Meyer Burger macht Verlust, hat aber viele Aufträge

Die Meyer Burger AG aus Thun bleibt in der Verlustzone stecken. Der Konzern aus Thun schloss das erste Halbjahr 2015 mit einem Minus von 93 Millionen Franken ab. Doch es gibt Grund zur Hoffnung: Die Auftragsbücher sind so voll wie seit ein paar Jahren nicht mehr.

Der Hauptsitz der Firma Meyer Burger im Gwatt bei Thun.

Der Hauptsitz der Firma Meyer Burger im Gwatt bei Thun.

(Bild: Patric Spahni)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Irgendwie war es gestern Vormittag anders als sonst. Der Unterschied zu den paar letzten Medienauftritten war nur fein. Ein bisschen wirkten Meyer-Burger-Chef Peter Pauli und Finanzchef Michel Hirschi lockerer, weniger verkrampft, glaubwürdiger als bei vergangenen Auftritten vor Journalisten und Finanzanalysten. Ob es nur daran lag, dass die Präsentation der Geschäftszahlen erstmals interaktiv über das Internet erfolgte? Die Antwort wird die Zukunft bringen.

Gestern aber sandten die Strategen von Meyer Burger positive Signale in die Welt hinaus. Das allein wäre für die beiden wortgewandten Herren nichts Aussergewöhnliches. Nach früheren Bilanzmedienkonferenzen waren sie von Experten auch schon der Schönrederei bezichtigt worden.

Doch nun hatten Pauli und Hirschi neben vielen negativen Kennzahlen auch eine besonders gute Zahl in petto: Der Auftragseingang bei Meyer Burger hat sich dank Grossaufträgen im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 42 Prozent auf 223 Millionen Franken erhöht.

«Wir haben fast alle Kundenaufträge gewonnen, die wir erwartet hatten», sagte Peter Pauli. Und Michel Hirschi fügte an: «Es ist ein Zeichen, dass wir fähig sind, unser Ziel für das ganze Jahr 2015 zu erreichen.»

«Halten an den Zielen fest»

Das erklärte Jahresziel des Thuner Solarzulieferers lautet, einen Nettoumsatz von 400 Millionen Franken zu erwirtschaften sowie eine schwarze Null auf Stufe Ebitda. «Wir halten daran fest», betonten sowohl Pauli wie Michel mehrmals.

Trotz der positiven Prognosen steckt die weltweit tätige Thuner Firma derzeit noch tief in der Verlustzone fest. Operativ verminderte sich der Verlust zwar deutlich. Unter dem Strich wuchs er aber auf 93 Millionen Franken an (Vorjahresperiode: 88 Millionen Franken). Als Mitgrund erwähnte die Firmenleitung: «Eine grössere Anzahl der Maschinen stand per Bilanzstichtag noch vor der Abnahme durch die Kunden.» Diese würden in der zweiten Jahreshälfte umsatzrelevant.

Sparen und angreifen

Die Zuversicht ist omnipräsent: Mittelfristig will die Meyer Burger AG wieder an die guten alten Zeiten anschliessen und Umsätze wie im Spitzenjahr 2011 erzielen (1,3 Milliarden Franken). «Wir befinden uns in einem Wachstumsmarkt», sagte Peter Pauli zuversichtlich. Bis zum Jahr 2020 werde sich der jährliche Zubau neuer Kapazitäten im weltweiten Solarmarkt verdoppeln.

Zudem stellte Finanzchef Michel Hirschi einen stabilen Cashflow bis Ende Jahr in Aussicht. Das heisst, die Firma werde dann nicht mehr, wie bisher, jeden Monat Geld verbrennen. «Wir haben einen guten Job gemacht, und wir sind gut unterwegs, um unsere Ziele zu erreichen», betonte Michel Hirschi.

Vorerst aber steht Meyer Burger noch auf der Sparbremse. Im ersten Halbjahr 2015 hat die Firma 107 Vollzeitstellen gestrichen und durch 144 temporäre Arbeitsplätze ersetzt. Zudem wurden auch die Forschungsausgaben halbiert.

Um das Fazit in der Worten Peter Paulis zu ziehen: «Die See ist nach wie vor rau – aber es ist Land in Sicht.»

Berner Zeitung

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