20 Rappen für ein Kilogramm Maikäfer

Vor 100 Jahren Der Erste Weltkrieg stellte auch die neutrale Schweiz vor Herausforderungen. Vermutlich wegen Nahrungsmittelknappheit wurde 1915 das Maikäfersammeln für obligatorisch erklärt.

Der Maikäfer hatte im Mai 1915 wenig zu lachen. Erstmals wurde in der Gemeinde Thun die obligatorische Maikäfersammlung eingeführt.

Der Maikäfer hatte im Mai 1915 wenig zu lachen. Erstmals wurde in der Gemeinde Thun die obligatorische Maikäfersammlung eingeführt.

(Bild: Leserbild Monique Pfeifer)

Im Mai 1915 war die Maikäfersammlung in der Gemeinde Thun erstmals obligatorisch. «Zur Sammlung und Ablieferung sind verpflichtet: Sämtliche Eigentümer von Kulturland, Gärten und Laubholzwäldern in der Gemeinde Thun, ausgenommen der Bezirk Goldiwil ob dem Wald», liess das Polizeiinspektorat im «Oberländer Tagblatt» vom 5. Mai verlauten.

Die Sammlung ist wahrscheinlich nicht auf ein Maikäferplagenjahr zurückzuführen, sondern auf das verknappende Lebensmittelangebot durch den Ersten Weltkrieg. Einerseits sollte verhindert werden, dass die Insekten landwirtschaftliche Erzeugnisse dezimieren, andererseits wurden sie als Tierfuttermittel eingesetzt.

Ausgenommen von der Sammlung waren Grundstücke unter 1500 Quadratmetern. Es wurde jedoch erwartet, «dass sämtliche Gartenbesitzer sich freiwillig an der Einsammlung beteiligen.» Für gesammelte Käfer, die über das obligatorische Quantum hinausgingen oder von nicht Sammelpflichtigen in der ersten Flugwoche abgeliefert wurden, wurde ein Preis von 20 Rappen pro Kilo bezahlt. Für Engerlinge wurde das Doppelte bezahlt.

Was in Thun vor 100 Jahren sonst für Schlagzeilen sorgte:

1.5.1915 Der Sommerfahrplan der STI sieht täglich 24 Kurse Thun-Interlaken-Thun vor, davon sechs Kurse durchgehend. Postzüge verkehren drei.

3.5.1915 Für das Erfassen der Täterschaft im Zusammenhang mit den Brandstiftungen in Thun und Umgebung setzt das Regierungsstatthalteramt eine Belohnung von 1500 Franken aus.

3.5.1915 Der Verkehrsverein stellt die von Dr. Paul Beck geschaffene Karte «Riviera des Berner Oberlandes» vor, speziell gedacht für Spaziergänger.

4.5.1915 Ein Artillerie-Hauptmann sucht ein gerittenes Offizierspferd, Grösse 1.80m, Gewicht des Reiters 67 Kilo, für einige Monate und gute Pflege.

5.5.1915 Mit der Operette «Polenblut» von Stein gastiert das Ensemble des Berner Stadttheaters nochmals im «Sädel». Aus technischen Gründen gibt es keine STI-Extrazüge.

6.5.1915 Am dritten Einführungskurs der neuen Turnschule für die Lehrerschaft nahmen 32 Lehrer teil. Zur Verfügung standen die Turnhalle sowie der Turnplatz vom Pestalozzi-Schulhaus.

6.5.1915Kleiner Milchkonflikt in Thun. Der Gemeinderat setzte den Höchstpreis auf 24 Rappen pro Liter fest, die Milchhändler dagegen verlangen 25 Rappen.

6.5.1915 Kritik am Auftritt des Ensembles des Berner Stadttheaters, weil die Operette ohne Orchester aufgeführt wurde.

7.5.1915 Als neuen Salzauswäger in Goldiwil schlägt der Gemeinderat der kantonalen Wahlbehörde Bäckermeister Samuel Wyss vor.

7.5.1915 Die Eidgenossenschaft erntete 1914 auf dem Waffenplatz 865 Klafter Heu und Emd, was 5136 Ster entspricht, dazu auch Hafer, Weizen, Roggen und Kartoffeln.

7.5.1915 Der Gemeinderat nimmt die Verhandlungen mit dem Burgerrat bezüglich des Ankaufs der Waisenhausbesitzung im Bälliz durch die Einwohnergemeinde auf.

8.5.1915 Die Kommission der Mädchensekundarschule verzichtet auf Antrag der Lehrerschaft, die Schulreise 1915 wegen des Ernsts der Lage durchzuführen.

11.5.1915Die Primarschulkommission hat beschlossen, 1915 nur mit den 9. Klässlern auf eintägige Schulreise zu gehen; dies in Anbetracht der Zeitverhältnisse.

11.5.1915 Das Bataillon 170 bezieht im neuen Primarschulhaus Kantonnement, dazu kommt Mitte Juni eine Rekrutenaushebung im Parterre des Aarefeldschulhauses.

11.5.1915 Messerschmied Schoder in Thun hat als Andenken an die Grenzbesetzung 1914/15 ein Messer hergestellt, das einen wachenden Soldaten und das Brustbild Willes zeigt.

12.5.1915 Die Petrollampe am elektrischen Mast der Station Scherzligen gilt nach der Elektrifizierung der BLS als Sehenswürdigkeit ersten Ranges.

15.5.1915 Auf der hinteren Allmend brannte die grosse Scheune der Eidgenössichen Liegenschaftsverwaltung nieder. Als Grund muss Brandstiftung angenommen werden.

17.5.1915Das Polizei-Inspektorat ruft die Bestimmungen für das Anmelden und Aufstellen von Kutschen in Thun in Erinnerung.

19.5.1915 Die Carnegie-Stiftung ehrt Buchhalter Adolf Vogt mit Diplom und Medaille als Anerkennung für die Rettung einer Person bei der Schadau.

19.5.1915 Im Schaufenster der Buchhandlung Muntwyler sind nach einem neuen Verfahren hergestellte Photographien (kombinierter Gummidruck) ausgestellt.

20.5.1915 Am traditionellen Stafettenlauf Thun-Pfandersmatt der Turnvereine (10,5 km) hatten sich 102 Turner beteiligt, an der anschliessenden Turnfahrt 130.

25.5.1915 Die Pontoniere boten dem zahlreichen Publikum ein besonderes Schauspiel: Mit «Weidlein» und «Dreiteiler» fuhren sie unter der Oberen Schleuse hindurch bis zur Regiebrücke.

25.5.1915 Die Stadtmusik ist auf grosser Pfingstfahrt (Sigriswil nach Gunten), verbunden mit einem Konzert in der Heilstätte Heiligenschwendi.

26.5.1915Der Verband Schweizerischer Sekundärbahnen trifft sich in Thun zur Delegiertenversammlung. Es sind 124 Bahnverwaltungen mit einer Schienenlänge von 2226,86 km vertreten.

31.5.1915 Auswanderungsagent Wiedmer, Verweser des Städtischen Arbeitsamtes, ist an einem Schlaganfall gestorben. Er war 51-jährig und einige Jahre auch Gemeinderatsmitglied.

31.5.1915 In der Gebirgsinfanterie-Rekrutenschule ist ein Fall von Genickstarre aufgetreten; sofort wurden die nötigen Vorsichtsmassnahmen getroffen.

Quelle: Stadtarchiv Thun

Berner Zeitung

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