. «Drogen gab es schon immer und wird es auch immer geben», sagte er. Viele Leute seien pauschal verurteilt worden, nur weil sie sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielten. «Stehen wir nun in Zukunft unter Generalverdacht, nur weil wir ein bestimmtes Lokal oder eine bestimmte Musikrichtung bevorzugen?» Weiter sei der Einsatz völlig unverhältnismässig gewesen: Rund 100 Polizisten wurden für 77 Partygäste aufgeboten. Nebenbei seien Kosten von rund einer Million Franken entstanden. Gegenüber der Stadt sprach Müller von Repression als Zeichen von Schwäche, Mutlosigkeit und Unsicherheit.

Demonstration ist friedlich verlaufen

Der Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler (SP) zeigte sich zufrieden über den Ablauf der Demonstration: «Alle Vorgaben der Stadt wurden eingehalten.» Es seien keine Sachbeschädigungen entstanden und der Rathausplatz sauber zurückgelassen worden. «Alles ist gesittet vonstatten gegangen.» Kontraproduktiv sei die Demo also nicht gewesen. Was die Forderungen konkret bewirkten, könne er momentan aber nicht beurteilen. «Schliesslich müssen wir trotz allem versuchen, die verschiedenen Interessen von Anwohnern, Gastronomen und Clubbetreibern zu vereinen», erklärte Siegenthaler.

Dass die Demo friedlich verlaufen sei, bestätigte auch Andreas Hofmann von der Kantonspolizei Bern. «Die Stimmung war unproblematisch, es gab keine Zwischenfälle.» Allerdings hätten ein paar Anwohner auf die Kundgebung reagiert und sich wegen Lärmbelästigung bei der Polizei beschwert. Angeblich hätte die Musik den im Voraus abgemachten Lärmpegel von 100 Dezibel überschritten. «Das wird nun genauer abgeklärt», stellte Hofmann in Aussicht.

Berner Zeitung

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