400 Kubikmeter Schnee für 10 eiskalte Kunstwerke

Grindelwald

Die 31. Ausgabe des World Snow Festivals in Grindelwald widmet sich einem Jubiläum: Vor 125 Jahren hielt der Wintersport im Tal Einzug. Entsprechend hat sich die Gestaltung der Kunstwerke daran orientiert.

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Zum 31. Mal wurde auf dem Baerplatz in Grindelwald, geschaufelt, gesägt, gemeisselt, geschliffen und poliert. Snow Festival heisst der Anlass, der 1983 mit einer überdimensionalen «Heidi» ins Leben gerufen wurde, geschaffen von japanischen Künstlern. «Für die zehn Quader benötigten wir rund 400 Kubikmeter Schnee», sagt Ralph Näf von Grindelwald Tourismus. Dieser sei vom Unteren Lauchbühl oberhalb des Hotel Wetterhorn mit Lastwagen ins Dorfzentrum herangeschafft worden. «Die Künstler loben die gute Konsistenz und die Reinheit des Schnees», sagt Näf. Die tiefen Temperaturen der vergangen Tage hätten den Künstlern aus aller Welt Freude gemacht und die Arbeit an den Details vereinfacht. Anna Farbotko vom Team USA gab ihrem Werk den letzten Schliff und erklärte: «Ich bin überrascht, wie viele abstrakte Skulpturen es gibt.» Grundsätzlich liessen sich die Werke in zwei Kategorien einteilen: abstrakt geometrisch oder konkret-figürlich. Wobei letztere deutlich in der Unterzahl waren. Nichtsdestotrotz fanden sie Beachtung: etwa die Skulptur der Klasse 8a vom Schulhaus Graben; ein paar überdimensionale Skischuhe. «Da hesch de ke Platz im Gondeli», sagte ein Besucher, während ein anderer Fotos schoss.

Zum Thema Wintersport durfte natürlich der Velogemel nicht fehlen, ein Holzvelo mit Kufen, dass es nur in Grindelwald gibt und hier fast unverändert gebaut wird. Das eigentümliche Gefährt feierte 2011 Jahr seinen 100.Geburtstag. zwischen den Skulpturen war das legendäre Eiskunstlauf-Traumpaar Oleg und Ludmila Protopopov anzutreffen und liess es sich nicht nehmen, zusammen mit dem Team Russland zu posieren: «Einfach nur schön», waren sich die beiden einig. Eine ganze Woche wurde an den Skulpturen gearbeitet, mitunter bei deutlichen Minustemperaturen. «Solange ich mich bewege, habe ich warm», erklärte Künstlerin Farbotko, die bereits zum siebten Mal dabei ist. Gegen kalte Finger hat sie ein einfaches Rezept: «Ich trage zwei paar Handschuhe übereinander.» Während der Woche machten sie und ihre Künstlerkollegen noch einen Ausflug aufs Jungfraujoch. «Das war ein tolles Erlebnis.» Sie sei zwar schon früher oben gewesen, aber sie wollte die Neuerungen sehen, die die Jungfraubahn im letztjährigen Jubiläumsjahr erschaffen hatte – ebenfalls ein 100.Geburtstag.

Nach über 30 Jahren ist es auch Zeit, Bilanz zu ziehen. Seit «Heidi» ist viel Zeit gegangen, die Welt hat sich verändert. Schneeskulpturen bleiben aber in Mode, auch das Fernsehen war gestern vor Ort. Ralph Näf sieht im Anlass grosses Potenzial: Er könnte sich vorstellen, den Anlass auf dem heutigen Coop-Parkplatz durchzuführen, wenn dereinst das neue Zentrum gebaut worden ist. Der Anlass wird also weiterentwickelt, getreu dem letztjährigen Motto «Pioniergeist».

Wahre Kolosse sind die Schneeblöcke auf dem Baerplatz: gut vier Meter hoch und je nach Schneedichte bis 20 Tonnen schwer. Und doch sind es Kolosse auf tönernen Füssen: Sonne und wärmere Temperaturen werden ihnen den Garaus machen, das ist nur eine Frage der Zeit. Zurück bleiben Erinnerungen und sicher viele Fotos.

Schlusszeremonie, Samstag, 26. Januar, ab 15 Uhr: Einmarsch der Trychlergruppe Grindelwald, anschliessend Rangverkündigung und Preisverteilung, Unterhaltung mit dem Schwyzerörgeliduo Kaspar Ambühl.

Berner Oberländer

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