«Eine einmalige Chance für mich»

Wengen

«Was gibt es Schöneres, als gleich ein Jubiläumsprogramm ausarbeiten zu können?» Das sagt Beatrix Jerie, die für die 10. Mendelssohn-Musikwoche erstmalig als künstlerische Leiterin amtet.

Beatrix Jerie ist definitiv im Lauterbrunnental angekommen. Sie freut sich auf das Jubiläumsprogramm der Mendelssohn-Musikwoche Wengen. Die erstmals als künstlerische Leiterin engagierte Baslerin hat «diese Herausforderung gerne und mit Freude angenommen», wie sie sagt.

Beatrix Jerie ist definitiv im Lauterbrunnental angekommen. Sie freut sich auf das Jubiläumsprogramm der Mendelssohn-Musikwoche Wengen. Die erstmals als künstlerische Leiterin engagierte Baslerin hat «diese Herausforderung gerne und mit Freude angenommen», wie sie sagt.

(Bild: Svend Peternell)

Svend Peternell

Wenige Tage vor Beginn der 10. Mendelssohn Musikwoche sind Sie, Frau Jerie, nach Lissabon verreist – stand etwas Wichtiges an? Beatrix Jerie: Nach Lissabon bin ich gereist, um bei der Hochzeitsfeier meiner tschechischen Patentochter dabei sein zu können, die in dieser wunderschönen Stadt am Fluss Tejo im äussersten Südwesten Europas ihre Studienjahre verbracht hat. Obwohl alles relativ kurzfristig geplant war und ich deswegen verschiedene Sitzungen verschieben musste, war dieser Ausflug eine wunderbare Auszeit vor der bevorstehenden Mendelssohn-Musikwoche Wengen.

Als neue künstlerische Leiterin gleich die Verantwortung für das erste Jubiläum in Wengen zu übernehmen, ist eine Herausforderung – was hat Sie am meisten beschäftigt? Ich habe diese Herausforderung gerne und mit Freude angenommen. Was gibt es Schöneres, als gleich ein Jubiläumsprogramm ausarbeiten zu können? Das ist eine einmalige Chance für eine neue künstlerische Leitung, mit der Wahl der Künstler und des Programms kann ich das Profil prägend beeinflussen.

Ihre langjährige Erfahrung als Veranstalterin einer Kammermusikreihe in Basel dürfte Ihnen dabei sicherlich auch geholfen haben. Sicher. Es war und wird mein Bestreben bleiben, die besten Musiker und Ensembles für die Mendelssohn-Musikwoche auch in Zukunft nach Wengen zu bringen und dieses Festival zu einem beliebten Ort für herausragende Kammermusik weiter auszubauen.

Konkret: Was war besonders aufwendig? Die Gestaltung des Programmes und dessen Texte, auch das Ausarbeiten der Gesuche an den Kanton hat mich einige Zeit gekostet, aber Übung macht den Meister. Ich denke, im kommenden Jahr wird das alles viel einfacher sein.

Sie fühlten sich nicht alleingelassen? Nein. Die Mitglieder vom Organisationskomitee kommen mir auch sehr entgegen und unterstützen mich bei meiner Arbeit, wofür ich allen sehr dankbar bin.

Gibt es kurz vor dem Festivalstart gewisse Dinge, die Sie nervös machen? Die Spannung ist immer gleich, denn erst wenn alle Musiker auf dem Podium stehen, kann ich loslassen und das jeweilige Konzert geniessen. Ausser im Konzert mit den Bläsern hat es keine Änderungen gegeben.

Welche Änderung denn? Alexandre Gattet wird nun doch mit dem Orchester, in welchem er als Solo-Oboist wirkt, auf Tournee fahren, er wird jedoch durch Ivan Podyomov, ebenfalls ein mehrfacher Träger erster Preise – ARD-Wettbewerb in München, Prag, Genf, Karuizawa – bestens ersetzt. Auch Olivier Patey musste sein Mitwirken absagen. Der an der Musikhochschule Luzern tätige hervorragende Paolo Beltramini wird an seiner Stelle den Klarinettenpart übernehmen. Über diese Besetzungsänderung bin ich aber schon länger informiert.

