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Statt «Stockhorn-Piercing» bloss ein Balkon?

GutachtenDas «an sich gut gestaltete Projekt» beeinträchtige die Landschaft als «technischer Fremdkörper». Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission. Eine balkonartige Plattform am Stockhorn würde sie dagegen als hinnehmbare Beeinträchtigung einstufen.

Klein – aber spektakulär – hätte die ringförmige Plattform an der Nordwand des Stockhorngipfels werden sollen. Doch die einem Piercing ähnelnde Plattform mit einem Aussendurchmesser von 13 Metern darf nicht realisiert werden. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (Enhk) hält in ihrem Gutachten fest, dass bauliche Eingriffe im alpinen Raum grundsätzlich heikel seien. Die geplante Plattform sei zwar von Oberstocken aus (oder von weiter weg) kaum zu sehen, sie wäre jedoch aus dem Gebiet Walalpgrat/ Baachegg als technischer Fremdkörper sichtbar. «Deshalb würde das an sich gut gestaltete Projekt die Landschaft beeinträchtigen. Eine kleinere Aussichtsplattform würde die Kommission dagegen als hinnehmbare Beeinträchtigung einstufen.» Regierungsstatthalter Marc Fritschi hat laut einer Mitteilung die Stockhornbahn AG auf Grund des Enhk-Gutachtens angefragt, ob sie am Baugesuch festhalte, das Projekt ändern oder zurückziehen wolle. «Über das weitere Vorgehen wird anschliessend zu entscheiden sein», hält Fritschi fest. Das Bahnunternehmen hatte als Bauherrschaft freiwillig eine Projekt-Begutachtung durch die Natur- und Heimatschutzkommission beantragt. Dies, weil die vier Organisationen Mountain Wilderness, Schweizerischer Alpenclub, Pro Natura und Stiftung Landschaft Schweiz ihre gegen das Projekt erhobenen Einsprache aufrecht erhalten hatten. Sechs weitere Einsprachen waren abgewiesen worden (wir haben berichtet). «Die Arbeit beginnt neu» Stockhornbahn-Geschäftsführer Alfred Schwarz erklärte, das Unternehmen halte grundsätzlich am Projekt fest. «Doch unsere Arbeit beginnt praktisch neu.» Zusammen mit Architekten und Ingenieuren müsse nun analysiert werden, ob die Vorschläge der Enhk umsetzbar seien. «Statt einem kreisförmigen Steg von einem Stockhorn-Fenster zum andern schwebt der Kommission eine Art Balkon vor», sagte Schwarz. Dabei gehe allerdings für die Besucher der angestrebte Reiz – die Position knapp acht Meter weg von der Wand und mit Blick zurück zum Felsen sowie in die Tiefe – verloren. «Die zuvor geplante Stahlrohrkonstruktion wäre im Felsinneren befestigt und durch beide Stockhorn-Augen geführt worden. Bloss die Steinschlagschutznetze hätten bei diesem Projekt die Nordwand tangiert.» Ziel sei gewesen, das bereits Bestehende zu nutzen und möglichst wenig aussen am Felsen zu machen. Was ist realisierbar? Man nehme die Anregung der Enhk auf, sagt Geschäftsführer Alfred Schwarz. «Doch eine gewisse Dimension wird auch so nötig sein, um den Besucherfluss beim Ein- und Ausstieg zu gewährleisten. Die Frage, ob die Balkon-Version über ein oder beide Fenster erschlossen werden kann und die Art der Konstruktion müssen abgeklärt werden.» Die Kommission erwarte offensichtlich ein dezentes, gut gestaltetes Projekt – wie sie das zwar bereits dem nun abgelehnten Rundsteg attestiert habe. «Die praktische Umsetzbarkeit und die ganze Problematik der Statik ist aber jetzt klar unser Problem.» Schwarz rechnet damit, dass ein angepasstes Projekt bis Ende August/Anfang September vorliegt. «Danach werden wir sehen, ob die Einsprecher dieses goutieren und die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission sowie die Bewilligungsbehörden zustimmen können.» Nebst der technischen Machbarkeit muss die Bauherrschaft das Problem um die optische Wahrnehmung lösen. So stellt sich die Frage, wie ein Bauwerk vor den bestehenden Glasfenstern aussehen muss, um nicht als «technischer Fremdkörper» zu wirken.Peter Rothacherwww.stockhorn.ch>

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