Der Spezialist für das Abkapseln

Die Rychiger AG in Steffisburg baut Maschinen, mit denen Weltkonzerne Kaffeekapseln abpacken. Nun ist die Firma für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert.

Drei Fragen an Axel Förster, Rychiger-Chef und Mehrheitsaktionär. Video: Beat Mathys
Tobias Habegger@TobiasHabegger

Wer einen Termin beim Maschinenbau-Unternehmen Rychiger in Steffisburg hat, erscheint dort am besten ein paar Minuten zu früh. Es lohnt sich. Denn beim Warten am Empfang können Besucher zwischen verschiedenen Kaffeekapselsystemen wählen.

Die Firma arbeitet mit den grössten Playern auf dem Markt der Kaffeekapselsysteme zusammen. Zu den Kunden gehört etwa der Nestlé-Konzern, der seine Nespresso- oder Dolce-Gusto-Kapseln mit Maschinen von Rychiger abfüllt. Aber auch der US-Konzern Mondelez mit seinem Tassimo-System und viele andere gehören dazu.

Mehrere Nestlé-Vertreter stehen an diesem Februarnachmittag in der Produktionshalle in Steffisburg vor einer Maschine, die pro Minute über 1000 abgefüllte und versiegelte Dolce-Gusto-Kapseln ausspuckt. Die Maschine ist gross. Um sie zu transportieren, muss man sie auseinandernehmen und auf zwei Lastwagen verteilen. Die Nestlé-Vertreter sprechen Englisch. Sie sind über einen Laptop gebeugt und studieren verschiedene Kennzahlen. Axel Förster, der 49-jährige Rychiger-Chef und Mehrheitsaktionär, steht neben ihnen und klatscht vor Freude in die Hände.

Maschine läuft einwandfrei

Die Kennzahlen sind gut. Die Käufer nehmen die Maschine ab. Sie läuft einwandfrei – von 100 Minuten arbeitet sie 98 Minuten störungsfrei. «Das ist Wahnsinn», sagt Förster. «Ich staune immer wieder, wie unsere Leute das hinkriegen.» Es ist die dritte Maschinengeneration für die Dolce-Gusto-Kapseln. Rychiger-Mitarbeiter haben diese von Grund auf neu konzipiert. «Jedes Teil da drinnen ist zu 100 Prozent neu», sagt Axel Förster.

Das Resultat kann sich sehen lassen: Mit der neuen Maschine spart Nestlé bares Geld. Die Investitionskosten pro produzierter Kaffeekapsel sind um 45 Prozent geringer als bei der Maschine der ersten Generation.

Maschinen für viele Produkte

Neben Maschinen für Kaffee- oder Teekapseln stellt Rychiger Abfüll- und Verpackungsmaschinen für Medikamente oder Lebensmittel- und Tierfutterportionen her. «Unsere Innovationsleistung liegt darin, die Methoden und die Details immer weiter zu verbessern», sagt Axel Förster. «Unsere Kunden sollen eine Maschine erhalten, auf der sie ihre Produkte günstiger herstellen können als zuvor, und dabei weniger Energie verbrauchen und weniger Abfall hinterlassen.» Natürlich würde Rychiger auf Wunsch von Kunden auch neuartige Maschinen entwickeln und herstellen.

Stolz auf die Mitarbeiter

180 Personen arbeiten für die Rychiger AG in Steffisburg, die im Jahr 2014 rund 55 Millionen Franken umgesetzt hat. Daneben bildet die Firma rund 15 Lehrlinge aus. Auf seine Mitarbeiter ist Axel Förster ist in diesen Tagen besonders stolz: «Es ist ihr Verdienst, dass wir es in die Schlussrunde des Prix SVC geschafft haben», sagt der Chef. «Falls wir den Preis gewinnen, gibt es hier eine grosse Fete.»

Abgesehen davon ist der Rychiger-Chef derzeit alles andere als in Feierlaune. Der starke Franken stellt ihn und seine Angestellten vor Probleme. 90 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Exportgeschäft, 65 Prozent davon aus dem Euroraum. Nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank im Januar, die Eurountergrenze aufzuheben, hat Rychiger neben hohen Buchverlusten auch im operativen Geschäft über Nacht vier Millionen Franken verloren. «Es ist dramatisch», sagt der Rychiger-Chef. In seiner Verzweiflung greift er zum Sarkasmus: Das einzig Positive am Entscheid sei, dass dieser so früh im Jahr gefallen sei, sagt er. «Nun haben wir elf Monate Zeit, um das Jahr 2015 noch zu retten.»

Mehrarbeit wegen des Euro

Als Sofortmassnahme hat die Rychiger AG die Wochenarbeitszeit von 40 auf 42 Stunden erhöht, sowie ein Spar- und Effizienzsteigerungsprogramm gestartet. Beim Lohn gibt es «für jede und jeden hier im Haus» eine Nullrunde. Im Gegenzug wird die Firma in den nächsten sechs Monaten keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen.

Daneben müssen die Kunden aus dem Euroraum mit Preissteigerungen rechnen. Und von den Zulieferern verlangt der Rychiger-Chef ein Entgegenkommen bei den Preisen und anderen Leistungen. «Wir werden unseren Einkauf jetzt nicht opportunistisch in den Euroraum verlegen», verspricht Axel Förster.

Die meisten der Eigenteile, mit welchen die Rychiger AG ihre Produkte baut, stammen von Zulieferern aus einem Radius von hundert Kilometern rund um Steffisburg. Deshalb darf die Firma für sich in Anspruch nehmen, dass sie mithilft, Jobs im Kanton Bern zu sichern.

Berner Zeitung

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