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Teure Helvetia unter dem Hammer

SeebergEine wertvolle philatelistische Sammlung aus Seeberg wechselt den Besitzer. Briefmarkensammler aus der ganzen Welt können am Samstag ihre Gebote abgeben. Mindestpreis: 12000 Franken.

Briefmarkensammler rund um den Globus blicken am Samstag gespannt nach Luzern. Am Firmensitz der Rölli+Schär AG wird eine umfangreiche philatelistische Heimatsammlung versteigert, die ihren Ursprung in der Gemeinde Seeberg hat. Das Eröffnungsgebot beträgt 12000 Franken, der Endpreis dürfte um einiges höher liegen. «Es handelt sich um eine prämierte Sammlung mit seltenen Belegen von einzigartiger Qualität», schwärmt Christian Holling, Kommunikationsleiter der Firma Rölli+Schär. Versteigerung live im Internet Ihre Gebote können die Liebhaber via Internet oder direkt im Auktionslokal in Luzern abgeben. «Unsere Kundschaft ist international, deshalb übertragen wir die Versteigerung auch via Livestream», erklärt Holling. Der Meistbietende darf sich über eine geschichtsträchtige Sammlung freuen, die aus 31 Albumblättern mit 51 Briefen, Einzelmarken und Ansichtskarten besteht. Abgestempelt wurden sie zwischen 1852 und 1867 in der Poststelle Seeberg, die sich damals im Restaurant Schwanen an der Bernstrasse befand. Der Mann am Schalter hiess Johann Gygax. Er wohnte in Seeberg und erledigte seinen Job mit einer Sorgfalt, die heute kaum mehr vorstellbar ist. Aus Pietätsgründen achtete er peinlichst genau darauf, dass er die Figur der Helvetia auf den Briefmarken niemals mit seinem Stempel enthauptete. «Das macht die Sammlung einzigartig», sagt Holling. Seeberg als Umschlagplatz Der bisherige Besitzer der Heimatsammlung ist ein Mann mit Wohnsitz im Kanton Bern. Vor einigen Jahren hatte er bei Hans Locher (79), pensionierter Lehrer und Geschichtsforscher aus Seeberg, angeklopft, weil er mehr über den früheren Posthalter erfahren wollte. Locher stürzte sich ins Archiv – und wurde prompt fündig. Neun Kinder habe Johann Gygax gehabt, vier mussten nach Amerika auswandern, weil sie in Seeberg keine Erwerbsgrundlage fanden. Neben seinem Posthalterjob musste Gygax als Bauer anpacken, sonst hätte sein Lohn nicht fürs Leben gereicht. Dies obwohl Seeberg damals «einer der Hauptumschlagplätze der Post» war, wie Hans Locher sagt. Per Kutsche wurde die Ware von Zürich, Basel und Bern herangekarrt, umgeladen und weitergeführt. Das änderte sich schlagartig, als im Jahr 1857 die damalige Centralbahn (heute SBB) ihren Betrieb aufnahm und den Gütertransport zwischen Bern und Olten wesentlich einfacher machte. Vor seinem Tod im Jahr 1871 übergab Johann Gygax die Poststelle an einen seiner Söhne, im Jahr 1874 wurde sie geschlossen und in das damalige Restaurant Schlüssel verlegt. Dort, wo einst der Schwanen stand, ist heute ein Bauernhof zu finden. An jene Zeiten, als Seeberg noch ein wichtiger Standort der Post war, erinnert kaum mehr etwas. Wenigstens ein paar Briefe, Marken und Ansichtskarten sind geblieben, als Erinnerung an den sorgfältigen Posthalter Johann Gygax, der die Helvetia niemals köpfte. Stefan SchneiderDie Auktion: nächsten Samstag, ab 10 Uhr, bei der Firma Rölli-Schär AG, Seidenhofstrasse 2, Luzern. Weitere Infos: www.roelliphila.ch. >

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