Eine organisatorische Hürde könnte das Jubiläumskonzert mit Volker Biesenbender sein, mit halbem Eintrittspreis von 25 Franken. Finden überhaupt alle Interessierten in der Kirche Platz? Bis jetzt gibt es noch genügend Plätze für das Jubiläumskonzert, was mich eigentlich erstaunt, denn die neue Solistenformation um den phänomenalen Geiger Volker Biesenbender und seine Banda Ki ist international bekannt. Der grosse Geiger Yehudi Menuhin sagte einmal über seinen Lieblingsschüler: «Volker Biesenbender kennt die Volksmusik der Welt, er ist überall gewesen. Er versteht die Völker durch ihre Musik – wie ich. Er ist einer dieser modernen Musiker, die Brücken bauen zwischen den Welten.» Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele Zuhörer auch kurzfristig zum Konzert kommen werden.

Ihre Nähe zur tschechischen Musik und zu Ostkomponisten manifestiert sich in der Verpflichtung von zwei Prager Ensembles und der Polin Maria Gabrys am Klavier, die ja auch Chopin-Werke spielt. Zum Jubiläumsauftakt reichen sich aber Prag und Antwerpen die Hand... Das ist eine ganz bewusst zusammengeführte Verbindung. Das international bekannte Prazak Quartett coacht schon über viele Jahre das belgische Donnacorda Streichquartett und freut sich auf den gemeinsamen Auftritt mit dem vielversprechenden jüngeren Ensemble bei uns in Wengen. Es wird ein schönes Bild, die vier zum Teil bereits leicht ergrauten Herren mit den jungen Damen zu erleben! Dieser Oktettabend ist eine Seltenheit im normalen Konzertleben und für das Eröffnungskonzert der 10.Mendelssohn-Musikwoche Wengen ein weiterer Höhepunkt.

Und Maria Gabrys? Ihre pianistische Entwicklung verfolge ich seit ihrer Studienzeit in der Musikhochschule Luzern, wo sie für ihre ausserordentlichen Leistungen zuerst mit dem Edwin-Fischer-Preis und später mit dem Mozartpreis ausgezeichnet wurde. Der 1.Preis im Chopin-Fortepiano-Wettbewerb 2012 in Slowenien eröffnete ihr weitere Möglichkeiten. Sie unterrichtet heute in der Musikhochschule Warschau. Mit Mendelssohn, Schubert und Chopin wird sie das Festivalpublikum am 22.August zu verzaubern wissen.

Im zweiten tschechischen Ensemble, dem Guarneri-Trio Prag, spielt ja auch Ihr Mann mit... Genau. Mit dem Guarneri-Trio verbindet mich aber auch die Mendelssohn-Musikwoche Wengen, denn nach dessen erfolgreichem Eröffnungskonzert im Jahre 2012 kam beim gemütlichen Zusammensein auch die Sprache auf die Nachfolge von Martin Maurer, der die künstlerische Leitung während neun Jahren innehatte

...und die ja nun in Ihre Hände übergegangen ist. Pauschal und klischiert gesagt, ist auch südliches Ambiente mit dem Cuarteto Casals aus Barcelona zu erwarten. Was überzeugt Sie besonders am Spielstil der Spanier, die am Sonntag zu hören sind? Der Cuarteto Casals ist bereits vor vier Jahren in meiner Konzertreihe in Basel aufgetreten, und schon damals hat mich sein temperamentvolles Spiel, seine farbige Interpretation und die vielen feinen Nuancen, die eine ganz persönliche Klangpalette entstehen lassen, begeistert.

Was ist neben erhofftem schönen Sommerwetter Ihr grösster Wunsch, der für Sie und Wengen an der 10.Mendelssohn-Musikwoche in Erfüllung gehen möge? Ich wünsche mir, dass alle Konzertbesucher erfüllt und glücklich nach Hause gehen werden mit der festen Überzeugung, im kommenden Jahr unbedingt wieder dabei sein zu wollen.

Berner Oberländer

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