Der Kampf mit der und für die Welle

Thun

Die Welle bei der Scherzligschleuse ist für Kanuten und Flusssurfer ein Anziehungspunkt. Nun befürchten die Wassersportler, dass sie nach der Sanierung nicht mehr da ist.

Spektakulärer Wassersport: Die stehende Welle bei der Scherzligschleuse ist für Flusssurfer ein Anziehungspunkt. Mit einem Seil lassen sie sich dabei in die Mitte der Aare ziehen.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Spektakulärer Wassersport: Die stehende Welle bei der Scherzligschleuse ist für Flusssurfer ein Anziehungspunkt. Mit einem Seil lassen sie sich dabei in die Mitte der Aare ziehen.

(Bild: zvg)

Sandro Santschi kommt ins Schwärmen, wenn er vom Flusssurfen erzählt. «Es macht unheimlich grossen Spass!» Er ist einer der waghalsigen Zeitgenossen, die sich mit ihrem Surfbrett auf die Welle unterhalb der Scherzligschleuse trauen. Auch bei eisig kalten Wassertemperaturen. «Wenn die Welle gut ist, muss ich aufs Brett. Obs kalt ist oder nicht.»

Für Passanten ist es jeweils ein grosses Spektakel, wenn Surfer auf der Welle reiten. «Es sieht gefährlicher aus, als es ist», sagt Santschi. Unangenehm werde es, wenn man ein Brett an den Kopf bekomme, aber zu diesem Zweck surfe man ja nie alleine. Bei tiefem Wasserstand sei zudem nicht ausgeschlossen, dass man sich den Kopf am Flussgrund stossen könne. Von einer Risikosportart zu sprechen, werde der Sache aber nicht gerecht, sagt Santschi.

Viel Ausdauer gefragt

Flusssurfen hat punkto Bewegungsabläufe grosse Ähnlichkeiten mit dem Wellenreiten auf dem Meer, braucht aber bei der Welle in Thun zusätzlich noch ein Seil und Geschick, um sich zu der Welle ziehen zu lassen. Der Hauptunterschied ist, dass sich die Welle immer an derselben Stelle befindet und sich der Surfer nicht vorwärts bewegt.

Flusssurfen liegt im Trend. Immer mehr, vor allem junge Leute, wagen sich aufs Brett. Das beobachtet auch Sandro Santschi. «Viele bleiben aber nicht dabei. Es dauert einige Zeit, um Fortschritte zu erzielen.»

Perfekte Verhältnisse in Thun

Die stehende Welle unterhalb der Scherzligschleuse ist ein Anziehungspunkt für Flusssurfer und Kanuten aus nah und fern. So fand 2009 beispielsweise die Kajak-WM dort statt. Für Thun sprechen wichtige Argumente: Die Welle stellt für niemanden eine Gefahr dar und behindert weder Schwimmer, Fischer noch Gummibootfahrer. Bei Wettkämpfen kann die Welle reguliert werden. Und: Das Wasser in Thun ist sehr sauber im Vergleich zu anderen Wellen im Ausland. Neben Thun ist Bremgarten im Kanton Aargau der bekannteste Hotspot der Schweiz. Weltberühmt wurde das Flusssurfen durch die stehende Welle im Eisbach in München.

Nun droht aber das Ende des Surfvergnügens. Die Scherzligschleuse wird saniert. Und mit ihr auch die Flusssohle. Damit dürfte die Welle verschwinden. «Bei der Sanierung der Mühleschleuse vor zwei Jahren ist dies leider passiert», sagt Sandro Santschi. Das soll nun unbedingt verhindert werden. Der dazu gegründete Verein Flusssurfen Thun ist mit den kantonalen Behörden in Kontakt. «Es gab mehrere konstruktive Treffen», sagt Santschi. Das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern, das für die Sanierung verantwortlich zeichnet, sei ihrem Anliegen sehr offen begegnet. Mit einer kleinen Anpassung des Projekts soll nun die Welle erhalten bleiben. Absolute Sicherheit bestünde zwar nicht, sagt Santschi, «aber die Chancen stehen gut». Spätestens diesen Frühling, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, wird sich zeigen, ob es wieder eine Welle geben wird.

Thuner Tagblatt

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