Thun

«Darf ich Sie umarmen, Herr Doktor?»

ThunEin nicht alltäglicher Wegzug des Thuner Hausarztes Thomas Beck. Zusammen mit seiner Frau geht er mit offenen Armen bis zur Pensionierung nach Madagaskar.

Die Kisten für die neue Berufung sind gepackt. Die Thuner Esther und Thomas Beck wollen bis zur Pensionierung in Madagaskar wirken.

Die Kisten für die neue Berufung sind gepackt. Die Thuner Esther und Thomas Beck wollen bis zur Pensionierung in Madagaskar wirken. Bild: Heinz Schürch

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Abschied um Abschied sind in diesen Tagen beim Thuner Hausarzt Thomas Beck (52) und bei seiner Frau Esther (51) an der Tagesordnung. «Es gibt wahrlich rührende Momente. So sagte mir kürzlich ein Patient: ‹Herr Doktor, darf ich Sie zum Abschied umarmen?›», resümiert der Arzt aus Thun, der während elf Jahren im Bälliz praktizierte.

Doch der Reihe nach – denn hinter diesem nicht alltäglichen Abschiednehmen steckt ein Entschluss, der in den Jahren 1991 bis 1993 wurzelt: «Wir wirkten damals in Angola. Die Bilder der Armut und Not sowie die Möglichkeit, helfen zu können, haben wir nie mehr vergessen», erinnert sich Esther Beck, die bis zur aktuellen Praxisübergabe im Dezember 2014 ihren Mann im eigenen Betrieb unterstützte.

Zurück in der Schweiz, baute sich das Paar damals ein harmonisches Familienleben mit den vier Kindern Marco, Jan, Andrea und Tatjana auf. Doch es folgten weitere Besuche und humanitäre Aufenthalte im fernen Afrika. So wie vor etwas mehr als einem Jahr auf der Insel Madagaskar. Dort besuchten sie mitten im Busch ein kleines Städtchen mit einem Spital, wo geeignete Nachfolger gesucht wurden. «Wir waren sofort fasziniert, und das Projekt hat sich eingeprägt. Deshalb haben wir uns entschlossen, dort einzusteigen, und den Fokus darauf gerichtet», fasst Thomas Beck zusammen.

Helfen und zusammenleben

Ihr neues Engagement auf Madagaskar sehen die Becks nicht so, dass sie als die «grossen weissen Helfer» vor Ort auftreten wollen, sondern: «Wir wollen in die dortige Gemeinschaft hineinwachsen und unsere Fähigkeiten einbringen, welche vor Ort hilfreich sind», sagt Esther Beck. Und sie ergänzt: «Bei einem kürzlich erfolgten Besuch habe ich zum Beispiel den einheimischen Kindergärtnerinnen gezeigt, wie ein Windrad gebastelt werden kann.»

Und Thomas Beck sieht seine Rolle als Arzt im Prinzip ähnlich, wie er sie in Thun gelebt hatte: «Dem Patienten helfen und ihn bei seinem gesundheitlichen Problem unterstützen. Das Schönste dabei ist, mitzuerleben, dass oft geholfen werden kann, und die positiven Rückmeldungen, die man erhält», sinniert Thomas Beck. Er und seine Frau wollen daher mit offenen Armen nach Madagaskar gehen und gemeinsam mit den Einheimischen etwas Nachhaltiges bewirken.

Die Integration steht dabei für die beiden Thuner im Vordergrund. Denn während der ersten sechs Monate werden sie erst mal die Schulbank drücken, um die einheimische Sprache und Kultur zu lernen. Anschliessend wirken sie in ihren Kernkompetenzen: Thomas Beck im Spital und Esther Beck im Bildungsbereich.

Abschied in Raten

Das Madagaskar-Projekt stösst im Bekannten- und Berufskreis auf grosse Akzeptanz: «Spezialisten haben mir spontan zugesichert, dass sie mich mit Kurzeinsätzen unterstützen möchten», freut sich Thomas Beck. Zur Unterstützung der Projekte im Gesundheitswesen und in der Schule gründeten sie mit engagierten Freunden den Verein Fokus Madagaskar, der seine Wurzeln in Thun hat und haben wird», ergänzt seine Frau.

Für immer und ewig werden die zwei die Schweiz übrigens nicht verlassen. Der erste lange Aufenthalt in Madagaskar dauert achtzehn Monate, die Abreise wird am 17.Februar sein. Dann kehren sie für ein paar Wochen in die Schweiz zurück. Unterkunft finden sie hier jeweils bei Freunden und Bekannten. «Wir planen, dass wir dann nach rund zwölf Monaten Einsatz etwa acht Wochen in die Schweiz zurückkehren», sagt Thomas Beck.

Bis zur Pensionierung wollen die zwei so ihre Berufung ausüben. Dass sie dabei genügend Unterstützung haben, wissen sie. Doch vorerst wird am Wohnort an der Waldheimstrasse gepackt, und die Wege der sechsköpfigen Familie trennen sich: Die Eltern gehen nach Madagaskar, die vier Kinder im Alter von 20 bis 24 Jahren haben ihren eigenen Wirkungs- und Wohnort gefunden.

Am Donnerstag, 22.1., stellen Thomas und Esther Beck ihr Projekt «Fokus Madagaskar» von 19 bis 20.30 Uhr im Burgsaal in Thun vor.

Info: www.fokus-madagaskar.org (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.01.2015, 09:13 Uhr

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