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Spitzenmedizin wird verteilt

Die ersten Vorschläge zur schweizweiten Koordination der Spitzenmedizin liegen bereit. Sie betreffen unter anderem die Protonentherapie und die Herztransplantation. Im Frühling sollen bereits Entscheide gefällt werden.

Jetzt wird die Verteilung der Spitzenmedizin auf die Spitäler in der Schweiz konkret. Zu fünf Bereichen liegen Vorschläge und Szenarien bereit, wo sie künftig angeboten werden sollen. Die Bereiche umfassen die Protonentherapie, Organtransplantationen, Schwere Verbrennungen, Allogene Knochenmark- und Blut-Stammzellentransplantationen sowie Cochlea-Implantate für Gehörlose. Im Moment können Kantone, Spitäler und Fachgesellschaften zu den Vorschlägen Stellung nehmen. Nach dieser Anhörung sollen im Frühling erste Entscheide gefällt werden. Das Thema ist für den Kanton Bern von grosser Bedeutung. Schliesslich geht es unter anderem darum, ob das Berner Inselspital auch in Zukunft Herztransplantationen durchführen darf oder ob Bern wie gewünscht ein Zentrum für Protonentherapie zur Behandlung von Krebs aufbauen darf. 100-Millionen-Projekt Ein solches Zentrum – ein 100-Millionen-Franken-Projekt – ist beim Inselspital seit dem Jahr 2006 in Planung, doch auch Zürich und private Anbieter haben Interesse angemeldet. Mehr als ein Zentrum kommt für die Schweiz aber nicht in Frage. «Wir arbeiten weiter an unserem Projekt zur Protonentherapie», sagt Andreas Tobler. Der ärztliche Direktor und stellvertretende Direktionspräsident des Inselspitals ist überzeugt, dass ein Protonentherapiezentrum an ein Universitätsspital gehört, weil nur dort klinische Forschung und eine umfassende Krebsbehandlung möglich seien. «Wir sind auf Kurs», sagt auch Konrade von Bremen zum Stand des Projekts. Sie ist Direktorin der Swantec Holding, die sich um das Protonentherapieprojekt der Insel kümmert. Bei der Herztransplantation gibt es heute die Zentren Lausanne, Bern und Zürich. «Aus medizinischer Sicht sind das zu viele», so Tobler. Bern sei seit Jahren das führende Zentrum in der Schweiz. Umstrittenes Vorhaben Mit ihren Vorschlägen kommen die Kantone ihrer Pflicht nach, die Spitzenmedizin nicht länger im eigenen Kanton zu regeln, sondern gemeinsam und schweizweit zu planen. Finden sie keine Lösung, übernimmt der Bundesrat die Koordination. Vorerst sollen zehn Bereiche geregelt werden, für fünf stehen die Szenarien noch aus. Die Beschlüsse dürften nicht unbestritten bleiben, denn für die Spitäler stehen Chancen und Positionierungsmöglichkeiten auf dem Spiel. So ist vor einigen Jahren ein erster Koordinationsversuch gescheitert, weil der Kanton Zürich seine Forderungen nach schweizweit zwei Zentren der Spitzenmedizin – wovon eines in Zürich – nicht durchsetzen konnte. Der Kanton verweigerte daraufhin die Zusammenarbeit. Inzwischen ist Zürich aber wieder im Boot, der Kanton hat sich in den letzten Jahren mit Investitionen in die Spitzenmedizin in eine gute Ausgangslage zu bringen versucht. Es kann Jahre dauern Welches Spital letztendlich welche Art der Spitzenmedizin anbieten darf, entscheidet ein Beschlussorgan, bestehend aus zehn Gesundheitsdirektoren, darunter auch der Berner Regierungsrat Philippe Perrenoud. Für den Entscheid stützt sich das Beschlussorgan auf jene Berichte, die sich nun in der Anhörung befinden und von einem Fachorgan bestehend aus einem Dutzend medizinischen Experten aus dem In- und Ausland verfasst wurden. Mitglied dieses Fachorgans ist unter anderen der Berner Medizinprofessor Martin Täuber, der künftige Rektor der Universität Bern. Gegen den Entscheid des Beschlussorgans kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht werden. Im Leitfaden zum Verfahren wird gewarnt, dass ein Beschwerdeverfahren viel Zeit in Anspruch nehmen könnte. Vielleicht verstreichen also Jahre, bis die Konzentration der Spitzenmedizin umgesetzt ist. Brigitte Walser >

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