Brüder und Patrons zugleich

Seit dem Jahr 2003 führen die Brüder Daniel und Marc Bangerter die Bangerter Mikrotechnik AG in zweiter Generation. Die Herstellerin von Industriekomponenten aus Hartstoffen in Aarberg ist für den Unternehmerpreis 2015 nominiert.

Daniel und Marc Bangerter nehmen Stellung zum Euromindestkurs, der Masseneinwanderungsinitiative und dem Unternehmerpreis. Video: Beat Mathys
Jon Mettler@jonmettler

Die Welt der Bangerter Mikrotechnik AG ist eine der allerhöchsten Präzision. Co-Firmenchef Marc Bangerter hält ein weisses Bauteilchen aus Hochleistungskeramik in der Hand, das von blossem Auge kaum erkennbar ist. Es ist keine 2 Millimeter lang und hat eine einzige Aufgabe: Es verringert die Reibung in Blutpumpen, die Patienten mit Herzschwäche eingepflanzt werden.

Dazu muss dieses sogenannte Axiallager 31,5 Milliarden Umdrehungen der Pumpturbine ohne Verschleiss aushalten. Das sind 30'000 Umdrehungen pro Minute – ohne Unterbruch während zweier Jahre. Die Oberfläche an der Halbkugel-Innenform des Teilchens ist zudem poliert. Die maximale Abweichung vom theoretischen Radius dieser Innenform beträgt 2 My oder: 0,002 Millimeter.

Drei Standbeine

Hersteller von medizinaltechnischen Produkten sind indes nicht die einzigen Abnehmer von Komponenten der Bangerter AG. Das Unternehmen mit 130 Mitarbeitern und drei Produktionsstandorten in Aarberg sowie Lyss beliefert auch die Maschinenindustrie und die Uhrenindustrie. So fertigt die Bangerter AG etwa Verschleissteile für Maschinen sowie Uhrengehäuse und Umrandungen von Uhrengläsern, sogenannte Lünetten.

Umsatzzahlen gibt das Unternehmen, das sich vollständig in Familienbesitz befindet, keine bekannt. Nur so viel verrät Daniel Bangerter, älterer Bruder von Marc Bangerter und ebenfalls Co-Firmenchef: «Wir streben an, dass unsere drei Geschäftsbereiche Industriekomponenten, Medizinaltechnik und Uhrenindustrie je ein Drittel zum Umsatz beisteuern.» Auch bei Angaben zu Kunden halten sich die Firmenchefs zurück. Einzig die Namen Bosch und General Electric lassen sie sich entlocken.

Der Druck auf das Unternehmen ist seit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, die Mindestgrenze zum Euro aufzuheben, massiv gestiegen. Direkte Exporte machen die Hälfte des Umsatzes aus. Sowohl Kunden aus dem Ausland wie auch aus dem Inland forderten nun Preisnachlässe, erklärt Marc Bangerter. «Wir führen deswegen Gespräche mit unseren Lieferanten.»

Das Unternehmen werde aber auch nicht darum herumkommen, seine Kosten zu senken, indem es etwa die Herstellungsprozesse verbessere. «Ich rechne mit einem kurzfristigen Einfluss auf unsere Margen», sagt der 47-jährige Marc Bangerter.

Etwas schwieriger präsentiert sich die Ausgangslage für den Geschäftsbereich Medizinaltechnik. «Aus Zulassungsgründen können wir hier nicht einfach die Prozesse ändern», so Marc Bangerter. Dem Unternehmen werde nichts anderes übrig bleiben, als die Preiserhöhungen an seine Kunden weiterzugeben. Die Folgen sind noch nicht abzuschätzen: «Wir müssen damit rechnen, dass wir Kunden verlieren», sagt der 51-jährige Daniel Bangerter.

Spezielle Besitzverhältnisse

Daniel und Marc Bangerter sind seit dem Jahr 2003 nicht nur Co-Chefs der Bangerter AG, sondern halten bis auf je eine Aktie knapp 50 Prozent am Unternehmen. Zwei Aktien befinden sich in Besitz des dritten Bruders. Andreas Bangerter betreibt in Zürich eine Werbeagentur und ist zugleich Verwaltungsratspräsident der Bangerter AG.

Diese speziellen Besitzverhältnisse sind gewollt: «Sollte es zum unwahrscheinlichen Fall kommen, dass mein Bruder Daniel und ich uns aufgrund des gleichen Stimmenanteils gegenseitig blockieren, so kann der dritte im Bunde den Stichentscheid fällen. Das ist im Interesse der Firma und der Mitarbeiter», sagt Marc Bangerter.

Auf operativer Stufe sind die Zuständigkeiten klar geregelt: Der studierte Ingenieur Marc Bangerter kümmert sich um die Geschäftsentwicklung, den Verkauf und die Finanzen des Unternehmens. Daniel Bangerter ist von Haus aus ebenfalls Ingenieur und für Produktion, Personal sowie Ingenieurwesen verantwortlich. «Wir sind aufeinander angewiesen, da wir Entscheide gemeinsam finden müssen», beschreibt Daniel Bangerter das Zusammenspiel mit seinem Bruder Marc.

Von Kindesbeinen auf

Unternehmertum haben beide schon früh von ihren Eltern mitbekommen. Hein und Katharina Bangerter – die spätere Berner FDP-Nationalrätin – haben die Bangerter AG im Jahr 1969 gegründet. Zunächst stellte das Unternehmen Lagersteine für Uhren her, änderte aber drei Jahre später das Geschäftsmodell. Seither ist die Bangerter AG auf Industriekomponenten aus harten Werkstoffen spezialisiert.

Berner Zeitung

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