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Thun – Stadt der Wellen!

Die Stadt. Lieben. Leben.» Dieser Slogan, den findige Geister einst für Thun entworfen haben, soll die Stadt charakterisieren und gegen aussen verkaufen – ihn zu lieben, fällt allerdings vielen kyburgstädtischen Zeitgenossen eher schwer. Nun, treffende Slogans zu finden, ist nicht ganz einfach. «Thun – Stadt der Alpen» ist ja ein wenig out, seit ein stadtbekannter Provokateur von der Allmendstrasse daraus «Thun – Stadt der Alten» gemacht hat. Und sowieso drängt sich spätestens jetzt ein neues Motto auf: «Thun – Stadt der Wellen!» La Ola brandet durchs brandneue Stadion, Paddelakrobaten balancieren auf der Welle in der Scherzligschleuse, fette Fische tummeln sich in den sanften Wellen beim Mühleplatz, Politiker fahren Wellenlinien (okay, in Thun nicht ausgeprägter als anderswo), am Thunfest verbindet Zehntausende Feier- und vor allem Trinkfreudige dieselbe Wellenlänge. Und jetzt wird auch noch der Verkehr zwischen Guisan- und Sternenplatz gewellt. Die wellenförmige Markierung in der Fahrbahnmitte soll – wir haben mehrfach berichtet – die Fussgängerstreifen ersetzen. Was nicht nur weiterhin hohe Wellen werfen, sondern bei einigen überforderten Passanten auch für wellenförmige Stirnrunzeln und ratloses Kratzen in der Dauerwelle sorgen dürfte. Sie sehen: Die Welle – übrigens ein «räumlich und zeitlich veränderliches Feld, das Energie, jedoch keine Materie, durch den Raum transportiert», wie uns die Wikipedia lehrt – ist in. Well, wie der Engländer sagt, vielleicht gäbe die Sache mit dem neuen Slogan aber auch reichlich Ärger. Zum Beispiel mit der belgischen Stadt Wellen, der deutschen Ortsgemeinde gleichen Namens oder der neuseeländische Hauptstadt Well-ington. Diese könnten die Stadt Thun verklagen, weil sie den gleichen Slogan für sich reklamieren. «Das ist die perfekte Welle!», sang die deutsche Band Juli einst. Ob dies auch für jene auf dem innenstädtischen Asphalt aufgemalte Version gilt, muss sich erst noch weisen. Und wenn nicht, wird diese dereinst als nutzloses Strandgut an die Küste der Thuner Stadtgeschichte gespült. Wie irgendwann wohl auch der aktuelle Slogan «Die Stadt. Lieben. Leben.». m.gurtner@bom.ch>

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