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Thun mit «Jungfrau» und Bern in China

Bern verbündet sich für

«Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, bleiben wir in Bern. Wir sind auf Wachstumskurs und werden unsere Mitarbeiterzahl auf über 50 aufstocken», liess die Schweizer Zentrale des chinesischen Telekomgiganten Huawei, der weltweit 87000 Mitarbeiter beschäftigt, gestern ausrichten. Der Schweizer Hauptsitz von Huawei Technologies Switzerland befindet sich im Liebefeld in Köniz. Vor gut einem Jahr präsentierte die Berner Wirtschaftsförderung den Telekomausrüster, der in Köniz derzeit zur Hälfte chinesische und schweizerische Mitarbeiter beschäftigt, als aufsehenerregende Neuansiedlung. Huawei mit Bern zufrieden Offensichtlich hat sich der Standort Bern in den Augen der Huawei-Chefetage in Shenzhen bis jetzt bewährt. Man hatte die Hauptstadtregion Schweiz wegen ihrer zentralen Lage und der Nähe zum wichtigen Kunden Swisscom gewählt. Das Beispiel Huawei zeigt, dass der Grossraum Bern bei Managern multinationaler Firmen aus dem boomenden China eine Überlegung wert sein kann. Solche potenziellen Investoren möchte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher mit dem Auftritt an der Weltausstellung, die vom 1.Mai bis zum 31.Oktober in Shanghai stattfindet, ansprechen, wie er gestern vor den Medien ausführte. Bern wird sich vom 22.Mai bis zum 20.Juni im Schweizer Pavillon von Shanghai präsentieren. Allerdings nicht als Hauptstadtregion (siehe Kasten), sondern unter der Dachmarke Bern-Jungfrau, zu der sich Stadt und Kanton, der Wirtschaftsraum Thun sowie die Jungfraubahnen zusammengeschlossen haben. Weltkultur, Weltnatur «Bessere Städte, besseres Leben», lautet das Motto der Weltausstellung, im Schweizer Pavillon wird dieses Thema zur Wechselwirkung zwischen urbanen und ländlichen Gebieten variiert. Damit bettet sich Bern harmonisch ins Bild ein, das Präsenz Schweiz in Shanghai vermitteln will. Die Verschränkung der Bundesstadt mit dem Jungfraugebiet bringt auch das Unesco-Weltkulturerbe der Berner Altstadt mit dem Unesco-Weltnaturerbe des Aletschgletschers zusammen. Mit den Jungfraubahnen treten in Shanghai die wohl versiertesten Berner Kenner des chinesischen Markts auf. CEO Urs Kessler wird dies wie gewohnt in der historischen Uniform der Jungfraubahnen aus den Gründerzeiten tun – und locker ein paar Sätze Chinesisch hinlegen. Schon vor 15 Jahren, als der China-Boom noch Zukunft war, reiste er, damals noch Marketing-Chef der Jungfraubahnen, nach Peking und Shanghai, um bei den Tour-Operators die teure Reise zum Top of Europe zu etablieren. Er hat erlebt, wie aufwändig die Bearbeitung des chinesischen Markts ist. Lohnenswert für «Thuner» Heute reisen jährlich 20000 Chinesen aufs Joch, Kesslers Fernziel sind 100000. Seine China-Ambitionen versprechen auch dem Schmuckumsatz im Oberland rosige Zeiten. Schon heute beschäftigt das Bijouteriegeschäft Kirchhofer laut dem CEO der Jungfraubahnen im Geschäft in Interlaken 30 chinesische Verkäuferinnen. Wie gestern ausserdem mitgeteilt wurde, ist der chinesische Markt auch für den Export von Bedeutung. Ein grosser Teil der 4500 Firmen im Wirtschaftsraum Thun sei stark vom Export abhängig und auch in Asien tätig. Firmen wie etwa der Thuner Solarzulieferer Meyer Burger könnten direkt von der Expo profitieren. Ausserdem erhofft man sich einen positiven Einfluss auf die Thunersee-Tourismusregion. Auf dem Areal der Expo Shanghai, für die laut Medienberichten 18 000 Familien umgesiedelt wurden, werden sich über 200 Länder und Organisationen präsentieren, man erwartet 70 Millionen Besucher, hauptsächlich aus China. Wird «Bern-Jungfrau» im chinesischen Gedächtnis haften bleiben? Wirtschaftsförderer Denis Grisel, Berner Projektleiter Shanghai, ist zuversichtlich. In der «Public Zone» des Berner Auftritts will Grisel die Gefühlswelt berühren. In drei mit Bluescreens ausgestatteten Fotostudios können sich potenzielle chinesische Schweiz-Touristen inmitten bernischer Traumlandschaften ablichten lassen. Und das Bild dann als Postkarte verschicken. Jürg Steiner/jss >

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