Die Rychiger AG gründet für ihre Mitarbeiter eine Phantom-Bank

Steffisburg

Die Maschinenbaufirma Rychiger AG beteiligt ihre Mitarbeiter neu per Phantomaktien und -bank am Erfolg. Das System löst die bisherigen freiwilligen Gewinnbeteiligungen ab. 10 Prozent des Reingewinns gehen an die 200 Mitarbeitenden.

Beteiligen ihre Mitarbeitenden am Erfolg der Firma: Rychiger-Mehrheitsaktionär und Geschäftsführer Axel Förster (links) und Daniel Hari (verantwortlich für Finanzen und Personal).

Beteiligen ihre Mitarbeitenden am Erfolg der Firma: Rychiger-Mehrheitsaktionär und Geschäftsführer Axel Förster (links) und Daniel Hari (verantwortlich für Finanzen und Personal).

(Bild: Patric Spahni)

Stefan Geissbühler

«Wir wissen sehr genau, wem wir den Erfolg zu verdanken haben – wenn alle mithelfen, sollen auch alle etwas davon haben, das ist ein persönliches Bedürfnis von mir», stellt Rychiger-Hauptaktionär und Geschäftsführer Axel Förster fest. Deshalb habe die Firma in den letzten Jahren – sofern es die Wirtschaftslage erlaubte – 14.Monatslöhne ausbezahlt. «Nun wollen wir die Mitarbeiterbeteiligung strukturierter und transparenter gestalten», sagt Förster.

Die Phantom-Aktien

Anstelle der freiwilligen Gewinnbeteiligungen treten ab diesem Jahr sogenannte Phantom Stocks – Anrechte der Mitarbeitenden auf spätere Barauszahlungen – je nach Erfolg der Firma. Wertpapiere im eigentlichen Sinn sind die Phantomaktien nicht, sie können weder gehandelt noch veräussert werden.

Für die Rychiger AG adaptiert hat das hierzulande nicht weitverbreitete System Daniel Hari, verantwortlich für Finanzen und Personal: «Ein Phantom-Stock-Plan ist eine Art Schattenrechnung zu den echten Optionspapieren respektive zur Aktienkursentwicklung», erklärt Hari.

Die Bezugsberechtigten

Konkret: Vom erzielten Reingewinn der Rychiger AG partizipieren die Mitarbeiter mit 10 Prozent – und zwar sowohl die Vollzeit- wie auch die Teilzeitangestellten (inklusive Mitarbeiter im Stundenlohn). Unterschieden wird zwischen Kader und Mitarbeitern – und die Beteiligung am Reingewinn wächst mit der Anzahl Dienstjahren. «Das dient der Mitarbeiterbindung und soll einen allfälligen Know-how-Verlust minimieren», erklärt der Personalverantwortliche Hari. Mit 20 Dienstjahren kann ein Kadermitglied maximal 10 Anteile pro Jahr am Phantom Stock erwerben, ein Mitarbeiter maximal deren 7.

Der Phantom-Ausschuss

Die Ausschüttung des Phantom Stock findet einmal im Jahr nach Vorliegen der revidierten Jahresrechnung statt. Die Mitarbeitenden müssen allerdings auch am Konjunkturverlauf der Rychiger AG teilhaben und allfällige Verluste – nicht physisch – aber über die Phantombank anteilmässig tragen. «Bei einem allfälligen Verlust würden wir von den Mitarbeitenden kein Geld zurückverlangen», so Hari.

Über die Auszahlung des Saldos entscheidet jeweils der Phantomausschuss: Dieser setzt sich paritätisch aus je zwei Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern zusammen. Dabei darf jeweils maximal 75 Prozent des zur Auszahlung zur Verfügung stehenden Phantom Stock ausgeschüttet werden. Hingegen kann sich der Phantomausschuss dazu entscheiden, einen weniger grossen Betrag – zum Beispiel im Hinblick auf düstere Wirtschaftsaussichten – ausbezahlen zu lassen.

Die Phantom-Bank

Rechtlich handelt es sich beim Phantom-Stock-Plan um ein vertragliches Konstrukt, die Phantom Bank wird über ein übliches Bankkonto geführt – welches bis höchstens auf zwei Millionen Franken kumuliert wird. Allfällige Verluste dürfen ebenfalls nur bis zu zwei Millionen auflaufen.

Gewinnzahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt. Nur so viel: «Dieses Jahr werden wir zwischen einer und zwei Millionen Franken an unsere Mitarbeitenden ausschütten», sagt Geschäftsführer Axel Förster.

Thuner Tagblatt

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