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50% Indianer, 100% Einsatz

Der Thuner Halbblutindianer Jürg Schläfli kämpft um bessere Lebensbedingungen für die amerikanischen Ureinwohner. Stunts und Rekorde helfen ihm dabei. Heute Abend ist «Indi» zu Gast beim Filmfestival Thunersee.

Jürg Schläfli vor dem Kino City, wo er heute Abend mit den Zuschauern über den Film «No More Smoke Signals» diskutiert.
Jürg Schläfli vor dem Kino City, wo er heute Abend mit den Zuschauern über den Film «No More Smoke Signals» diskutiert.
Gabriel Berger

Sein Sternzeichen ist Wassermann – gemäss indianischem Zyklus hingegen Otter. Der Thuner «Indi» alias Jürg Schläfli ist zur Hälfte ein Weisser und zur Hälfte Indianer. Verbunden fühlt er sich mit beiden Welten. Sein Vater, der dem Stamm der Miwok angehört, lebt in einem Reservat im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Schläflis Mutter, eine Bernerin, hatte den Indianer am Rande des Reservats kennen gelernt. «Auf Grund der grossen kulturellen Unterschiede konnten meine Eltern nie über längere Zeit zusammenleben», erzählt Schläfli. «Mein Vater hätte sich in der Schweiz nicht zurechtgefunden – und umgekehrt.» Obwohl der Thuner seinen Vater schon seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat, steht er mit seinem Stamm weiterhin in Kontakt und besucht ihn hin und wieder, wenn auch meist nur an der Reservatgrenze. «Den Indianern ist ihr Gebiet heilig. Sogar die Bundespolizei FBI kreuzt nur auf, wenn Probleme auftauchen», weiss der Halbblutindianer.

Nach wie vor Vorurteile

Eines der häufigsten Probleme der letzten Jahrzehnte ist die Alkoholsucht. Indianer, die in der Hoffnung auf Arbeit ihr Reservat verlassen, finden draussen in der zivilisierten Welt meistens keinen Job. Ohne Perspektive und aus Frust beginnen einige von ihnen zu trinken. Jene, die zurückkehren, werden vom Stamm oftmals geächtet, was ebenso zu Alkoholmissbrauch führen kann. Indi sieht zwei Hauptgründe für die Misere: «Die Fähigkeiten der Indianer wie Reiten oder Schmuck machen reichen für normale Jobs in der Regel nicht aus. Erschwerend dazu kommt, dass immer noch viele negative Vorurteile über Indianer bestehen und sie deshalb keine Arbeit erhalten.»

«Radio zwar gut, aber »

Der Film «No More Smoke Signals», der heute Abend im Rahmen des Filmfestivals Thunersee im Kino City gezeigt wird, thematisiert den Kampf der Indianer um mehr Recht und Gerechtigkeit anhand des Beispiels der Lakota-Sioux. Seit den 70er-Jahren sendet das dort gegründete Kili-Radio Botschaften, Meldungen und Musik von Indianern für Indianer und gibt so Menschen Halt, welche die Hoffnung auf Selbstbestimmung schon verloren oder sich dem Suff hergegeben haben. Schläfli, der den Film auch zum ersten Mal sehen wird, ist gespannt auf dessen Inhalt. Er sieht die generelle Problematik durch das Radio jedoch nicht gelöst. Der Sender sei zwar gut, um auf sich aufmerksam zu machen, aber er wecke – gerade bei den Stammesältesten – sicher auch Ängste. «Ein Manitu etwa ist ein Mann, der mit Stimmen von Geistern und der Natur kommuniziert. Er sieht im Radio keine Chance, sondern viel eher etwas Fremdes und Bedrohliches und geht vermutlich entsprechend dagegen vor.»

Temporausch auf Blades

Um seinem und den anderen Indianerstämmen in den 104 Reservaten der USA zu helfen, hat Schläfli eine spezielle eigene Methode. Als Stuntman lässt er sich auf Rollerblades von Motorrädern und Autos hinterher ziehen – und dies bei Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern! Er hält in diesen Sparten bereits 13 Weltrekorde inne und ist zudem siebenfacher Weltmeister. «Das Geld, das ich durch Sponsorengelder und die mediale Vermarktung erhalte, fliesst in meine Projekte für die amerikanischen Ureinwohner», erklärt Indi. Konkret hilft er etwa jenen Indianern, die ausserhalb von Reservaten leben, eine eigene Existenz aufzubauen. Zudem unterstützt er sie beim Landkauf, um zusätzlichen Boden für die indianischen Pferde, die Mustangs, zu gewinnen. Diese wären sonst vom Abschuss bedroht. Als nächstes plant Schläfli die 200-Meilen-Marke (=320 km/h) zu knacken. Ebenfalls noch für dieses Jahr vorgesehen ist, innert zehn Tagen die Route 66 zu absolvieren, was einer täglichen Strecke von rund 900 Kilometern entspräche.

Heute Abend, 18 Uhr, Kino City in Thun: «No More Smoke Signals». Dokumentarfilm von Fanny Bräuning (CH 2008). 90 min., englisch/deutsch. Der Film erzählt die Geschichte der Lakota-Sioux in South Dakota (USA), die mit ihrem eigenen Radiosender für ihre Rechte kämpfen. Im Anschluss findet im Kinosaal eine Diskussion mit dem Thuner Halbblutindianer Indi alias Jürg Schläfli statt.

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